Haufenweise Kleider, Schuhe und Parfums bestellt, aber nichts davon bezahlt: Betrügerin kassiert bedingte Geldstrafe

Eine 31-jährige Frau ergaunert mit Onlineshopping Konsumgüter im Wert von 50‘000 Franken. Ihr drohte vor dem Kreisgericht ein Landesverweis.

Claudia Schmid
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Auf dem Onlineauktionsportal Ricardo verkaufte die Frau die Ware weiter.

Auf dem Onlineauktionsportal Ricardo verkaufte die Frau die Ware weiter.

Pius Amrein

Die Beschuldigte, die sich vor dem Kreisgericht St.Gallen verantworten musste, hatte zwischen Mitte Januar 2015 und Mitte Dezember 2017 bei diversen Onlineshops Waren auf Rechnung bestellt. Laut Anklageschrift, die nicht weniger als 92 Seiten umfasst, orderte die 31-Jährige teilweise unter falschem Namen handelsübliche Gegenstände wie Kleider, Schuhe und Parfums, die von den Versandhäusern massenweise abgefertigt und versendet werden. Dies tat sie offenbar im Wissen darum, dass im Massengeschäft des Online-Versandhandels eine Überprüfung der Identität der Besteller und ihrer Zahlungswilligkeit nicht immer möglich ist. Zudem achtete die Beschuldigte darauf, dass die Kaufpreise der bestel­lten Waren nie allzu hoch ausfielen, damit die Bestellungen auch deshalb nicht auffielen.

Lieferadresse leicht verändert

Die tunesische Staatsangehörige war arbeitslos und wusste, dass sie die Rechnungen nie begleichen kann. Die eingehenden Mahnungen und Betreibungen öffnete sie gar nicht erst. Als einige Onlineshops eine Bonitätsprüfung durchführten, war es ihr nicht mehr möglich, die Waren auf ihren eigenen Namen auszulösen. Daher begann sie, ihren Vor- und Nachnamen leicht zu verändern. Zudem passte sie die Lieferadresse an, indem sie die Strassennummern und die Strassenadresse vertauschte, alles in Grossbuchstaben schrieb oder Sonderzeichen verwendete. Die falschen Angaben überlisteten einerseits das Kontrollsystem der Onlineshops. Durch die abgeänderten Namen und Adressen wurde suggeriert, dass die Bestellungen von einer Vielzahl zahlungsfähiger Kunden eingegangen sind, weshalb die Versandhäuser die Waren weiterhin auslieferten. Anderseits waren die Adressen nur leicht abgeändert, damit der Postbote die Sendungen am richtigen Ort abgab.

Waren auf Plattform weiterverkauft

Die gelieferten Gegenstände verwendete die Frau teilweise für den Eigengebrauch oder verschenkte sie. Einen grossen Teil der Waren verkaufte sie aber über die Plattform Ricardo weiter. Die Untersuchungsbehörden errechneten einen Gesamtdeliktsbetrag von über 50000 Franken. Dieser entstand durch 191 Bestellungen. Bei weiteren 61 Bestellungen wurde die Lieferung verweigert.

Suchthaftes Onlineshopping

Es sei ihr beim Weiterverkauf der Waren nicht um das Geld gegangen. Sie habe nur Platz schaffen wollen, um neue Sachen bestellen zu können, begründete die Beschuldigte ihr suchthaftes Onlineshopping. Seit sie gegen den Willen ihrer Familie einen Europäer geheiratet habe, sei ihr Leben nicht so verlaufen, wie sie es sich erhofft habe. Sie hatte ihren späteren Mann kennen gelernt, als dieser in Tunesien in den Ferien war. In der Schweiz habe sie sich nur langsam eingelebt und auch als ihr Kind auf die Welt gekommen sei, habe noch immer ein grosser Druck auf ihr gelastet, erzählte die Frau weiter.

Auf Landesverweis verzichtet

Das Kreisgericht St.Gallen verurteilte die Frau wegen gewerbsmässigen Betrugs, betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage und geringfügigen Vermögensdelikts. Es sprach eine bedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu je 30 Franken und eine Busse von 500 Franken aus. Für die Dauer der Probezeit wurde Bewährungshilfe angeordnet und die Weisung erteilt, die laufende psychotherapeutische Betreuung weiterzuführen. Auf eine Landesverweisung verzichtete das Kreisgericht St.Gallen. Die Verfahrenskosten, die zu Lasten der Beschuldigten gehen, belaufen sich auf 31500 Franken.