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Hauseigentümer präsentieren Studie zum Wohnstandort St.Gallen: Verbände legen der Politik den Gang ein

Die Wirtschaft, das Gewerbe und die Hauseigentümer in St. Gallen sind mit der städtischen Politik unzufrieden. Mit drei Studien wollen sie der Stadt Dampf machen. Den Auftakt macht der Hauseigentümerverband.
Daniel Wirth
Moderne Stadtvillen auf dem Chrüzacker beim Bundesverwaltungsgericht im Kontrast mit der «Militärkantine». (Bild: Benjamin Manser)

Moderne Stadtvillen auf dem Chrüzacker beim Bundesverwaltungsgericht im Kontrast mit der «Militärkantine». (Bild: Benjamin Manser)

Der Hauseigentümerverband (HEV) der Stadt St. Gallen präsentierte gestern eine Studie zum Wohnstandort St. Gallen. Das Papier, das von der Zürcher Fahrländer Partner AG in Zürich erarbeitet wurde, umfasst 126 Seiten. Mit der Studie will der HEV seine Thesen erhärten, wonach in der Stadt St. Gallen einiges im Argen liege. Konkret meint er die Abwanderung guter Steuerzahler in Agglomerationsgemeinden, Stagnation bei der Bevölkerungsentwicklung (siehe Infografik), die hohe Quote leerer Wohnungen und den hohen Steuerfuss.

«Es ist nicht die Sache der Verbände, der Politik aufzuzeigen, wo es Probleme gibt und wie diese gelöst werden können», sagte HEV-Präsident Christoph Solenthaler gestern vor den Medien. Aber den Hauseigentümern liege die Stadt sehr am Herzen, weil sie immobil seien und nicht mir nichts, dir nichts weg könnten.

Dominik Matter, bei der Fahrländer Partner AG verantwortlich für die St. Galler Wohnstandort-Studie, sagte, der Leerwohnungsbestand von rund 1,8 Prozent in der Stadt St. Gallen sei im Vergleich mit den zehn grössten Schweizer Städten überdurchschnittlich hoch; einzig Biel habe einen noch höheren Wert. Für die vielen leeren Wohnungen gebe es zwei mögliche Hauptgründe, sagte Matter. Entweder sei in St. Gallen viel gebaut worden, oder die Stadt sei als Wohnort nicht attraktiv genug.

Die Neubauquote von zirka 0,7 Prozent sei in der Stadt St. Gallen in den vergangenen zehn Jahren im Vergleich der zehn grössten Städte unterdurchschnittlich gewesen, sagte Matter. Einzig in Lugano und Biel seien noch weniger neue Häuser und Wohnungen entstanden seit 2008, erklärte der Ökonom. Folglich sei St. Gallen als Wohnort weniger attraktiv als andere Städte und vor allen Dingen auch als die Gemeinden im nächsten Umland.

Hoher Steuerfuss und fehlender
Wohnraum als mögliche Gründe

Als Gründe für die Abwanderung von Familien beispielsweise nach Gaiserwald, Wittenbach, Speicher oder Teufen nannte Matter zum einen den vergleichsweise tiefen Steuerfuss in den ausserrhodischen Nachbargemeinden, zum anderen das vorhandene und günstigere Bauland in den beiden st.-gallischen Nachbargemeinden. Matter sagte, in Gaiserwald, aber auch in Wittenbach könne der Traum vom Einfamilienhaus für ungefähr 300000 Franken weniger verwirklicht werden als in der Stadt St. Gallen.

Ein Thema der Wohnstandort-Studie ist auch die Mobilität. Im Vergleich der zehn grössten Schweizer Städte sind in St. Gallen relativ wenige Personen (gut 40 Prozent) mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs zwischen Wohn- und Arbeitsort. Ein Vergleich: In der Stadt Zürich sind rund 65 Prozent der Pendler mit dem ÖV unterwegs, in Bern bewegen sich gar 70 Prozent der Pendler mit dem ÖV von A nach B. Matter sagte, in St. Gallen gebe es zwar vergleichsweise viele Bushaltestellen, von denen würden aber nur wenige mit einem Takt unter fünf Minuten bedient.

HEV-Präsident Christoph Solenthaler sagte, die Mobilitäts-Initiative, die von den Hauseigentümern mitgetragen wurde, sei vom Stimmvolk klar versenkt worden. Das sei zu akzeptieren. Jetzt müssten die Befürworter des ÖV beim Wort genommen werden. «Es braucht einen Ausbau des ÖV, ohne diesen gegen den motorisierten Individualverkehr auszuspielen», sagte Solenthaler.

Für den Bau der dritten Autobahnröhre durch den Rosenberg und die Teilspange hinauf zur Liebegg werde sich der HEV an der Seite der Interessengemeinschaft (IG) Engpassbeseitigung einsetzen. Mit einem Ausbau des ÖV meint Solenthaler nicht prioritär die Buslinien, sondern vielmehr die S-Bahn. Solenthaler und HEV-Geschäftsführer Remo Daguati werfen den Vertretern der Stadt im St. Galler Kantonsrat vor, beim Bahnausbau zu wenig getan zu haben.

Vorstösse geplant und auch zwei weitere Studien

Daguati sitzt für die FDP im Stadtparlament. Zusammen mit Parlamentariern anderer Parteien und des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS), hat er Vorstösse zum Thema S-Bahn eingereicht. Weitere Vorstösse plant Daguati zur Abwanderung und zur negativen Entwicklung der Steuerkraft.

Und: Für die Debatte zum Budget 2019 denkt er schon heute laut über ein Ratsreferendum nach, sollte das Parlament eine Senkung des Steuerfusses im Winter ablehnen. Gemäss HEV muss es Ziel der Stadt sein, Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung anzusiedeln. Als Beispiel wurde der von der Standortförderung unterstützte Cluster «IT St. Gallen rockt!» genannt. Die Wirtschaft Region St. Gallen (WISG) wird 2019 eine Wirtschaftsstudie in Auftrag geben, der Gewerbeverband 2020 eine Studie zu den Finanzen.

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