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Ein Pirat verlässt das Schiff: Häggenschwils Schulpräsident Alan Germann tritt zurück

Alan Germann hat mit Totenkopf-Fahnen gegen die Schliessung der Oberstufe protestiert. Nun gibt er sein Amt ab. So bleibt ihm mehr Zeit für das Dudelsackspiel.
Adrian Lemmenmeier
Alan Germann vor der Primarschule Häggenschwil. (Bild: Ralph Ribi)

Alan Germann vor der Primarschule Häggenschwil. (Bild: Ralph Ribi)

In wenigen Tagen beginnen die Sommerferien. Für Alan Germann, Schulratspräsident der Gemeinde Häggenschwil, sind es die letzten Tage im Amt; er tritt nach zwölf Jahren zurück. Weshalb? «Ich bin zu alt», sagt der 51-Jährige – und meint damit eigentlich seine Kinder: «Sie sind nicht mehr im Unterstufenalter, somit bin ich nicht nah genug am Puls junger Eltern.» Das sei für ihn aber eine wichtige Bedingung für einen engagierten Schulratspräsidenten. «Ich bin deshalb sehr froh, dass eine junge Mutter das Amt übernimmt», (siehe Zweittext).

Und was macht Germann mit der wiedergewonnenen Freizeit? «Nichts Besonderes», sagt er. Für das Amt als Schulpräsident habe er etwa 15 Stellenprozent aufgewendet. «Das konnte ich gut mit meiner Vollzeitstelle bei der Gebäudeversicherung verbinden.» Jetzt will der gelernte Bauingenieur mehr Zeit für seine Hobbys aufwenden. Germann spielt Eishockey bei den Romanshorn Tatankas in der Thurgauer Hobbyliga – und Dudelsack bei den United Maniacs, die er vor Jahren mit seiner Frau gegründet hat.

Seeschlachten und Piratenprotest

Überhaupt hat Germann ein grosses Faible für Schottland. Er hat zu Hause einen Whisky-Keller, hat seine Frau (eine Häggenschwilerin) in einem schottischen Schloss geheiratet und seine Kinder Kirby und Scotty getauft. Woher kommt die Faszination für den nördlichen Zipfel Grossbritanniens? «Das hat als Kind angefangen», sagt Germann. «Ich habe mich damals stark für Dreimaster und Seeschlachten interessiert – und die Highlander spielten in der britischen Armee eine wichtige Rolle.» Später habe er Schottland bereist und schliesslich am Loch Lomond um die Hand seiner Frau angehalten. Und was sagen die Schotten zu einem sackpfeifenblasenden Schweizer?

«Dudelsack-Musik ist sehr international. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn an einem Konzert in Glasgow nach den Pakistani auch noch eine Schweizer Band spielt.»

Auch ein anderes wichtiges Ereignis in Germanns Laufbahn hat mit der Seefahrt zu tun – zumindest symbolisch. 2010 hissten die Häggenschwiler vor dem Schulhaus Piratenfahnen.

«Unserer Sekundarschule wurde die gesetzliche Daseinsberechtigung genommen. Die Piratenfahnen standen als Symbol für die aufgezwungene Gesetzlosigkeit.»

Der kantonale Erziehungsrat hatte angeordnet, die Oberstufe in Häggenschwil zu schliessen, weil dort zu wenige Schüler unterrichtet wurden. Das Dorf probte den Aufstand. Hunderte protestierte mit wehenden Fahnen auf dem St. Galler Klosterplatz, forderten den Erhalt der Oberstufe. Der Erziehungsrat nahm zwar den Entscheid nicht zurück. Doch Häggenschwil gründete zwei Jahre später eine private Oberstufe – die erste in der Schweiz. Dort werden Real- und Sekundarschüler gemeinsam in altersübergreifenden Klassen unterrichtet. Das Schulgeld bezahlt die Gemeinde. «Mich hat es damals unglaublich beeindruckt, wie das Dorf zusammengehalten hat», sagt Germann. Als Schulratspräsident war er einer der führenden Köpfe der Häggenschwiler Bildungspiraten.

Gute Aussichten für die Oberstufe

Wie geht es Häggenschwils Oberstufe heute? «Sehr gut», sagt Germann. Der Vertrag mit der Betreiberin SBW Haus des Lernens werde um weitere fünf Jahre verlängert. «Ausserdem sind jetzt geburtenstarke Jahrgänge in der Primarschule. Wir werden also in der Oberstufe bald grössere Klassen haben.» Schliesslich ist Germann aus pädagogischer Sicht vom altersübergreifenden Unterricht überzeugt. «Wenn mehrere Jahrgänge in einer Gruppe sind, wechselt ein Kind mit jedem Jahr seine Rolle in der Gruppe.» So würden soziale Muster immer wieder aufgelockert.

Welche Baustellen hinterlässt Germann seiner Nachfolgerin? «Keine», sagt er. Die Schule in Häggenschwil habe sich in den letzten Jahren stark verändert. «Es wird jetzt darum gehen, diese Veränderungen evaluieren zu lassen.» Alan Germann wird damit nichts mehr zu tun haben. Sein Amt endet mit den Sommerferien. Zuvor hat der Schottlandaffine noch einen Auftritt im Kilt. Wenn am Dienstag der FC St. Gallen gegen Celtic Glasgow ein Freundschaftsspiel austrägt, wird auch Germann im Kybunpark sein. Nicht auf den Rängen, sondern auf dem Rasen. Dann nämlich blasen die United Maniacs den schottischen Gästen ein Willkommensständchen.

Am Sonntag sind Wahlen

Diesen Sonntag wählt Häggenschwil eine neue Schulratspräsidentin. Eine überparteiliche Findungskommission schlägt Astrid Hafner-Popp (parteilos) zur Wahl vor. Sie ist Primarlehrerin und führt mit ihrem Mann in Lömmenschwil einen Bauernhof. Hafner-Popp ist die einzige Kandidatin. Die Wahl am Sonntag ist deshalb eine Formsache. (al)

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