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Nach 34 Jahren verlässt Gust Gahler die «Pergola Ticino» am Olma-Jahrmarkt

Der Wirt verlässt nach 34 Jahren die «Pergola Ticino» endgültig. Schon vor einigen Jahren hat aber sein Partner Peter Schindelholz die Führung der Beiz übernommen.
Laura Widmer
Peter Schindelholz (links) hat von Gust Gahler vor einigen Jahren die Leitung der «Pergola Ticino» übernommen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Peter Schindelholz (links) hat von Gust Gahler vor einigen Jahren die Leitung der «Pergola Ticino» übernommen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Gust Gahler war seit Jahrzehnten nicht mehr auf dem Olma-Gelände, dafür hat er keine Zeit. Sein Reich steht auf dem Jahrmarkt: Der Wirt des Restaurants Gutenberg hat 34 Jahre lang die Pergola Ticino geführt, die jedes Jahr während der Olma zwischen der Vadiana und dem Schulhaus Bürgli steht. Stets trägt er dabei ein rot-weiss-blau gestreiften Pullover, der zu seinem Markenzeichen geworden ist. Er sagt:

«Ich kenne viele, aber mich kennen mehr.»

Nun ist Schluss, Gust Gahler hört bei der Pergola Ticinese auf. «Im November werde ich 72 und habe langsam genug», sagt der Wirt. Wegen seines Augenleidens hat schon vor einigen Jahren sein Partner die Führung der Beiz übernommen. Peter Schindelholz rührt den Risotto, organisiert die Brötchen von Bäckermeister Pietro Capelli und schmeisst den Laden. Was macht Gust den ganzen Tag? Er hält einen Schwatz mit alten Bekannten und neuen Gesichtern, er ist immer vor Ort, «Das erwarten die Leute».

«Wir lassen den Leuten Zeit, um auszutrinken»

Im Angebot sind täglich frisch zubereiteter Risotto, Tessiner Salametti, Kutteln und Regli-Weine. Das Bier kommt von der Brauerei Locher. Die Pergola Ticino hat jeden Tag ab 9.30 Uhr geöffnet. Um diese Zeit kommen vor allem Schausteller, so richtig Betrieb gibt es erst auf den Mittag. Ab dann läuft es und die kleine Beiz mit den Wandbänken und den runden Tischen ist fast immer voll. Auch geraucht wird in der «Freiluftzone.»

Obwohl der Alkohol in Strömen fliesst, habe es noch nie einen Securitas gebraucht, sagt Gahler mit einem gewissen Stolz. «Wir sagen klar, wann wir den letzten Ausschank machen und lassen den Leuten Zeit, um auszutrinken.» Für viele sei die Pergola wie ein zweites Wohnzimmer, hier trifft man sich vor dem Ausgang oder kommt nach einem langen Tag noch auf einen Absacker vorbei.

Auch in der Beizenfasnacht bekannt

Es ist nicht sein erster Abschied. Gust Gahler und das Restaurant Gutenberg waren während über 30 Jahren fester Bestandteil der Beizenfasnacht. Im Lokal an der Hagenbuchstrasse verkleidete sich der Wirt und engagierte «Boys», die viel weibliches Publikum anlockten. «Das kam natürlich auch bei den Männern gut an. Da mussten sie nicht jeden Tag die gleiche Servierdüse anschauen.»

Die Kleider für seine Auftritte liess er sich in Thailand anfertigen, ebenso wie die Ölbilder, die ihn in den glamourösen Roben zeigen. Auch mit dem Fasnachtstrubel zur vierten Jahreszeit hörte er altershalber auf: «Ich fragte mich, ob ich da wirklich noch mit 60 Jahren herumspringen wollte.» Die Kostüme wurden verkauft, geblieben sind die Bilder.

Was es nicht mehr braucht, landet auf der Mulde

Wenn Gust Gahler geht, dann hat auch für die Pergola das letzte Stündlein geschlagen. Bereits am Montag nach der Olma kommt jemand, um die Hütte abzureissen. Die Wände und Dielen werden zu Brennholz verarbeitet, die Tische und Schemel holt ein Schreiner aus Erlen ab, der sie einem Freizeitheim für Jugendliche spenden möchte. Für die massive Theke kommt jemand aus Bazenheid. Alles, was nicht weiter verwendet werden kann, landet auf der Mulde. Poster, Dekotrauben aus Plastik und bauchige Weinflaschen im Bastkleid braucht es nicht mehr. Was nach der Pergola kommt, weiss auch Gahler nicht. Wahrscheinlich gebe es mehr Parkplätze.

«Die Marktpolizei hat einmal gesagt, ich sei der Letzte, der an diesem Ort einen Stand betreiben dürfe.»

Als er anfing, hätten sich auch in dieser Strasse Stand an Stand gereiht. «Mit der Zeit hat sich der Jahrmarkt verschoben».Er mag nicht mehr, und trotzdem sagt er: «Es ist schade, dass es zu Ende geht. Aber vielleicht schaffe ich es ja mal an die Olma.»

Früher reiste das Paar nach dem Jahrmarkt für ein paar Wochen in die Ferien, zur Erholung. In dieses Jahr fällt das weg. «Wir waren in Amerika, Asien, Afrika, mittlerweile haben wir fast alles gesehen.» Auch das Fliegen sei ihnen mittlerweile verleidet.

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