Händewaschen und Happy Birthday singen:  Städtische Dienststellen und Blaulichtorganisationen sind in St.Gallen sind für das Corona-Virus gerüstet

Das neuartige Corona-Virus beschäftigt auch die Verwaltung und den Blaulichtorganisationen der Stadt St.Gallen. Mitarbeiter grüssen ohne Körperkontakt und achten auf die Hygiene. Bei der Polizei sind im Ernstfall Masken und Handschuhe einsatzbereit.

Dinah Hauser
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Die Schalter der städtischen Dienststellen sind normal geöffnet. Mit einem Plakat wird aber auf die Massnahmen wegen des Corona-Virus hingewiesen.

Die Schalter der städtischen Dienststellen sind normal geöffnet. Mit einem Plakat wird aber auf die Massnahmen wegen des Corona-Virus hingewiesen.

Bild: Ralph Ribi

Lächeln statt Händeschüttlen: So heisst es dieser Tage oft. Auch das Personal der städtischen Dienststellen grüsst derzeit ohne Körperkontakt wegen des neuartigen Corona-Virus. Die Schalter seien indes alle normal geöffnet, sagt Andreas Nagel, Leiter Kommunikation der Stadt St.Gallen.  Die Stadt stellt derzeit keine Desinfektionsmittel zur Verfügung und zusätzliche Reinigungen von Türklinken sind vorläufig nicht geplant.

«Gründliches Händewaschen während 30 Sekunden, was zweimal Happy Birthday singen entspricht, reicht nach den jetzigen Erkenntnissen und Vorgaben von Bund und Kanton aus.»
Andreas Nagel, Leiter Kommunikation der Stadt St.Gallen

Andreas Nagel, Leiter Kommunikation der Stadt St.Gallen

Bild: Peter Ruggle

Auch die weiteren Weisungen gelten: In die Armbeuge oder ein Papiernastüechli niesen und dieses anschliessend in einem geschlossenen Behälter entsorgen, bei Krankheit zu Hause bleiben und vor einem Arztbesuch in der Praxis anrufen.

Auch im Bereich der Schulen würden diese Anweisungen gelten. Die Eltern werden in diesen Tagen von der Dienststelle Schule und Musik per Merkblatt des Kantons informiert. Kinder, die im Unterricht oder in der Tagesbetreuung Grippesymptome zeigen, werden nach Hause geschickt – auch während der Blockzeiten. Falls ein Schüler positiv auf das Corona-Virus getestet würde, müsste die Klasse, allenfalls auch das ganze Schulhaus unter Quarantäne gesetzt werden. «Dies geschieht in Absprache mit den Schulgesundheitsdiensten und dem kantonsärztlichen Dienst», sagt Nagel. Dies liegt nicht in der Kompetenz der Stadt.

Im öffentlichen Verkehr zeichnen sich derzeit keine spezifischen Massnahmen ab. Die Verkehrsbetriebe St.Gallen verweisen hier an Christian Isler, Leiter der städtischen Arbeitsgruppe Pandemie und Kommandant von Feuerwehr und Zivilschutz. Isler sagt:

«Wir sehen uns nicht in der Kompetenz spezielle Massnahmen für den öffentlichen Verkehr im Raum St.Gallen anzuordnen.»
Christian Isler, Leiter der städtischen Arbeitsgruppe Pandemie

Christian Isler, Leiter der städtischen Arbeitsgruppe Pandemie

Bild: Ralph Ribi

Diese müssten grossflächig und vom Bund angeordnet werden, da das Corona-Virus die ganze Schweiz betreffe. Zudem müssten die Massnahmen im Alltag praktikabel sein, ohne dass der Fahrplan komplett auseinander falle. «Betreiber können aber bereits jetzt interne Weisungen anordnen, wie etwa die Desinfektion des Lenkrads bei Fahrerwechsel.»

Im Bereich Feuerwehr und Zivilschutz werden die Einsatzkräfte auf die Hygienemassnahmen und auf das Abstandhalten aufmerksam gemacht. «Es gibt bereits Konzepte, wie wir auch bei einem grösseren personellen Ausfall unsere Aufgaben erfüllen können», sagt Isler. Die Berufsfeuerwehr würde vermehrt auf die Milizfeuerwehr zurückgreifen. Bei einem Grossereignis würden mehrere benachbarte Feuerwehren aufgeboten. «Da alle mit denselben Problemen konfrontiert sind, muss mehr in der Fläche gearbeitet werden.» Will heissen: Bei einem Einsatz in Winkeln würde zum Beispiel nicht nur Gossau aufgeboten sondern auch Herisau. Beide könnten so ein kleineres Dispositiv schicken, die Anzahl der Einsatzkräfte wäre schlussendlich aber die gleiche.

«Ist Leib und Leben bedroht können wir natürlich nicht zuerst abklären, ob die Person krank ist.»

Das geschehe zu einem späteren Zeitpunkt. Da die Feuerwehr oft mit Atemschutz und Schutzkleidung im Einsatz steht, ist die Gefahr einer Ansteckung minimiert. Seit wenigen Jahren wird zudem das eingesetzte Material noch auf dem Schadensplatz sortiert und anschliessend gewaschen; eigentlich wegen möglicher Kontamination durch Gifte oder krebserregende Stoffe. «Diese Massnahme hat den guten Nebeneffekt, dass auch die Ausbreitung von Krankheitserregern eingedämmt wird.»

Die Stadtpolizei hat zusätzlich das Wissen der Mitarbeiter bezüglich korrekter Anwendung von Schutzmasken, Brillen und Handschuhen aufgefrischt, sagt Sprecher Roman Kohler.

«Schutzausrüstung kommt aber nur bei Kontakt mit erkrankten Personen oder in Verdachtsfällen zum Einsatz.»
Roman Kohler, Mediensprecher Stadtpolizei St.Gallen

Roman Kohler, Mediensprecher Stadtpolizei St.Gallen

Bild: PD

Fahrzeuge bei Schichtwechsel zu desinfizieren sei nicht geplant. «Wir wären aber vorbereitet, wenn Massnahmen nötig würden.» So könnte beispielsweise immer dasselbe Fahrzeug bei Verdachtsfällen eingesetzt und entsprechend gereinigt werden. Die öffentlichen Bereiche des Polizeigebäudes an der Vadianstrasse sind wie gewohnt zugänglich. Wie bei den städtischen Dienststellen hängen Plakate und auf das Händeschütteln wird verzichtet.

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