Den Skiliften in der Stadt St.Gallen fehlt nur noch der Schnee: Grüne Wiese statt Pulverhang

Die Skilifte in der Stadt St.Gallen stehen derzeit still, weil der Schnee fehlt und die Temperaturen zu hoch sind. Über die Festtage wird sich an dieser Situation kaum etwas ändern.

Roger Berhalter
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Fehlt nur nor der Schnee: Skilift des Einwohnervereins Bruggen am Schlösslihang. (Bild: Urs Bucher - 20. Dezember 2018)

Fehlt nur nor der Schnee: Skilift des Einwohnervereins Bruggen am Schlösslihang. (Bild: Urs Bucher - 20. Dezember 2018)

Plustemperaturen, soweit die Prognose reicht. Die Wetteraussichten von Meteo Schweiz für St.Gallen sind eindeutig. Unter den Gefrierpunkt werden die Temperaturen so schnell nicht fallen, von weissen Weihnachten keine Spur, und Skifahren in der Stadt wird über die Festtage nicht möglich sein.

Anlagen sind aufgestellt und eingeweiht

«Mindestens eine Woche lang wird nichts gehen», sagt Stevan Dronjak, Präsident des Einwohnervereins Bruggen. Dabei sind die zwei Skilifte am Schlösslihang schon seit Ende November montiert, und sogar das Skistübli war schon einmal geöffnet: Am 14. Dezember lud der Einwohnerverein unter dem augenzwinkernden Titel «Ski Arena Schlössli» zum Apéro.

Was aber noch fehlt, ist der Schnee. Zudem sollten die Temperaturen fallen. «Wenn es so warm ist und es kurz darauf schneit, kann sich der Schnee nicht mit dem Untergrund verbinden», sagt Dronjak. Wenn der Schneetöff bei diesen Bedingungen in den steilen Hang fahre, rutsche der Schnee weg. «Dann haben wir unten einen Schneehaufen und oben eine grüne Wiese.» Unter optimalen Bedingungen hingegen würden auch schon 10 bis 20 Zentimeter für den Skibetrieb genügen.

Darauf müssen Skifans diesen Winter noch etwas warten: Weisse Hänge und Sonnenschein rund um den Skilift Vögelinsegg. (Bild: Urs Jaudas - 5. Januar 2011)

Darauf müssen Skifans diesen Winter noch etwas warten: Weisse Hänge und Sonnenschein rund um den Skilift Vögelinsegg. (Bild: Urs Jaudas - 5. Januar 2011)

Der Skilift an der Beckenhalde in St.Georgen steht ebenfalls bereit. Samt der Schneekanone. Die Bedingungen für ihren Einsatz sind aber derzeit noch nicht gegeben. Der Skilift Vögelinsegg ist seit Ende November betriebsbereit, so wie jedes Jahr. Er befindet sich teils auf Gebiet der Ausserrhoder Gemeinde Speicher und teils auf St.Galler Stadtgebiet.

Noch weitere 20 Jahre betriebsbereit

Der Einwohnerverein Bruggen hat im vergangenen Jahr zwei neue Skilifte gekauft, einen grossen für den Ski- und einen kleinen für den Schlittelhang. «Die neuen Lifte haben sich gut bewährt», sagt Stevan Dronjak. «Die Handhabung ist wesentlich einfacher geworden, und die Skifahrer haben jetzt mehr Platz.»

Der Schlösslilift ist mit Abstand der neuste der drei Skilifte auf Stadtgebiet und in Stadtnähe. Der Lift an der Beckenhalde ist 29 Jahre alt, dank laufender Erneuerungen ist er aber für etwa weitere 15 Jahre betriebssicher. Der Skilift Vögelinsegg ist sogar schon 60 Jahre alt und muss total saniert werden. So soll er weitere 20 Jahre halten.

Skiliftbetrieb immer ein Verlustgeschäft

Diese Zahlen machen deutlich: Trotz Klimawandel und tiefer, schneeunsicherer Lage denken die städtischen Skiliftbetreiber noch lange nicht ans Aufhören. Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht wäre dies naheliegend. «Ein Skiliftbetrieb ist mittelfristig immer ein Verlustgeschäft», sagt Christof Chapuis, Präsident der Genossenschaft Skilift Vögelinsegg.

Ohne ehrenamtliche Arbeit und Sponsoren wäre der Skibetrieb nicht aufrechtzuerhalten. Aber den Betreibern geht es nicht um den Profit, sondern darum, ein Angebot für Familien bereitzustellen und Kindern erste Erfahrungen im Schnee zu ermöglichen.

Durchzogene Saison dauerte nur 13 Halbtage

Der neue Lift am Schlösslihang war in der vergangenen Wintersaison nur 13 Halbtage lang in Betrieb. Das ist wenig im Vergleich zu einer durchschnittlichen Saison mit jeweils 20 bis 28 Halbtagen. Aber in der Geschichte des Schlösslilifts gab es auch schon schlechtere Saisons (siehe Zweittext). «Wir machen das Beste draus und stellen den Lift auf, solange es einigermassen geht», sagt Stevan Dronjak vom Einwohnerverein Bruggen.

Der Skilift an der Beckenhalde: Eine Schneekanone hilft hier, die Piste fahrbereit zu machen. Derzeit sind die Temperaturen für ihren Einsatz aber zu mild. (Bild: Hanspeter Schiess - 26. Februar 2018)

Der Skilift an der Beckenhalde: Eine Schneekanone hilft hier, die Piste fahrbereit zu machen. Derzeit sind die Temperaturen für ihren Einsatz aber zu mild. (Bild: Hanspeter Schiess - 26. Februar 2018)

An der Beckenhalde steht eine Schneekanone zur Verfügung, doch ist sie nicht zum Beschneien des ganzen Hanges gedacht. Sie kommt nur punktuell zum Einsatz und erst bei tiefen Temperaturen ab minus fünf Grad. Darauf müssen die Skiliftbetreiber vorerst warten.

Lift stand immer wieder einmal eine Saison still

Es ist schon eine Weile her, dass in der Stadt St.Gallen über die drei Weihnachtstage hinweg mehr als 20 Zentimeter Schnee lag. 2001, also vor 17 Jahren, war dies zuletzt der Fall, wie die Statistik von Meteo Schweiz zeigt. Das vorletzte Mal liegt sogar 32 Jahren zurück.

Ein Blick in die Statistik des Einwohnervereins Bruggen zeigt, dass es auch früher schon schneearme Winter gab. So zählten die Betreiber des Skilifts am Schlösslihang in den Saisons 1971/72 und 1973/74 jeweils weniger als 50 Betriebsstunden. Es gab auch Winter, in denen der Schlössli-Lift gar nicht lief: 1974/75, 1988/89 und 1989/90 beispielsweise verzeichnete der Einwohnerverein jeweils null Betriebsstunden. (rbe)