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Fusionspläne geplatzt: Wittenbach will nicht mehr zu St.Gallen gehören

Hätten die Wittenbacher 1918 ihren Willen bekommen, wären sie heute St. Galler. 100 Jahre später sieht es anders aus. Über Einheitsgemeinde und Grenzen lässt sich aber noch immer trefflich diskutieren.
Johannes Wey
Der St. Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin und der Wittenbacher Gemeindepräsident Fredi Widmer diskutieren mit Historiker Peter Stahlberger (von links) über Gemeindefusionen. (Bild: Johannes Wey)

Der St. Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin und der Wittenbacher Gemeindepräsident Fredi Widmer diskutieren mit Historiker Peter Stahlberger (von links) über Gemeindefusionen. (Bild: Johannes Wey)

Gross oder klein, nach oben oder nach unten, gerade oder ungerade: Der Jahrestag der Stadtverschmelzung gibt den Wittenbachern jede denkbare Gelegenheit, über Gemeindestrukturen zu reden. Sucht man die kleine Einheitsgemeinde mit der Primarschule oder doch lieber die grosse mit der Oberstufe? Muss auch die politische Gemeinde fusionieren? Und wenn ja, mit den kleineren Gemeinden im Norden oder der Stadt im Süden?

Die Geschichte der Stadtverschmelzung war also eigentlich nur eines von vielen Themen beim Anlass, den die Wittenbacher Ortsparteien am Montagabend im «Hirschen» auf die Beine stellten. Dennoch lauschten die rund 35 Zuhörer den Ausführungen von Historiker Peter Stahlberger mit Interesse. Die Gemeinde Wittenbach hatte Mitte 1914 noch versucht, auf den Stadtverschmelzungs-Zug aufzuspringen. Doch die Städte, Straubenzell und Tablat, erteilten diesem Wunsch eine Absage.

Scheitlin trauert Gelegenheiten nach

Diese Absage griff Stahlberger in der folgenden Podiumsdiskussion mit Gemeindepräsident Fredi Widmer und Stadtpräsident Thomas Scheitlin wieder auf:

«Die Wittenbacher sagen heute wohl: ‹Gut, kamen wir damals zu spät.›»

Von Scheitlin wollte er wissen, wie die St. Galler heute die Absage von damals beurteilten. Scheitlin erinnerte in diesem Zusammenhang auch ans offizielle Gesuch der Gemeinde Gaiserwald von 1959, sich der Stadt anschliessen zu dürfen. Dieses stiess in St. Gallen bis zu seinem Rückzug ebenfalls auf Zurückhaltung. «Ich bedaure, dass diese Fusionen nicht zustande gekommen sind.» Aus damaliger Perspektive sei das plausibel gewesen, heute würde er die Ablehnungen «niemals verstehen.»

Einig war man sich darüber, dass damals wie heute – nebst emotionalen Gesichtspunkten – auch die finanziellen Effekte für eine Fusion sprechen müssten. Fusionen hingen also massgeblich davon ab, wie stark sie vom Kanton gefördert würden. «Es geht um Herz, Geld und Übersicht», brachte Widmer die massgeblichen Voraussetzungen für eine Gemeindevereinigung auf den Punkt.

Gegenwärtig arbeiteten Wittenbach und die Stadt nach dem Motto «Kooperation vor Fusion» zusammen, antwortete Widmer auf die Frage, ob denn in den 2020er-Jahren der richtige Zeitpunkt kommen könnte. Innerhalb des nächsten Jahrzehnts sehe er keine Fusion. Er verwies auch auf eine repräsentative Umfrage, wonach die Wittenbacher diesbezüglich keine Erwartungen an den Gemeinderat hätten.

Auch die «Fusion nach unten» hat ihren Reiz

Ausserdem hätte Wittenbach vor einer Fusion noch eigene Baustellen bei seinen Strukturen, sagte Widmer. Er sprach damit die regionale Oberstufe mit Berg und Muolen an – um gleich auf eine andere Möglichkeit, die «Fusion nach unten» zu kommen: Wittenbacher, Berger und Muolen würden sich schon aus der Schule kennen, deshalb wäre eine solche Fusion von der Vertrauensbasis wohl einfacher.

Vision wird vermisst

In der folgenden Fragerunde meldete sich FDP-Vizepräsident Reinhard Rüesch zu Wort. «Es ist schade, dass visionäre Entscheide hinausgeschoben werden.» Das «Kässeli», mit dem der Kanton Fusionen unterstütze, nehme ab, die Bedingungen würden deswegen stetig ungünstiger.

«Die Mehrheit der Wittenbacher will vermutlich tatsächlich nicht fusionieren. Aber es ist bedauerlich, wenn wir nicht einmal darüber reden wollen.»

Zu Wort meldeten sich auch die beiden Kandidaten für Fredi Widmers Nachfolge. «Als Aussenstehender nehme ich in Wittenbach ein grosses Bedürfnis nach Eigenständigkeit wahr», sagte Norbert Näf (CVP). Deshalb komme auch für ihn die Zusammenarbeit vor der Fusion. Für Georges Gladig (FDP) «ist das Thema nun reif, konkreter besprochen zu werden.» Erst müsse Wittenbach die Einheitsgemeinde angehen. Dann könne man sich über die Fusionsfrage klar werden.

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