Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Hall Of Fame» in der Kreuzbleiche abgebrochen: Doch die gesprayte Kunst soll weiterleben

Drei Monate konnten Sprayer auf der Kreuzbleiche legal Graffiti malen. Die Testphase wird nun von der Stadt St.Gallen ausgewertet.
Sandro Büchler
Ein Sprayer fertigt ein Kunstwerk an der Holzwand auf der Kreuzbleiche an. (Bilder: PD)

Ein Sprayer fertigt ein Kunstwerk an der Holzwand auf der Kreuzbleiche an. (Bilder: PD)

Passanten bleiben neben der Reithalle auf der Kreuzbleiche stehen, begutachten das Graffiti, das entsteht und zücken ihr Handy für ein Foto. «Wow, das sieht genial aus», sagen einige. Eine Gruppe von Senioren aus dem nahen Altersheim kommt auf ihrem täglichen Spaziergang immer wieder an der Holzwand vorbei, auf der stets neue Kunstwerke über den alten aufgesprayt werden. «So schön bunt, so viele Farben», freuen sich die Senioren.

Von Juli bis September konnte an einer langen Holzwand zwischen dem Skaterpark und der Reithalle legal und ohne Voranmeldung gesprayt werden. Die für drei Monate benutzbaren Wände hatte die Offene Jugendarbeit der Stadt St.Gallen aufgestellt. Denn ein Ort zum Sprayen entsprach einem vielfachen Wunsch aus der Szene. Die Spraywand auf der Kreuzbleiche habe sich im Nu zu einem Treffpunkt für die lokale Graffiti- und Street-Art-Kultur entwickelt, wie Daniela Epple von der Offenen Jugendarbeit der Stadt sagt.

Sprayer wünschen sich Betonwände

Dennoch ist vorderhand Schluss mit den kunstvoll angefertigten Graffiti auf der Kreuzbleiche. Am Montag wurden die Holzwände abmontiert. Schuld daran sind nicht etwa die Schausteller der Olma, die den Kiesplatz aktuell mit ihren Wohnwägen in Beschlag nehmen.

Es ist vielmehr das Ende der Testphase, weswegen die jungen Künstler die Spraydose abstellen müssen. Nun wertet die städtische Jugendarbeit das Pilotprojekt aus, sagt Epple. Man sei von einem grossen Bedürfnis ausgegangen. Doch dass die Sprayer das Angebot derart rege nutzen würden, habe auch sie überrascht. «Sie waren dankbar für die Gelegenheit, aber auch enttäuscht, dass der Versuch nur drei Monate gedauert hat», sagt Epple. Für die Sprayer sei deshalb klar, es müsse weitergehen.

Die Kunstwerke wechselten schnell. Denn die einzige Regel lautete, dass alles übermalt werden darf.

Die Kunstwerke wechselten schnell. Denn die einzige Regel lautete, dass alles übermalt werden darf.

Die Jugendarbeiter seien häufig auf der Kreuzbleiche gewesen. «Die Kunstwerke waren oft nicht lange zu bestaunen, denn die Regelung war, dass alle Bilder wieder übermalt werden dürfen», sagt die Jugendarbeiterin. Doch beim Augenschein vor Ort habe man im Gespräch oft auch die Wünsche und Anliegen der Sprayer rausgehört. «Sie wünschen sich höhere Wände, aber vor allem Wände aus Beton für ihre Motive.»

Kreuzbleiche oder weitere Standorte?

Neben den Besuchen haben sich die Jugendarbeiter aber auch regelmässig mit einer Gruppe von rund zehn Sprayern ausgetauscht. «Sie sind der Kern der St.Galler Szene und Profis, die dem Nachwuchs mit Tipps und Tricks zur Seite stehen», erläutert Epple. Um die dreimonatige Testphase beurteilen zu können, hat die Offene Jugendarbeit zudem eine Umfrage unter den Sprayern durchgeführt, die sie zurzeit auswertet. Erste Rückmeldungen zeigen laut Epple:

«Sie erhoffen sich einen Ort, wo sie ihrer Kunst permanent nachgehen können.»

Häufig würden die Sprayer auch fragen, ob nicht zwei oder drei Standorte in der Stadt mit legalen Flächen zum Sprayen ermöglicht werden könnten. Das Pilotprojekt auf der Kreuzbleiche sei gut aufgenommen worden, sagt Epple. Doch der Standort sei auf lange Sicht nicht optimal. «Wenn der Zirkus den Platz belegt, oder wie jetzt die Schausteller, ist der Zugang zur Wand nicht gewährleistet.» Doch die Sprayer hätten sich erstaunlich gut mit der Situation arrangiert.

Bis Ende Oktober will das Team der Offenen Jugendarbeit das weitere Vorgehen mit den Entscheidungsträgern der Stadt besprechen. «Sodass wir hoffentlich bereits nächsten Frühling einen definitiven Standort bestimmen können.» Ob dieser auf der Kreuzbleiche oder anderswo sei, müsse sich weisen.

Hinweis

Hier geht es zur Umfrage über die «Hall Of Fame».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.