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Wahlkampf in Wittenbach: Wie Oliver Gröble im Oberland ankommt

Als Standortförderer kommt der parteilose Oliver Gröble im Kanton viel herum – und bei vielen Leuten gut an. Politisch einschätzen kann ihn auch ausserhalb Wittenbachs kaum jemand.
Adrian Lemmenmeier
Der Parteilose Oliver Gröble machte im ersten Wahlgang 27 Stimmen weniger als Norbert Näf (CVP).

Der Parteilose Oliver Gröble machte im ersten Wahlgang 27 Stimmen weniger als Norbert Näf (CVP).

In Wittenbach war Oliver Gröble bis zum Wahlkampf ein unbeschriebenes Blatt. Ausserhalb seiner Nachbarschaft kannten ihn nur wenige; weder die Parteien noch der Gewerbeverein hatten den Rechtsanwalt auf dem Schirm. Nun halten sie ihm vor, er habe sich nie in Wittenbach engagiert. Dazu sagte Gröble am ersten «Tagblatt»-Podium, als Standortförderer des Kantons habe er es vorgezogen, sich nicht in die Angelegenheiten seiner Wohngemeinde einzumischen.

Als Standortförderer (so beginnt Gröble seine Sätze oft) ist der 50-Jährige viel in anderen Gemeinden unterwegs. Er leitet Projekte, betreibt Destinationsentwicklung. Somit kennt man ihn in manch entlegener Kommune besser als in Wittenbach.

Kein Bürokrat aus dem Bilderbuch

Als Beweis für seine Macherqualitäten verweist Gröble im Wahlkampf immer wieder auf «Light Ragaz». In diesem Projekt werfen Beamer ein farbiges Lichtspiel an die Felsen der Tamina-Schlucht. «Auch im zweiten Sommer hat das Projekt alle Erwartungen übertroffen», sagt Rosa Ilmer von Bad Ragaz Tourismus. Scharenweise reisen die Besucher an. Das sei massgeblich das Verdienst des Standortförderers Oliver Gröble, der das Projekt ausgezeichnet geleitet habe.

Telefoniert man sich durchs St. Galler Oberland und erkundigt sich über den Standortförderer, hört man mehrfach denselben Spruch: «Hoffentlich wählen die Wittenbacher Oliver Gröble nicht – das wäre nämlich schade für das Oberland.» Die kantonale Standortförderung hilft der schwächelnden Randregion mit Tourismusentwicklungskonzepten auf die Beine. Nicht nur Gröbles Amt, auch er selbst kommt bei vielen gut an. Gröble verstehe es hervorragend, Leute mit verschiedenen Ansichten an einen Tisch zu bringen, sagt etwa Christoph Gull (SVP), Gemeindepräsident in Flums. Erich Zoller (CVP), Präsident der Gemeinde Quarten, sagt, Gröble zeige sehr grosses Engagement für seine Projekte – und das sei keine Floskel. Heinrich Michel, CEO der Bergbahnen Flumserberg AG, beschreibt die Zusammenarbeit als konstruktiv und speditiv. Gröble sei nicht der Bürokrat aus dem Bilderbuch, sondern ein Visionär mit Wadenbeisserqualität.

Er kommt, wenn es «chroset» im Oberland

Die Region Flumserberg soll bald nicht mehr bloss im Winter, sondern das gesamte Jahr über Besucher anlocken. Im Rahmen eines Tourismusentwicklungskonzepts soll unter anderem ein Heidi-Erlebnisdorf entstehen. Das Projekt verzögert sich allerdings, denn die Stimmberechtigten der Alpkorporation Mols wollten beim Bau des 27 Millionen Franken schweren Heidi-Dorfes die Führungsrolle nicht übernehmen. Nun sucht man mit Hilfe der Standortförderung einen Investor. «Oliver Gröble bringt die Leute zusammen, wenn es ‹chroset› im Oberland», sagt Markus Hug, Präsident der Alpkorporation Mols. Der Flumser Gemeindepräsident Christoph Gull: «Dass dieses Projekt nach wie vor gut läuft, ist zum grossen Teil Gröbles Verdienst.»

Wirtschaftsnah und vage

Die Begeisterung aus dem Oberland teilen in Wittenbach nicht alle. So begründet der Gewerbeverein die Wahlempfehlung für Norbert Näf auch damit, dass Gröble konstruktive Antworten und Sachverständnis schuldig geblieben sei. Alt Kantonsrat Reini Rüesch (FDP) bezeichnete Gröble in einem Leserbrief indirekt als personelles Risiko («Tagblatt» vom Freitag). Und auch in Gröbles beruflichem Umfeld gibt es Stimmen, die sagen, der Standortförderer sei zwar hoch motiviert, aber ein Umstandskrämer, der oft vage bleibe.

Vage ist auch Gröbles politisches Profil. «Nicht extrem links, nicht extrem rechts» – mehr liess sich der Parteilose nie entlocken. Auch Leute, die ihn beruflich kennen, können ihn nicht in ein Schema pressen. Gröble sei von Berufs wegen sicher wirtschaftsnah, hört man immer wieder. Er sei aber durchaus auch empathisch und habe eine Ader für sozial Schwache.

Oliver Gröble machte im ersten Wahlgang nur 27 Stimmen weniger als CVP-Kandidat Norbert Näf. Ob der Parteilose gegen die Phalanx der Ortsparteien nochmals zulegen kann, wird sich zeigen. Wenn nicht, dürfte man sich immerhin im St. Galler Oberland freuen.

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