Hedwig Hörler lebt seit einem Jahrhundert in Gossau

Mit Appenzeller Alpenbitter hat Hedwig Hörler auf einen speziellen Anlass angestossen: Sie wurde 100 Jahre alt. Trotz des hohen Alters hat die Seniorin ihr gutes Gedächtnis nicht verloren.

Elena Fasoli
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Hedwig Hörler feierte ihren 100. Geburtstag mit ihrer Familie und den Bewohnern des Altersheimes. (Bild: Hanspeter Schiess)

Hedwig Hörler feierte ihren 100. Geburtstag mit ihrer Familie und den Bewohnern des Altersheimes. (Bild: Hanspeter Schiess)

Am Tag bevor sie 100 Jahre alt wird, sitzt Hedwig Hörler im Café des Altersheimes Espel in Gossau. Sie trinkt allerdings keinen Kaffee, sondern einen Appenzeller Alpenbitter. «Mit Schnaps höre ich leider auch nicht besser», sagt die elegant in blau gekleidete Frau. Wer mit der Seniorin reden will, muss laut sprechen. Allerdings ist sie auch ein ganzes Jahrhundert alt. Vor dem hohen Geburtstag ist Hedwig Hörler nervös. «Ich habe schlaflose Nächte», sagt sie. Der Rummel sei ihr zu viel. Da sie nicht mehr gut höre, sei es anstrengend, wenn viele Gäste kommen.

Ihren Geburtstag feierte Hedwig Hörler am Dienstag mit einer Torte für alle Altersheimbewohner. Danach spielte auf Wunsch der Jubilarin ein Mitbewohner auf der Handorgel. Lustige Lieder habe sich Hedwig Hörler gewünscht, sagt Tochter Marta Riedi. Anschliessend gab es einen Apéro und Besuch vom Stadtpräsidenten Wolfgang Giella.

In der Nähe des Heimes aufgewachsen

Hedwig Hörler erzählt viel von früher. «Sie hat für ihr Alter ein hervorragendes Gedächtnis», sagt ihre Tochter. Früher habe ihre Mutter viele Witze erzählt. «Appenzeller Witze waren es», sagt die Jubilarin. Sie wusste diese alle auswendig. Noch heute vergisst sie selten Daten. Als sie kurzzeitig ihr Hochzeitsdatum vergisst, ist Hörler selber verwundert. Dann ist die Erinnerung wieder da. An ihrem 25. Geburtstag habe sie geheiratet.

Hedwig Hörler ist nicht weit vom Altersheim Espel entfernt aufgewachsen. «Gleich da unten», sagt Marta Riedi und zeigt aus dem Fenster. Es sei ein ganz kleines Haus gewesen, erzählt Hedwig Hörler. «Vielleicht bin deshalb auch ich so klein.» Sechs Geschwister hatte sie, die sie alle überlebt hat. Obwohl alle alt geworden seien, die eine Schwester sogar über 100 Jahre.

Ein prägendes Erlebnis aus ihrer Kindheit war der weite Schulweg. «Mein Gspänli und ich brauchten 45 Minuten bis zur Schule.» Sie seien immer Umwege gegangen. Diese führten sie auch dort durch, wo heute das Altersheim steht. Früher sei es ein Armenhaus gewesen.

«Meine Familie hat immer davon geredet, dass wir da noch hinkommen. Ich wuchs in eher ärmlichen Verhältnissen auf.»

Die Familie behielt recht, auch wenn die Seniorin erst ins Gebäude zog, als es bereits ein Altersheim war. Nachdem Hedwig Hörler geheiratet und Kinder bekommen hatte, wohnte die Familie in Arnegg und Gossau. Von da an war Hörler Hausfrau. Nach dem Tod ihres Mannes wohnte sie alleine, bevor sie in eine Alterssiedlung wechselte. Seit letztem Jahr lebt sie im «Espel», nahe dem Haus, in dem sie aufgewachsen ist. «Der Kreislauf schliesst sich», sagt Schwiegersohn Peter Riedi.

Besuch ihrer Kinder sorgt für Abwechslung


Im Altersheim Espel bekommt Hedwig Hörler viel Besuch. Fast jeden Tag kommt eines ihrer vier Kinder vorbei. «Bis im Frühling haben wir regelmässig Ausflüge unternommen», sagt Tochter Marta Riedi. Jetzt sei das leider nicht mehr möglich. Hedwig Hörler hatte im Frühling eine Lungenentzündung und kann seither nicht mehr selbstständig laufen. Ansonsten sei es ihr gesundheitlich immer gut gegangen.

Leider werden nicht alle Bewohner so viel besucht, sagt Schwiegersohn Peter Riedi. Die Gesellschaft tue Hedwig Hörler gut. «Wenn wir nach draussen gehen, hat sie grosse Freude. Es motiviert sie, morgens aufzustehen. Das haben nicht alle Leute, die hier leben.»