Ob mit zwölf Gerichten, weisser Kleidung oder Tigrinya Suwa: So feiern Ostschweizer Migrantinnen und Migranten Weihnachten

An Heiligabend gibt es einen Braten? Nicht unbedingt. Ein jeder hat sich auf die Festtage anders vorbereitet. Einige feiern auch gar kein Weihnachten, andere wiederum feiern im Januar. Im Gespräch mit Rorschachs Migrantinnen und Migranten.

Ines Biedenkapp
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Die Deutschklasse von Markus Grob (hinten links) erzählt sich von ihren Ritualen und Traditionen an Weihnachten.

Die Deutschklasse von Markus Grob (hinten links) erzählt sich von ihren Ritualen und Traditionen an Weihnachten.

Bild: Ines Biedenkapp

Rorschach hat einen Ausländeranteil von über 40 Prozent. Daher treffen auch viele Kulturen aufeinander. Sichtbar wird dies unter anderem im Deutschkurs von Markus Grob, der mittwochs an der Mariabergstrasse 21 stattfindet. Auch für die Teilnehmer ist das Thema Weihnachten wichtig. Sie erzählen einander von ihren Ritualen und Traditionen und erhalten so einen Einblick in die religiösen Gepflogenheiten der anderen.

In Polen feiert man mit zwölf Gerichten

Aneta Pisarska-Pucia kommt aus Polen. Sie wohnt seit vier Jahren mit ihrer Familie in der Schweiz. Dieses Jahr fahren sie an Weihnachten zur Verwandtschaft nach Polen. «Es wird das erste Mal sein, dass mein Jüngster das Fest in Polen feiert», sagt sie. Die Freude ist ihr dabei ins Gesicht geschrieben. «Am 24. gehen wir alle zusammen in die Kirche. Dort wird eine Messe abgehalten.» Während der Zeremonie wird eine spezielle Oblate geteilt. «Dabei wünschen wir uns gegenseitig etwas wie Gesundheit oder Glück», sagt Pisarska-Pucia.

Danach geht es nach Hause zum Essen. «In Polen feiern wir mit zwölf Gerichten», sagt sie.

«Das Essen beginnt, sobald der erste Stern am Himmel zu sehen ist.»

Fleisch wird an diesem Abend allerdings nicht aufgetischt; sondern Fisch. Nach dem Essen singt die Familie und für die Kinder gibt es Geschenke.

Adiam Yemane feiert mit der Familie Weihnachten am 24. Dezember. «Wir haben einen Baum und besuchen an den Feiertagen unsere Familie», sagt sie. Eigentlich würden sie Weihnachten am 7. Januar feiern, da die Familie christlich-orthodox ist. Seit sie in der Schweiz sind, feiert die Familie aber im Dezember. «Unser Sohn kennt es gar nicht anders», sagt die Eritreerin. «Im Januar kommt aber nochmals die ganze Familie zusammen.»

Weihnachten wird in weiss gefeiert

Ähnlich ist es bei Hailemichael Andemariam. Auch er kommt aus Eritrea und gehört der christlich-orthodoxen Glaubensrichtung an. Für ihn und seine Familie gehört zu dieser Zeit das Fasten dazu. «Damit beginnt für uns die eigentliche Weihnachtszeit», sagt Andemariam. «Auch geht man einen Tag vor Weihnachten in die Kirche, um seine Sünden zu beichten.» Den Weihnachtstag feiert die Familie mit einem Gottesdienst.

«Dazu haben wir traditionell weisse Kleider an», sagt er.

«Und zu Hause bereiten wir ein spezielles Getränk zu, es heisst Tigrinya Suwa.» (Auch Tella genannt, ist ein Biergetränk aus Äthiopien und Eritrea.) Jede Familie hat dafür ihr eigenes Rezept. Zudem ist es in Eritrea üblich, für das Fest ein Tier zu kaufen, es zu schlachten und das Fleisch mit der Familie zu teilen.

Bayram fängt mit Fasten an

Mirlinda Kadrijaj stammt aus Schweden. Bei ihr sieht Weihnachten ganz anders aus: «Wir feiern kein Weihnachten – sondern Bayram. Ich bin Muslima», sagt sie. «Das ist allerdings ähnlich wie Weihnachten.» Wie bei orthodoxen Christen beginnt bei den Muslimen das Fest mit Fasten. Allerdings hängt der genaue Zeitpunkt des Fests von den Mondphasen ab und findet daher jedes Jahr an einem anderen Datum statt.

«Am Festtag selbst, gibt es ein grosses Essen mit viel Fleisch und die Kinder bekommen Geschenke», sagt Kadrijaj. Bei ihnen wird zweimal gefeiert, denn nach dem grossen Fest für die Familie folge nach neun Wochen ein kleineres Bayram. «Da gedenken wir den Armen», erklärt sie. «Auch bei diesem Fest bereiten wir Essen vor, geben es aber an Bedürftige weiter.»

Weihnachten ist die Zeit zum Zusammenkommen

Neben der Religion geht es für alle in der Runde an Weihnachten vor allem um eins: die Familie. Egal ob im Dezember oder im Januar gefeiert wird, Weihnachten ist für alle die Zeit des Zusammenkommens. Das empfindet auch Akoe Sallah so:

«Wir teilen Geschenke und haben ein traditionelles Essen mit Mais», sagt sie.

«Normalerweise fahren wir dafür zu unserer Verwandtschaft nach Lausanne.» Dieses Jahr sei das allerdings nicht möglich. «Dafür feiern wir mit Mirlinda und ihrer Familie», sagt Akoe Sallah. Vor der Feier werden sie einen Gottesdienst besuchen. «Das wird toll», sagt sie mit Freude.