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Der Sensenmann aus der Innerschweiz besucht Rorschacherberg

Kaum jemand weiss hierzulande mehr über Sensen als Hansjörg von Känel. Gestern hat der Fachmann aus Luzern einen Kurs in Rorschacherbeg gegeben. Schnittwunden gab es keine – aber Krämpfe.
Martin Rechsteiner
Hansjörg von Känel (r.) zeigt einem Kursteilnehmer wie man richtig «dengelt». (Bild: Martin Rechsteiner)

Hansjörg von Känel (r.) zeigt einem Kursteilnehmer wie man richtig «dengelt». (Bild: Martin Rechsteiner)

Es ist laut beim Schloss Wartegg in Rorschacherberg. Hammerschläge hallen durch das Wäldchen auf dem Anwesen. Auf einem Parkplatz, schon fast versteckt zwischen Holzbeigen, sitzen Menschen in zwei Reihen. Sie alle schwingen einen Hammer und erzeugen damit das helle Geräusch von Metall auf Metall. In der Mitte von ihnen sitzt ein bärtiger Mann in dunkelblauem Hemd und singt im Takt der Hammerschläge Volkslieder.

Was sich jetzt etwas bizarr und schon fast rituell anhören mag, ist ganz harmlos: Es handelt sich um einen Kurs im Umgang mit der Sense. Die Teilnehmer sind gerade dabei, mit Hammer und spitzem Amboss das Schneideblatt zu schärfen. Und der Bärtige ist Hansjörg von Känel oder der Sensenmann, wie er sich manchmal selbst nennt. In der Schweiz kennt sich kaum jemand so gut aus mit dem traditionellen Schneidgerät wie der Innerschweizer.

Präzision mit dem Hammer

Der Kurs ist gut besucht. Von Känel und seine Mitarbeiterin, Lydia Jurt, haben gerade alle Hände voll zu tun, die Teilnehmer beim Sensenschärfen, dem sogenannten «Dengeln», zu beraten.

Dieses Handwerk ist wie viele andere auch: Es sieht einfach aus, ist es aber nicht. Mit Hammerschlägen wird die Schneide des Sensenblatts bearbeitet, bis das Blech nur noch gut einen Zehntelmillimeter dick ist. Sind die Schläge zu stark, bekommt das Blech Risse, sind sie zu schwach, formt es sich nicht. Zudem muss jeder Hieb genau sitzen und aus der lockeren Hand erfolgen. «Stellt euch vor, ihr habt ein rohes Ei unter den Armen. Ihr dürft es weder fallen lassen noch zerquetschen», ruft von Känel in den Lärm der zahlreichen Hammerschläge seiner Schützlinge. Eine Teilnehmerin fasst sich an das Handgelenk und verzieht das Gesicht. «Krampf», sagt sie. Lydia Jurt sagt mit einem Lächeln: «Locker bleiben ist das A und O. Schütteln, dann geht es wieder.»

Ein anderer Teilnehmer ist Gärtner. «Es ist erstaunlich. Mit der Sense kommt man viel schneller vorwärts als mit dem Fadenschneider», sagt er. Diesen will er deshalb nicht mehr benutzen. «Der Motor macht einen Höllenkrach, er stinkt und die Wiese ist danach verschmutzt mit Plastikteilen, die von den Fäden stammen.» Hansjörg von Känel sagt: «Ich habe den Angestellten der Stadt Bern gezeigt, wie man Grünflächen schonend mit der Sense schneidet.» Darauf habe die Stadt all ihren Gärtnern eine Sense bestellt.

Auch der Profi hatte schon Schnittwunden

Der selbsternannte Sensenmann hat äusserlich zum Glück weniger mit dem Gevatter Tod gemeinsam als mit einem freundlichen Älpler. Das passt, denn gelernt hat er einmal Landwirt. Vor zehn Jahren verschrieb er sich aber dem Handwerk mit der Sense. Seither gibt er Kurse. Und diese sind begehrt. «Ich bin in der ganzen Schweiz unterwegs, bis ins hinterste Welschland. Und manchmal auch in Deutschland.» Erzeigt, wie man eine Sense herstellt, sie schleift oder mit dem Gerät richtig mäht. Zum zweiten Mal jetzt auch in Rorschacherberg. «Mein Wissen weiterzugeben macht mir viel Freude», sagt er. Und diese sei selten getrübt. Auch nicht, wenn er sich an seiner geliebten Sense einmal schneidet. «Klar, das ist auch schon vorgekommen», sagt von Känel, lächelt und zeigt eine Narbe an der rechten Hand. «Zehn Stiche musste der Arzt machen.» Das passiere aber sehr selten. Sicherheit komme an erster Stelle. An diesem Nachmittag in Rorschacherberg verläuft alles unfallfrei.

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