Grüne Wiese für das Gewerbe: Die Stadt St.Gallen siedelt Unternehmen im Osten an

Die Stadt gibt eine Teilfläche des geplanten Gewerbe- und Industriegebiets Oberschachen an die Promold AG ab. Im Stadtparlament war die entsprechende Vorlage unbestritten. Das kommt nicht von ungefähr.

Luca Ghiselli
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Noch im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten für die neue Betriebsstätte der Regloplas AG in Oberschachen starten. (Bild: Urs Bucher)

Noch im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten für die neue Betriebsstätte der Regloplas AG in Oberschachen starten. (Bild: Urs Bucher)

Es gibt sie auf Stadtgebiet nicht im Überfluss: Baulandreserven für Gewerbe- und Industriebetriebe. Vieles ist schon überbaut, ob in Winkeln, in der Russen, oder eben im Osten – vom Gallusmarkt bis an die Stadtgrenze. Einen Flecken Land gibt es aber noch, und den hat sich die Stadt St. Gallen gesichert: Das unbebaute Grundstück im Weiler Oberschachen befindet sich direkt an der Martinsbruggstrasse gegenüber der Emil Egger AG. Gekauft hat es die Stadt in zwei Etappen: 2005 und 2016. Insgesamt umfasst das Areal rund 26000 Quadratmeter.

Damit handelt es sich beim Gebiet in Oberschachen um die grösste zusammenhängende Baulandreserve für wirtschaftliche Nutzungen im Osten der Stadt. Jetzt, knapp zwei Jahre später, steht bereits fest, welche Firma als erstes auf dem Areal baut: Es ist die Promold AG, die Immobiliengesellschaft der Regloplas AG, die heute an der Flurhofstrasse Temperiergeräte entwickelt, produziert und in 52 Länder vertreibt.

Stadt hat Nägel mit Köpfen gemacht

Bei der Berechnung des Baurechtzinses einigten sich die Stadt und die Regloplas AG auf einen Bodenwert von 600 Franken pro Quadratmeter. Der Baurechtszins entspricht dem Referenzzinssatz des Bundes; er liegt bei 1,5 Prozent. Hinzu kommt ein Zuschlag von einem Prozent, was der Stadt einen Zins von gut 73000 Franken im Jahr bringt. Das entsprechende Geschäft war im Stadtparlament vorgestern Dienstag unbestritten.

Von SP bis FDP gab es Zuspruch dafür, die Vorlage wurde einstimmig angenommen. In zwei Jahren vom Landkauf zur Abgabe im Baurecht: Die Stadt hat in Oberschachen Nägel mit Köpfen gemacht. Dazwischen lagen eine Erschliessungsstudie, ein Überbauungsplan, eine Zonenplanänderung, eine Studie zu den Fahrtenzahlen und sogar die Kassierung einer Einsprache. «Uns stehen solche Flächen nicht unbegrenzt zur Verfügung», sagt Matthias Fuchs, Stabschef der Direktion Planung und Bau, auf Anfrage. Gleichzeitig sei es der Stadt aber ein wichtiges Anliegen, Neuansiedlungen von Gewerbe- und Industriebetrieben zu ermöglichen und zu fördern.

Zwar handle es sich bei der Regloplas AG nicht um eine Neuansiedlung im eigentlichen Sinn. Sie sei aber der klassische Fall eines Gewerbebetriebs, der im Wohngebiet domiziliert sei und so stark wachse, dass der Raumbedarf zunehme. Und der Stadt liege viel daran, erfolgreiche Unternehmen in St. Gallen zu halten.

Die Firma habe schon seit geraumer Zeit Interesse an der Parzelle gezeigt. Und die Stadt tat alles, damit für alle Beteiligten eine gute Lösung gefunden werden konnte. «Wir verkaufen den Boden nicht einfach, sondern geben ihn für 60 Jahre im Baurecht ab. Und das zu Konditionen, die für beide Seiten zufriedenstellend sind», sagt Fuchs. Wichtig sei bei Verhandlungen und Planungen auch gewesen, das konkrete Interesse eines Unternehmens auf seiner Seite zu wissen, sagt Fuchs. «So bauen wir nicht eine Strasse in die grüne Wiese, ohne die Gewissheit, dass sich dort auch tatsächlich ein Unternehmen ansiedelt.» Er geht davon aus, dass die Promold AG noch im Frühjahr 2019 ein Baugesuch einreichen werde. So bald wie möglich soll danach dann auch der Baustart für die neue Betriebsstätte erfolgen.

Gespräche für weitere Ansiedlungen laufen

Insgesamt gibt die Stadt eine Fläche von 4874 Quadratmetern an die Promold AG ab. Doch dabei soll es nicht bleiben: Geplant ist, dass sich bald einige weitere Unternehmen am östlichen Stadtrand beim Weiler Oberschachen ansiedeln. «Wir führen verschiedene Gespräche», sagt Fuchs. Das Ziel sei, das bald neu erschlossene Areal vollständig zu überbauen, wie es der entsprechende Sondernutzungsplan vorsieht.