Weil der Erdgletscher nicht zur Ruhe kommt: Hängebrücke über die Goldach geplant

Es sind zwei unscheinbare, orange gefärbte Holzpfosten, die im Vitaparcours im Rantelwald auf ein spezielles Projekt hinweisen. Eine Hängebrücke soll künftig Wanderwege von Goldach und Mörschwil miteinander verbinden. Pro Natura St. Gallen-Appenzell sagt dazu "Ja, aber..."

Rudolf Hirtl
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Auf Höhe des weggeschwemmten Wehrs soll künftig eine Hängebrücke Goldach und Mörschwil miteinander verbinden. (Bild: Rudolf Hirtl)

Auf Höhe des weggeschwemmten Wehrs soll künftig eine Hängebrücke Goldach und Mörschwil miteinander verbinden. (Bild: Rudolf Hirtl)

Die Goldach hat ihr Gesicht einmal mehr eindrucksvoll verändert. Bei den intensiven Regenfällen Mitte Monat hat sich das Fliessgewässer in einen reissenden Strom verwandelt und sich an vielen Orten ein neues Flussbett gegraben. Nun plätschert die Goldach wieder friedlich in Richtung Bodensee.

Runde zehn Meter über dem Fluss markieren die orangen Hölzer, wo der Einstiegsbereich auf Goldacher Seite angedacht ist. (Bild: Rudolf Hirtl)

Runde zehn Meter über dem Fluss markieren die orangen Hölzer, wo der Einstiegsbereich auf Goldacher Seite angedacht ist. (Bild: Rudolf Hirtl)

Ab Höhe Blumenhalde, mit Beginn des Vitaparcours öffnet sich Spaziergängern und Wanderern eine faszinierende Flusslandschaft. Kleine Wasserfälle, steile Ufer, Stauungen und unzählige, wasserliebende Pflanzen prägen das Bild. Das Goldachtobel, seit 2003 als Aue unter nationalem Schutz, gilt als geologisch spannende und dynamische Landschaft. Das zeigt sich auch beim Erdgletscher im Rantelwald, der wie ein Eisgletscher jährlich mehrere Meter wandert.

Ortsgemeinde Goldach finanziert mit

Die Erdbewegungen sind der Grund, warum Brücken und Wegstücke auf dem Wanderweg von Goldach nach Untereggen regelmässig unbenutzbar werden. Dem soll nun Abhilfe geschaffen werden, wie zwei unscheinbare, orange gefärbte Holzpfosten auf dem Fallweg anzeigen, der via Treppe hinauf zur Rantelstrasse führt und auch Teil des Vitaparcours ist. Laut Goldachs Gemeinderatsschreiber Richard Falk wurden die Markierungen im Rahmen der Vorstudie von Wälli AG Ingenieure angebracht und zeigen den Einstiegsbereich einer geplanten Hängebrücke, die über die Goldach führen soll. Auf der anderen Seite sei der Anschluss der Wegführung ab der neuen Brücke auf Gemeindegebiet von Untereggen und Mörschwil sichergestellt.

Vom Wehr auf Höhe Vitaparcours ist nur mehr wenig zu sehen. Zahlreiche Hochwasser haben es abgetragen. (Bild: Rudolf Hirtl)

Vom Wehr auf Höhe Vitaparcours ist nur mehr wenig zu sehen. Zahlreiche Hochwasser haben es abgetragen. (Bild: Rudolf Hirtl)

«Mit einer Hängebrücke werden die alle zwei Jahre nötigen Neuerungsarbeiten im Bereich Erdgletscher hinfällig und wir können die Benutzung des Weges in Richtung Lochmüli und weiter nach Untereggen sicherstellen», sagt Falk. Das Projekt befände sich aktuell in der Stufe Abklärung/Machbarkeit. In den nächsten Tagen wolle der Gemeinderat Goldach das Vorprojekt präsentieren und nähere Angaben über die zu erwartenden Kosten machen, wobei man sich eine Wanderweg-Subvention verspreche.

Erdgletscher der Natur überlassen

Unterstützt wird das Projekt von der Ortsgemeinde Goldach. «Wir haben die Vorstudie mit 15000 Franken zur Hälfte finanziert und wir werden uns auch mit einem substanziellen Betrag an den Erstellungskosten beteiligen», sagt Rolf Heinzmann, Präsident des Verwaltungsrates. Er fände die Hängebrücke eine gute Sache und er hoffe, dass alle eingebunden Behörden und Verbände das Projekt unterstützen. «Bei einer Realisierung hätten wir endlich wieder einen sicheren Wanderweg bis zu Lochmüli und ausserdem geben wir der Natur etwas zurück, wenn wir im Bereich Erdgletscher keine Wege und Brücken mehr erstellen», so der Ortsgemeindepräsident.

Pro Natura will Projekt genau beobachten

«Erfreut sind wir nicht», sagt Christian Meienberger, Geschäftsführer von Pro Natura St. Gallen-Appenzell. Für die geplante Hängebrücke dürfe auf keinen Fall die Auendynamik an dieser Stelle eingeschränkt werden. Aktuelle und künftige dynamische Entwicklungen der Goldach müssten möglich bleiben. Da der Weg beim Erdgletscher nicht mehr begehbar sei, habe man Verständnis dafür, wenn eine andere Lösung gesucht werde. «Wir werden uns das Projekt genau anschauen. Wenn unsere Anliegen in den Plänen Berücksichtigung finden, dann werden wir keine Einsprache erheben.»