Ha Vinh Tho ist der «Glücksminister» von Bhutan: Am Mittwoch kommt er an die HSG

Der Leiter des Glückszentrums in Bhutan macht morgen den Anfang einer Vortragsreihe übers Glück.

Bruno Knellwolf
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Glücksminister Ha Vinh Tho hat das Glück von Bhutan untersucht und wird morgen in St.Gallen sprechen.

Glücksminister Ha Vinh Tho hat das Glück von Bhutan untersucht und wird morgen in St.Gallen sprechen.

Bild: PD

Für die Regierung Bhutans hat das Wohlergehen seiner Bevölkerung höchste Priorität. Zumindest sieht es so aus: Ansonsten hätte Bhutan nicht einen eigentlichen «Glücksminister». Genau genommen leitet Ha Vinh Tho das «Great National Happiness Centre», das dem König von Bhutan einen GNH-Index liefert. Mit diesem Glücksindex soll der Regent die Entwicklung des Landes zum Wohl seiner Bevölkerung steuern. Morgen wird Ha Vinh Tho an der Universität St.Gallen erklären, wie das von ihm erstellte Brutto-National-Glück den Menschen von Bhutan wirklich hilft. Welche Schlüsse er aus seiner vom König angeordneten Volksbefragung zieht.

Toni Bürgin, Präsident der St.Gallischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft und Direktor des Naturmuseums St.Gallen

Toni Bürgin, Präsident der St.Gallischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft und Direktor des Naturmuseums St.Gallen

Lisa Jenny

Ha Vinh Tho macht morgen den Anfang der Vortragsreihe der St.Gallischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft (NWG), die sich ganz ums Glück dreht. Glück bringt man nicht sofort mit den exakten Wissenschaften zusammen. Doch für NWG-Präsident Toni Bürgin sind genau die Glücksmomente in der Forschung, die entscheidenden. Und solche gibt es viele. Bürgin erwähnt die Entdeckung des Penicillins durch Alexander Fleming.

Ein Glücksmoment für die ganze Menschheit

Im Sommer 1928 kehrt der schottische Bakteriologe Fleming aus den Sommerferien in sein Labor im St.Mary’s Hospital in London zurück. Und sieht dort eine Petrischale mit einer verschimmelten Bakterienkultur, welche er vor den Ferien nicht weggeräumt hat. Zum Glück, denn darin hat Fleming mit dem Krankheitserreger Staphylococcus aureus experimentiert. Fleming entdeckt, dass grüner Schimmelpilz die gefährlichen Bakterien zerstört hat. Schliesslich gelingt es dem Schotten, die bakterientötende Substanz aus dem Schimmel zu lösen – das Penicillin ist erfunden. Mit diesem ersten Antibiotikum werden unzählige Menschenleben gerettet.

Eine Unterlassung hat somit zu einem wissenschaftlichen Glücksmoment geführt. Bürgin sagt: 

«Dafür muss eine vom Wissenschafter erarbeitete Grundlage da sein und ein Mensch, der Zusammenhänge erkennt und am richtigen Hebel ansetzt.»

Hinter dem Glück steht harte Arbeit, damit der Wissenschafter diesem auf die Sprünge helfen kann, einen Zufall möglich macht.

Glück hat viele Facetten, erklärt Peter Piwecki vom NWG, der die Vortragsreihe zum Glück organisiert hat. Er fragt sich, ob die vielen gesellschaftlichen und technischen Veränderungen im Lauf der letzten Jahrhunderte die Menschen wirklich glücklicher gemacht haben. Glücklicher nicht im Sinne eines Moments, sondern der Zufriedenheit.

«Wir sind heute freier, reicher, gesünder, leben länger, haben eine verbesserte Gesellschaftsordnung.»

«Aber ob der Mondbesucher Neil Armstrong glücklicher als ein Sammler aus der Steinzeit ist, können uns die Historiker nicht beantworten. Die Geschichte des Glücks wurde bisher nicht erforscht», sagt Piwecki.

Bei den Wirtschaftswissenschaften ist gemäss Reto Odermatt allerdings eine bemerkenswerte neue Entwicklung im Gange. Das Glück, oder wissenschaftlich gesagt das subjektive Wohlbefinden, wird ökonomisch analysiert, wie der Forscher am «Center for Research in Economics and Well-Being» der Universität Basel schreibt, der den zweiten Vortrag in der Glücksreihe halten wird. Nach der Glücksökonomie gibt es messbare Konzepte des Glücks oder der Lebenszufriedenheit. Diese theoretischen Konzepte könne man nutzen, um gesellschaftliche Probleme und Einflüsse individueller Lebensumstände besser zu analysieren. Und damit das Glück einer Gesellschaft möglicherweise zu vermehren.

Gesundheit und langes Leben

Für die meisten Menschen haben Glücksempfindungen eine ganz persönliche Seite. Sie gründen meist auf persönlichen und gesellschaftlichen Vorteilen. Vor allem mit einer besseren Gesundheit und einem längeren Leben, wie Julia Krasko von der Ruhruniversität Bochum erklärt. So streben die meisten Menschen danach, glücklich zu sein. Doch leider zeige die psychologische Forschung, dass der angestrengte Versuch, glücklich zu sein, oft genau das Gegenteil des gewünschten Ergebnisses bewirke. Doch die Forschungsresultate sind unterschiedlich: Nach Krasko gibt es auch Untersuchungen von Glücksinterventionen, die belegen, dass das selbst gewählte Glücksstreben auch erfolgreich sein kann.

Entscheidend sei, wie die oder der einzelne ihr Glück überhaupt definiert: nur mit dem Ferrari in der Garage oder mit den kleinen Freuden des Lebens, der Blume am Strassenrand. Da hilft nur noch die Philosophie: Und die besagt nach Peter Vollbrecht vom Philosophischen Seminar in Esslingen: «Die Rezeptur für das richtige Leben gibt es zwar nicht, aber ein paar Gewürze dafür doch.»

Sechsteilige Vortragsreihe zum Glück

Zum Thema Glück organisiert die St.Gallische Naturwissenschaftliche Gesellschaft (NWG) eine Vortragsreihe:
- Morgen Mittwoch referiert Ha Vinh Tho (GNH Centre, Thimphu) zum Bruttonationalglück Butans.
- Am 11. März betrachtet Reto Odermatt von der Universität Basel das Glück aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht.
- Am 25. März widmet sich Michael Kalavritinios von der Kinder- und Jugendzahnklinik St.Gallen der Basis des Glücks.
- Am 8. April ist Julia Krasko von der Uni Bochum zu Gast und spricht über Glücksdefinitionen und ihre Bedeutung für die Wohlfahrt.
- Der Esslinger Philosoph Peter Vollbrecht widmet sich am 22. April dem Glück des gelingenden Lebens.
- Am 13. Mai analysiert der Konstanzer Arzt Christof Ammermann Glück aus tiefenpsychologischer Sicht.

Die Vorträge finden an der Universität St.Gallen im Hörsaal 01-013 des Hauptgebäudes, jeweils mittwochs ab 20.15 Uhr, statt.