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Hanspeter Trütsch: «Die Horner Geschichte liest sich wie ein Krimi»

Am 1. August hielt der ehemalige SRF-Bundeshausredaktor Hanspeter Trütsch die Festrede in Horn. Als Journalist sah er sich als Beobachter, heute gibt er selbst Antworten. Im Interview erklärt er, worauf es bei einer Rede ankommt und was ihm heutzutage wichtig ist.
Ines Biedenkapp
Der langjährige SRF-Bundeshauskorrespondent Hanspeter Trütsch spricht im Interview über seine anfängliche Skepsis, eine 1. August-Rede zu halten. (Bild: Benjamin Manser)

Der langjährige SRF-Bundeshauskorrespondent Hanspeter Trütsch spricht im Interview über seine anfängliche Skepsis, eine 1. August-Rede zu halten. (Bild: Benjamin Manser)

Was verbindet Sie mit der Gegend?

Hanspeter Trütsch: Horn kennt man. Es ist eine interessante Gemeinde. Und ich finde es sehr spannend, dass Horn zum Kanton Thurgau gehört, aber völlig von St. Galler Gemeinden eingebettet ist. Ich gehe auch gerne in der Gegend Tübach-Horn joggen. Man weiss nie so genau, wo genau die Kantonsgrenze verläuft. In der Gegend sieht man noch viele Grenzsteine, die früher einmal noch viel mehr Bedeutung hatten. Horn war über Jahrhunderte immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen um Gebietsanspruche , Macht und Einfluss. Die Horner Geschichte liest sich wie ein Kriminalroman

Vor nicht allzu langer Zeit waren Sie als Polit-Journalist in Bundesbern tätig. Was hat sich seither verändert?

Zuvor war ich eigentlich immer Journalist. Ich habe die Fragen gestellt und jetzt muss ich die Antworten geben. Die Rede in Horn ist bisher meine Zweite. Für mich selbst ist das aber auch eine neue Erfahrung. Vor meiner ersten Rede war ich anfangs sehr skeptisch. Denn man muss alles in einen guten Einklang bringen. Da darf ich Mark Twain zitieren:

Eine Rede hat einen guten Anfang und einen guten Schluss und beides sollte nah beieinander sein.

Am 1. August kommen ja eben Älteren und Jüngere zusammen. Die Interessen gehen aber gerne auseinander. Letztere warten etwa eher auf das Feuerwerk. Und diese Interessen zusammen zu führen ist doch recht schwierig.

Warum haben Sie sich doch zu der Rede entschlossen?

Als Journalist war ich Beobachter der politischen Szene. Man greift nicht selber ein. Die Stärke dabei ist natürlich, die Analyse der politischen Prozesse. Wir sind so kompliziert geworden. Man muss es auf das Einfachste herabbrechen. Fragen Sie auf der Strasse in Horn, Goldach oder Rorschach nach dem Rahmenabkommen, können 99 Prozent der Leute damit nichts anfangen, es ist ihnen egal. Sie sehen die grossen Probleme viel mehr bei der AHV, der Krankenkasse und so weiter. Die Politik heute lebt mit einem gewissen Realitätsverlust. Das möchte ich damit auch thematisieren.

Aber nimmt nicht auch das Interesse der Bürger an der Politik ab?

Nehmen wir Horn als Beispiel. Bei der letzten Bürgerversammlung waren nur 6.6 Prozent der Horner anwesend. Das ist ein schlechtes Indiz. Geht es den Leuten zu gut? Woran liegt die schlechte Beteiligung?

Mit meiner Rede möchte ich auch dazu appellieren, bei der nächsten Wahl am 20. Oktober ihre Stimmen abzugeben.

Nicht zuletzt wählt man damit ja auch das politische Personal für Bundesbern. In anderen Ländern, wie Russland, kämpft man für mehr Rechte und Demokratie.

Sie setzen den Fokus daher nicht nur auf die Feierlichkeiten?

Gut und brav ist nicht immer sinnvoll. Man muss auch einmal kritisch sein und die Bürger zum Denken zum anregen. Hier kommen wieder die Stichworte Bürgerpartizipation und Demokratie zum Tragen. Wir müssen unserer direkten Demokratie Sorge tragen. Tradition, Werte und Identität müssen stehen, dazu gehört auch Kritik. Stichwort Integration: Viele haben den Eindruck, man mache zu viele Konzessionen . Man muss die Integration nicht nur fördern, sondern muss auch fordern. Demokratische Grundwerte sind nicht verhandelbar.

Ein anderes Thema. Im Zeitalter des Klimawandels ist das Ablassen von Feuerwerken umstrittener denn je. Wie stehen Sie dazu?

Natürlich, es gibt den ökologischen Aspekt. Aber selbst Grünenfraktionschef Balthasar Glättli sagte bereits, dass einmalige Feuerwerke für das Klima nicht so schädlich sind. Problematischer ist es mit dem Feinstaub . Ich persönlich finde es nicht so schlimm. An der Tradition sollte man nicht unbedingt kitzeln. An einem Feuerwerk haben die Leute Freude, man sollte es nicht abschaffen.

Was finden Sie ist für ein gelungenes Fest am 1. August unabdingbar?

Vor allem auch die Kontakte zu den Leuten. Am 1. August kommt man vielleicht auch mal mit Leuten zusammen, mit denen man unter dem Jahr sonst nicht zusammenkommen würde. Am 1. August muss man nämlich auch mal eher zusammenrücken, um einen Platz in einer Bar zu bekommen. Und dabei stellt man vielleicht fest, dass die Person am Tisch doch interessanter ist, wie anfangs angenommen.

Was bedeutet es für Sie, Schweizer zu sein?

Das ist auch ein wenig Zufall. Ich meine, wenn ich auf der gegenüberliegenden Seite des Bodensees geboren wäre, hätte ich eine andere Nationalität.

Aber Heimat ist, wo man sich wohl fühlt. Und das ist die Schweiz für mich.

Ich bin kein Patriot in dem Sinne, aber es wird einem schon warm ums Herz, wenn man gewisse Symbole wiedererkennt. Etwa die Fete de Vignerons, ich bin ein grosser Fan der Westschweiz. Oder die Fontänen vor dem Bundeshaus, auch wenn ich kein Rütli-Fan bin, aber das ist eindrücklich. Heimat verstehe ich nicht im Sinne von patriotischer Gefühlsduselei sondern des Wohlfühlens.

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