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Hauptbahnhof St.Gallen: Der erneuerte ÖV-Knoten funktioniert

Am Wochenende werden der Bahnhofplatz und der Hauptbahnhof nach rund fünf Jahren Bautätigkeit eingeweiht. Optisch wirken die Neuerungen insgesamt gut. Eine Vision wurde allerdings nicht verwirklicht, sondern eher das Bisherige pragmatisch weiterentwickelt.
Reto Voneschen
Der «neue» St.Galler Bahnhofplatz vom Dach des Rathauses aus gesehen. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)

Der «neue» St.Galler Bahnhofplatz vom Dach des Rathauses aus gesehen. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)

Ein Rundgang im sanierten Hauptbahnhof und auf dem umgestalteten Bahnhofplatz zeigt zuerst einmal eines: Das Facelifting für die grösste Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs in der Ostschweiz war überfällig. An beiden Orten war nach den letzten Sanierungen mit der Erneuerung zu lange, in gewissen Bereichen wie der Rathausunterführung sogar viel zu lange zugewartet worden.

Damit ist bereits gesagt: Optisch ist das Bild, das Bahnhof und Bahnhofplatz jetzt bieten, grundsätzlich ein Fortschritt. Und das Wichtigste: Insgesamt funktioniert die ÖV-Drehscheibe vor allem dank grosszügigerer Platzverhältnisse für die sich drängenden Zugreisenden und Buspassagiere besser als zuvor. Das dürfte sich sehr positiv bemerkbar machen, wenn das ÖV-Aufkommen in den nächsten Jahren weiterwächst.

Blick von der Reformationsjubiläum-Buchskulptur an der Gutenbergstrasse über den neu gestalteten Bahnhofplatz zur neuen Ankunftshalle des St.Galler Hauptbahnhofs und zum Rathaus. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
Der neu gestaltete Bahnhofplatz mit Bushof, Kornhausplatz und der gläsernen Ankunftshalle des Bahnhofs fotografiert vom Dach des Rathauses. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018).
Blick Richtung Westen über die neue Ankunftshalle und das Bahnhofsgebäude. Rechts hinter dem Bahnhof das Hochhaus der Fachschule St.Gallen (FHS). (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
Der neugestaltete Bushof bietet wartenden Reisenden mehr Platz. Die Flächen zwischen den Perrons wirken ebenfalls grosszügiger als früher. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
Blick von der Ankunftshalle des Hauptbahnhofs über die sogenannte «Fussgängerfurt» zum Kornhausplatz. (Bild: Beat Belser - 22. August 2018)
Ein Thema ist die Fussgängerlenkung über den neuen Bahnhofplatz. Die «Furt» von der neuen Ankunftshalle durch den Bushof zum Kornhausplatz wird nach Meinung von Kritikern noch zu wenig angenommen, deshalb seien hier «sanfte» Lenkungsmassnahmen am Platz. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
Der Bahnhofplatz ist eine Begegnungszone, über die Fussgängerinnen und Fussgänger grundsätzlich kreuz und quer laufen dürfen. Das erfordert von Bus- und Postauto-Chauffeuren viel Aufmerksamkeit. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
Der neue Bushof zwischen Rathaus/Bahnhofsgebäude und Kornhausplatz. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
Die Gutenbergstrasse vom Neumarkt her zum Bahnhofplatz ist neu autofrei. Links im Bild der Eingang zum Bibliotheksprovisorium in der Hauptpost. (Bild: Beat Belser - 22. August 2018)
Die Gutenbergstrasse, diesmal mit Blick vom Bahnhofplatz Richtung Neumarkt. (Bild: Beat Belser - 22. August 2018)
Die «grosse Weite» auf dem ausgeräumten Kornhausplatz. (Bild: Beat Belser - 22. August 2018)
Der Kornhausplatz mit dem Lämmlerbrunnen. Er konnte hierhin zurückkehren, weil auf das ursprünglich vorgesehene Wasserspiel verzichtet wurde. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
Blick vom Rathaus in Richtung Stadtzentrum aufs Bahnhofspärklein und einen der beiden neuen Taxi-Standplätze. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
Blick vom Bahnhofspärkli zum Rathaus. Aus dem ehemaligen Pärklein wurde die Skulptur im Bild sowie der alte Brunnen in die neugestaltete Freifläche hinüber gerettet. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
Der Brunnen und die erfreulich zahlreichen Sitzbänke im Bahnhofpärklein. (Bild: Beat Belser - 22. August 2018)
Wichtigste Neuerung im Hauptbahnhof ist vermutlich die Sanierung der Rathausunterführung, die heute erheblich heller und freundlicher als vor den Bauarbeiten ist. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
Der Blick aus der neuen Rathausunterführung zum Aufgang des Perrons 1. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
Der Eingang zur neuen Toilettenanlage des Hauptbahnhofs St.Gallen im Aufgang aus der Rathausunterführung zum Perron 1. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
Blick in die neue Toilettenanlage, die gegenüber den früheren WCs in Sachen Hygiene ein Riesenfortschritt ist. Der Besuch des stillen Örtchens kostet jetzt allerdings einen Franken. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
Die Rolltreppe aus der Rathausunterführung in die neue Ankunftshalle des Bahnhofs St.Gallen. Erkennbar ist die als «Kunst am Bau»-Projekt entstandene binäre Uhr und - links im Bild - die verlegte Businformationstafel, die in den vergangenen Wochen ziemlichen Wirbel ausgelöst hatte. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
In der Ankunftshalle des sanierten St.Galler Hauptbahnhofs. (Bild: Beat Belser - 24. August 2018)
Die neue Ankunftshalle von aussen gesehen. Die binäre Uhr befindet sich auf der Stirnseite Richtung Bahnhofplatz. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
Optisch gelungen ist die Renovation der alten SBB-Schalterhalle. Hier sind heute zwei Restaurants untergebracht. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
Blick vom Nebenflügel her in die ehemalige Schalterhalle. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
Das SBB-Reisezentrum ist seit bald anderthalb Jahren im Nebenflügel des Hauptbahnhofs untergebracht. Ein Kritikpunkt ist die geringe Zahl an Sitzplätzen im Wartebereich rechts im Bild. Dafür wird oft die Ausstattung mit drei Ticketautomaten und zwei Bancomaten gelobt. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)
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Rundgang im neuen St.Galler Hauptbahnhof

Das heisst nun aber nicht, dass der «neue» Bahnhof und sein Vorplatz perfekt wären. Zu einigen Aspekten der Umgestaltung kann man sehr wohl Fragezeichen setzen. Und natürlich gibt’s auch einige kleine Details, die so gelöst sind, dass man sich als Laie an den Kopf greift. Wichtig ist, dass sich Stadtpolitik und Bauverantwortliche der Grundsatz- wie der Detaildiskussion stellen:

Aus Ersterer kann man für den dritten Anlauf zur Marktplatzumgestaltung lernen, aus Letzterer könnten sich sinnvolle Ideen für Nachbesserungen ergeben.

Bahnhof: Pflichtprogramm zuverlässig erledigt

Auf den ersten Blick gibt’s an der Bahnhofsanierung selber kaum etwas auszusetzen. Die Fachleute der SBB sind dabei zwar nicht die grosse Kür gelaufen, sie haben das Pflichtprogramm aber zuverlässig abgespult. Sie beweisen damit, dass sie ihr Handwerk verstehen.

Bemängeln kann man allenfalls den Umgang der SBB mit dem Kommerz im erneuerten Hauptbahnhof. Braucht es tatsächlich zusätzliche Läden, die mit dem Transportauftrag der Bahn rein gar nichts zu tun haben? Ist es richtig, die grosse Schalterhalle schön herzurichten, um sie an Restaurants zu vermieten und die Dienstleistungen für die eigenen Passagiere in den Nebenflügel zu verbannen?

Info-Tafel dürfte leserlicher sein

Und: Ist es richtig, die Hauptinformationstafel über dem Abgang in die Rathausunterführung so klein zu halten, dass man sie kaum mehr lesen kann, nur damit daneben ein gleich grosser kommerzieller Flimmerkasten Platz hat? Gerade dieser Punkt nervt ältere und sehbehinderte Zugreisende.

Man kann das alles zu Recht kritisieren. Man muss dann aber berücksichtigen, dass die SBB von der Bundespolitik den Auftrag haben, Zusatzeinnahmen zu generieren. Die politischen Weichen dafür wurden national gestellt. Es scheint logisch, dass die SBB ihre Mehreinnahmen nicht nur in Zürich, Bern oder Basel, sondern auch im Hauptbahnhof St.Gallen suchen. Das wäre auch ohne Sanierung geschehen.

Das Bahnhofpärkli als modische Zierrabatte

Auf dem Bahnhofplatz sind einzelne kritische Fragen wohl eher am Platz. Ein Fragezeichen darf man bezüglich der Sicht von Architekten, Planern und Tiefbauern setzen, wie öffentlicher Raum auszusehen hat: voll asphaltiert und betoniert, steril und lebensfeindlich. Natürlich, der Bahnhofplatz ist primär ein Knotenpunkt für den Bus- und Postautoverkehr. Aber...

Das Bahnhofpärklein. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018

Das Bahnhofpärklein. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018

Um das in dieser Beziehung krasseste Beispiel aufzugreifen: Es hätte den ÖV nicht tangiert, wenn das Bahnhofpärklein nicht zur unterirdischen Betonwanne mit einer Zierrabatte obendrauf degradiert worden wäre. Hier gab’s einst Bäume (Ulmen, die einer Krankheit zum Opfer fielen) und eine im Ansatz natürlich wirkende Rasenfläche.

Die Privatisierung von öffentlichem Freiraum

Fragen wirft auch der künftige Umgang mit den verbleibenden Freiflächen am Bahnhofplatz auf. Der Kornhausplatz ist zwar aufgrund der Anforderungen des ÖV leicht geschrumpft. Er wurde aber freigeräumt und wirkt jetzt optisch gegenüber früher grosszügiger. Wenn’s so weitergeht, wie’s jetzt angefangen hat, dürfte das allerdings nicht lange so sein.

Bereits hat ein Restaurant den Platz mit Tischen und Stühlen möbliert. Und das Gesuch für einen weiteren Biergarten liegt auch schon öffentlich auf. Gegen diese Privatisierung des neuen Platzes wird man nicht viel tun können. Aber: Es wäre falsch, wenn die Stadt deswegen die öffentlichen Sitzgelegenheiten wieder abräumen würde.

Der Kornhausplatz mit dem Lämmlerburnnen. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)

Der Kornhausplatz mit dem Lämmlerburnnen. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)

Und völlig falsch wäre es, das wie vor der Umgestaltung ausdrücklich zu tun, um jene zu vertreiben, die nicht jeden Tag ein Vollbad nehmen und allenfalls auf einer der öffentlichen Bänke auch einmal eine Dose Bier trinken wollen. Auch ihnen gehört – solange sie nicht aktiv jemanden belästigen – dieser neue öffentliche Raum.

Vieles ist Geschmacks- und Gewöhnungssache

Bei Projekten wie der Bahnhofplatzgestaltung und der Bahnhofsanierung gibt’s Dutzende Details, die man – zu Recht oder Unrecht – kritisieren kann. Wobei ein Streit, wie jener um die binäre Uhr, letztlich nicht viel bringt: Diese Kunst am Bau gefällt einem oder sie gefällt einem nicht.

Ein Thema, das die Verantwortlichen im Auge behalten müssen, ist aber tatsächlich die Fussgängerlenkung auf dem Bahnhofplatz. Das Konzept mit der «Furt» zwischen Ankunftshalle und Kornhausplatz funktioniert noch nicht wirklich.

Fussgänger als Geduldsprobe für ÖV-Chauffeure

Zu viele Passantinnen und Passanten laufen derzeit kreuz und quer, oft auch noch mit dem Smartphone im Blick, über den Bahnhofplatz. Das dürfen sie in der Begegnungszone zwar, ungefährlich oder gut für die Fahrplanstabilität des Bus- und Postautoverkehrs ist das aber nicht. Beim Umgang mit diesem Phänomen wird es Fingerspitzengefühl brauchen.

Postautos im neuen Bushof auf dem St.Galler Bahnhofplatz. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)

Postautos im neuen Bushof auf dem St.Galler Bahnhofplatz. (Bild: Hanspeter Schiess - 29. August 2018)

Andere Themen, bei denen vielleicht nachjustiert werden muss, sind das Taxi-Konzept oder die Möglichkeit mit dem Auto jemanden auf der Südseite des Bahnhofs abzusetzen (die Neugestaltung beim Gaiserbahnhof könnte Entlastung bringen). Ebenfalls nicht glücklich gelöst ist die Veloparkierung auf der Südseite des Bahnhofplatzes: Gemessen an der Zahl an Hauswänden lehnender Drahtesel fehlt ein einfacher Kurzzeit-Veloständer mindestens am Eingang der Gutenbergstrasse.

Verantwortliche haben Hauptauftrag erfüllt

Eines darf man letztlich ob all der Kritik und dem Gemecker «auf hohem Niveau» nicht aus den Augen verlieren: Der sanierte ÖV-Knoten funktioniert. Optisch sind Bahnhof und Bahnhofplatz ganz sicher wieder eine Visitenkarte für die Stadt St. Gallen. Ihren Hauptauftrag haben die Verantwortlichen damit erfüllt. Und an den Detailproblemen kann man in den kommenden Monaten und Jahren problemlos weiter schrauben.

Einweihung mit einem Bahnhofsfest

Das grosse Fest zur Eröffnung des «neuen» St.Galler Bahnhofplatzes und Bahnhofs findet am Freitag, 17 bis 1 Uhr, und am Samstag, 10 bis 22 Uhr, statt. Programm: www.stadt.sg.ch

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