Heizstrahler, Zelte, Pavillons: So will der St.Galler Stadtrat den Gastrobetrieben durch den Corona-Winter helfen

Die verschärften Massnahmen des Bundesrats treffen die Betriebe mit voller Wucht. Viele Gastronomen hoffen auf einen Hoffnungsschimmer aus der Politik. Der St.Galler Stadtrat erlässt nun weitere Unterstützungsmassnahmen. Der Präsident von Gastro Stadt St.Gallen seinerseits sagt: «Ohne Gäste sind wir trotzdem verloren.»

Tabea Leitner
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Gäste im Winter draussen zu bewirten ist nicht so einfach wie im Sommer. Heizstrahler können dabei hilfreich sein.

Gäste im Winter draussen zu bewirten ist nicht so einfach wie im Sommer. Heizstrahler können dabei hilfreich sein.

Bild: Peter Schneider/Keystone (Interlaken, 14. November 2020)

Im vergangenen Mai hat der St.Galler Stadtrat bereits beschlossen, dass Gastrobetriebe angrenzenden öffentlichen Grund zur Bestuhlung nutzen dürfen. Aufgrund des vorgeschriebenen Mindestabstands von eineinhalb Metern zwischen Gästegruppen ist es unmöglich, dass alle bewilligten Sitzplätze besetzt werden können. Das Echo auf die Regelungen sei positiv gewesen.

So sagt die zuständige Stadträtin Sonja Lüthi: «Weil die Gastrobetriebe weiter in die Fussgängerzone hinein Tische aufstellen durften, ergab sich ein Bild von einer belebten Stadt.» Das sei gerade in einer Zeit, als viele Veranstaltungen wegen Corona abgesagt wurden, wichtig für das Stadtleben gewesen. Diese Regelungen gelten weiterhin, aber der St.Galler Stadtrat ergänzt die Massnahmen.

Zelt vor Restaurant

Neu ist es erlaubt, auf unmittelbar angrenzendem öffentlichem Raum mobile Bauten, wie zum Beispiel Zelte oder Pavillons, aufzustellen. Diese sollen Gäste, die draussen sitzen, in der Wintersaison vor Nässe und Kälte schützen.

Sonja Lüthi, St.Galler Stadträtin.

Sonja Lüthi, St.Galler Stadträtin.

Bild: pd

Auch in diesen Anbauten dürfen jedoch nur so viele Gäste bewirtet werden, wie es die baurechtliche Bewilligung erlaubt. Zudem müssen die Gastrobetriebe für das Aufstellen solcher Anlagen eine Polizeibewilligung haben. «Es muss sichergestellt werden, dass auf der Strasse ausreichend Platz für die Rettungsdienste, die Reinigung, aber auch andere Gastrobetriebe vorhanden ist», erklärt Lüthi. In den Nebenbedingungen der Bewilligung darf die Polizei zum Beispiel auch die Gästeanzahl in den Pavillons zusätzlich beschränken.

Betriebe, deren Grundstück nicht unmittelbar an öffentlichen Boden grenzt, sind weiterhin gezwungen, Sitzplätze zu reduzieren. Dazu sagt Lüthi: «Wir können keinen neuen Boden hervorzaubern. Wir versuchen lediglich, den Betrieben im Rahmen des Möglichen entgegenzukommen.»

Bitte mit Ökostrom

Im Sommer geniessen es die Gäste, draussen zu sitzen und die Sonne zu spüren. Doch auch im Winter sollen sich die Leute in den Aussenbereichen wohlfühlen. Deshalb sind ausnahmsweise elektrische Heizstrahler zur Beheizung der genutzten öffentlichen Flächen erlaubt. Der Umwelt zuliebe empfiehlt der Stadtrat den Gastrobetrieben, auf ein ökologisches Stromprodukt der St.Galler Stadtwerke zurückzugreifen. Statt Heizstrahlern sollen Gastronomen lieber Heizkissen, Wolldecken, Sitzpolster oder Holzpellet-Strahler nutzen.

Wenig Optimismus

René Rechsteiner, Präsident Gastro Stadt St.Gallen.

René Rechsteiner, Präsident Gastro Stadt St.Gallen.

Bild: pd

Grundsätzlich ist der Präsident der Gastro Stadt St.Gallen, René Rechsteiner, erfreut über die Offenheit des Stadtrats. «Ich hoffe, dass es wenigstens gewissen Lokalen hilft, durch diese Lockerungen mehr Spielraum zu erhalten», so Rechsteiner. Allerdings sei die Lage prekär.

Seitdem der Bundesrat die Coronamassnahmen verschärft hat, sei zum Beispiel die Ertragslage in seinem eigenem Restaurant Bierfalken drastisch gesunken. «Die Leute haben keine Lust, nur zu viert an einem Tisch zu sitzen», sagt er. Ausserdem hätten die Gastronomen durch die Empfehlung für Homeoffice viel Kundschaft verloren. «Ohne Gäste sind wir trotz dieser Unterstützungsmassnahmen verloren», so Rechsteiner. Auch Stadträtin Sonja Lüthi sagt: «Es ist keine grosse Zahl an Gastrobetrieben, denen wir mit diesen Massnahmen helfen können.»