Harsche Kritik an den Informatikdiensten der Stadt: Führungsstil wird jetzt zum Politikum

Der Stadtrat muss Fragen zur Personalführung bei den Informatikdiensten beantworten. Die Vorwürfe sind happig.

Daniel Wirth
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Rund 3400 Personen werden von den IDS in der Informatik unterstützt. (Bild: Michel Canonica)

Rund 3400 Personen werden von den IDS in der Informatik unterstützt. (Bild: Michel Canonica) 

Philipp Schönbächler ist noch nicht lange Mitglied des Stadtparlaments. Anfang Dezember rückte der Grünliberale nach. Ende Januar hat der IT-Projektleiter seinen ersten Vorstoss eingereicht. Der hat es in sich. Der Titel von Schönbächlers Einfacher Anfrage: «Hat die Stadt ein Problem mit Vorgesetzten bei den Informatikdiensten (IDS)?»

Die Informatikdienste unterstützen gemäss eigenen Angaben gesamthaft über 3400 Benutzerinnen und Benutzer im täglichen Umgang mit Informatikmitteln. Zum Kundenkreis gehören nebst der allgemeinen Stadtverwaltung St.Gallen auch alle städtischen Volksschulen sowie einige Schulgemeinden aus der Region.

Die IDS sind ausserdem Rechenzentrumspartner und bieten verschiedenen externen Kunden die Möglichkeit Applikationen im Bereich der Energiedatenlogistik zu betreiben.

Viele Einträge auf Bewertungsplattform im Internet

Philipp Schönbächler, Parlamentarier und IT-Projektleiter.

Philipp Schönbächler, Parlamentarier und IT-Projektleiter.

Schönbächler sagt, bei den IDS arbeiteten rund 50 Mitarbeitende. Sie leisteten sehr gute Arbeit. Doch der Führungsstil lasse zu wünschen übrig. Er habe mit mehreren ehemaligen IDS-Leuten gesprochen. Sie alle hätten nachvollziehen können oder ihm gegenüber sogar bestätigt, was er auf der Internet-Arbeitsplatz-Bewertungsplattform kununu gelesen habe.

Von «Führung nach KKK sei da die Rede, was militärisch so viele heisst wie: Kommandieren, kontrollieren, korrigieren.» Schönbächler zitiert in seiner Einfachen Anfrage Einträge auf «kununu», die das Vorgesetztenverhältnis betreffen:

«Wer seine Gesundheit liebt, der flieht.»

Oder:

«Nichts wie weg hier.»

Oder: «Probleme werden ausgeblendet oder anderen in die Schuhe geschoben.» Anderes Beispiel: «In den Informatikdiensten herrscht Management by Angst und Schrecken.»

Ein ehemaliger Mitarbeiter wendet sich ans «Tagblatt»

Aufgrund von Schönbächlers Vorstoss im Stadtparlament hat sich bei der Stadtredaktion des «St.Galler Tagblatts» ein ehemaliger IDS-Mitarbeiter gemeldet. Er möchte anonym bleiben. «Die IT-Szene in der Stadt St.Gallen ist klein», sagt er.

Der Mann arbeitete mehrere Jahre bei den IDS. Nach und nach sei ihm das Vertrauen entzogen und Mitarbeiter aus seinem Team in andere Abteilungen abgezogen worden. Er habe sich einbringen wollen, was von Teilen der IDS-Geschäftsleitung unterbunden worden sei. Schliesslich sei ihm das Ganze an die Gesundheit gegangen. Er kündigte und wurde freigestellt.

Personaldienste seien nicht erstaunt gewesen

Obschon er selber gekündigt hatte, erhielt er vom ersten Tag an Arbeitslosengeld. «Ich musste den Mitarbeitern des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums lediglich schildern und belegen, was bei den IDS vorgefallen war», sagt der IT-Mann.

Auch bei den Personaldiensten der Stadt sei man nicht erstaunt gewesen, weshalb er ging. Man wisse von den Zuständen bei den IDS, könne aber nichts dagegen tun, habe man ihm entgegnet. Der Mann war über ein Jahr ohne Arbeit, ehe er wieder eine Anstellung fand. Mit diesem Fall konfrontiert, sagt GLP-Stadtparlamentarier Philipp Schönbächler:

«Als ich mich vor Jahren für eine Informatikstelle bei den IDS interessierte, wurde ich von Berufskollegen mit Insiderwissen gewarnt.»

Input sei dort nicht erwünscht, hiess es. Schönbächler bewarb sich seinerzeit nicht.

Eine ganze Reihe kritischer Fragen

Es sei zwar naheliegend, dass vor allem unzufriedene Mitarbeiter Plattformen wie kununu.com nutzten, um ihren Unmut kundzutun. Doch was dort über die Stadt St.Gallen als Arbeitgeberin zu lesen sei, sei erschreckend, schreibt Schönbächler in seinem Vorstoss.

Der jüngste Eintrag stammt vom Mittwoch dieser Woche. Ein Auszug: «(...) Ein Teil der Geschäftsleitung führt die Informatikdienste definitiv falsch. Wie die anderen Bewertungen es bereits genug deutlich gemacht haben, wird lediglich Angst und Schrecken verbreitet und einem jegliches eigene Denken genommen. Es gelten nur Meinungen, die der GL gefallen (...)».

Parlament hat Erstinformationsrecht

Schönbächler will vom Stadtrat wissen, was dieser von den «kununu»-Einträgen hält. Er stellt der Stadtregierung auch die Frage, ob diese Handlungsbedarf oder Optimierungspotenzial bei der Führung der Dienststellen grundsätzlich und im Speziellen bei den IDS sehe.

Für Schönbächler ist wichtig, dass der Stadtrat hinschaue, wie er sagt. Er erkundigt sich, dieser sicherstellen wolle, dass Mitarbeitende über alle Stufen Kritik ohne Angst vor Repressalien äussern könnten, dass Verbesserungsvorschläge angenommen und umgesetzt würden und nicht an Animositäten von Vorgesetzten scheiterten.

Die IDS sind der Direktion Inneres und Finanzen angegliedert, der Stadtpräsident Thomas Scheitlin vorsteht. Er sagte gestern, er könne wegen des Erstinformationsrechts des Stadtparlaments im Moment nichts sagen zum Vorstoss.