Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Zu wenig Zeitreserven, zu wenig Ein- und Ausstiege: Aus für die S-Bahn-Haltestelle Gübsensee

Ab kommendem Sonntag halten keine Züge mehr am Gübsensee. Das Naherholungsgebiet im Westen der Stadt verliert die direkte Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Noch ist das letzte Wort aber nicht gesprochen.
David Gadze
Ausflügler an den Gübsensee können ab Sonntag nicht mehr die S-Bahn nehmen. Die Züge halten dort während mindestens zwei Jahren nicht mehr. (Bild: Thomas Hary/5. Dezember 2018)

Ausflügler an den Gübsensee können ab Sonntag nicht mehr die S-Bahn nehmen. Die Züge halten dort während mindestens zwei Jahren nicht mehr. (Bild: Thomas Hary/5. Dezember 2018)

Der Fahrplanwechsel vom kommenden Sonntag bringt der Stadt St.Gallen einige Verbesserungen im Zugverkehr. Es gibt unter anderem mehr schnelle Züge von und nach Zürich zu Hauptverkehrszeiten, eine durchgehend im Halbstundentakt verkehrende S1, Durchbindungen von S-Bahn-Linien oder die direkte Verbindung des Riethüsli mit dem Marktplatz und der Notkersegg durch die Appenzeller Bahnen. Auf Stadtgebiet gibt es aber zwei Zughaltestellen weniger. Nebst der Haltestelle Rank, welche die Appenzeller Bahnen nicht mehr bedienen werden, fällt auch jene am Gübsensee weg.

Das Naherholungsgebiet, das bisher mit je einem Zug pro Stunde aus St.Gallen und Herisau erschlossen war, verliert somit die direkte Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Wer ohne Auto anreist, muss künftig zum Spaziergang um den Gübsensee einen zusätzlichen Fussmarsch einplanen. Die nächsten Bushaltestellen der VBSG, die Endstation in Winkeln und Scheidweg, sind zu Fuss zehn beziehungsweise knapp 20 Minuten entfernt.

Die Zeitreserven sind ausgereizt

Für die Aufhebung der Haltestelle gebe es mehrere Gründe, sagt Patrick Ruggli, Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr des Kantons St.Gallen. Der gewichtigste sei die Stabilität des Fahrplans. Dieser sei auf der Strecke zwischen St.Gallen und Herisau noch enger getaktet als bisher. Dies erlaube keine Halte am Gübsensee mehr. «Die Zeitreserven sind komplett ausgereizt.» Ein Blick auf den neuen Fahrplan zeigt: Alle drei
S-Bahnen pro Stunde aus St.Gallen treffen auf die Minute genau dann in Herisau ein, wenn der Zug in die Gegenrichtung in Herisau losfährt. Und Kreuzungsstellen gibt es auf der grösstenteils eingleisigen Strecke nur am Gübsensee und am Bahnhof Haggen. Aus diesem Grund kann auch der Regioexpress St.Gallen–Konstanz, der künftig stündlich verkehrt und neu ab St. Gallen nicht mehr nach Wil (als S1), sondern nach Herisau weitergeführt wird, nicht in Haggen halten. Deswegen verliert Haggen den vierten Halt zu Spitzenzeiten.

Problematisch sei aber auch die Situation am St.Galler Hauptbahnhof. Aufgrund des neuen Fahrplans kommen sich die Züge von und nach Gossau sowie von und nach Herisau bei der Ein- und Ausfahrt am Hauptbahnhof in die Quere. Das Ziel sei deshalb, im Bahnausbauschritt 2030/35 «die Gleistypologie des Hauptbahnhofs umzubauen», sagt Ruggli. Erste Verbesserungen sollen bereits in zwei Jahren, wenn auch die Takte der S-Bahnen an den Bahnhöfen Bruggen und Winkeln verbessert werden, umgesetzt sein.

Drei Ein- und Aussteiger pro Tag sind zu wenig

Ein zweiter Grund dafür, dass der Kanton auf den Halt verzichtet, sind die tiefen Fahrgastfrequenzen. Gemäss Zählungen der Schweizerischen Südostbahn (SOB) und Thurbo hätten in den Jahren 2014 bis 2017 durchschnittlich drei Personen pro Tag den Halt benützt, sagt Ruggli.

«Bei 300 Ein- und Ausstiegen täglich hätten wir uns eine andere Lösung überlegen müssen.»

Drittens sei die Haltestelle am Gübsensee nicht behindertengerecht, sagt Ruggli. Ein Umbau, wie ihn das Gesetz bis 2023 für alle Haltestellen in der Schweiz verlangt, würde gegen zwei Millionen Franken kosten. Bei der tiefen Nutzung der Haltestelle müsse man die Verhältnismässigkeit dieser Massnahme in Frage stellen. «Es wäre ein sehr grosser Aufwand mit einem sehr kleinen Nutzen.» Zumal es mit dem Umbau der Haltestelle nicht getan wäre: Da auch die Zugangswege nicht behindertengerecht sind, müsste sie die Stadt St.Gallen instand stellen. Die Kosten dafür würden sich auf mehrere 100'000 Franken belaufen.

Aufhebung ist vorübergehend

Die Aufhebung der Haltestelle am Gübsensee ist vorläufig auf zwei Jahre befristet. Die Chance, dass sie danach wieder in Betrieb genommen wird, ist jedoch gering, räumt Patrick Ruggli ein: «Es wird schwierig.» Für den Stadtrat sei hingegen klar, dass das Aus für die Haltestelle noch längst nicht definitiv sei, sagt Baudirektorin Maria Pappa.

«Wir erwarten, dass die Wiedereinführung der S-Bahn-Halte vom Kanton ernsthaft geprüft wird. Falls sie doch komplett gestrichen werden, verlangen wir Verbesserungen für die S-Bahn an einem anderen Ort.»

Offen ist laut Pappa, ob die Stadt bereit wäre, so viel Geld für die behindertengerechte Umgestaltung der Zugangswege in die Hand zu nehmen – und ob sie das überhaupt müsste. Natürlich stelle sich die Frage der Verhältnismässigkeit – was aber nicht bedeute, dass die Haltestelle aus diesem Grund aufgehoben werden müsste. «Wenn ein Umbau der Haltestelle und des ganzen Naturgebietes zu weit ginge, könnte auch der heutige Zustand belassen werden.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.