Gründenmoos wird nach Rückzug der Migros nicht abgebrochen: Die Stadt sucht nach Nachfolgern

Die Polysportivanlage Gründenmoos soll zwischengenutzt werden. Die Stadt hat die Anlage von der Migros übernommen und sich gegen einen Rückbau entschieden. Welche Sportart ab Oktober 2020 in der Halle gespielt wird, steht jedoch noch offen.

Christoph Renn
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Die Migros zieht sich aus der Polysportiv- und Tennisanlage Gründenmoos zurück.

Die Migros zieht sich aus der Polysportiv- und Tennisanlage Gründenmoos zurück.

Michel Canonica

Ein Seilpark, eine Tennishalle inklusive Aussenanlage, ein Restaurant und ein Fitnesscenter: Die Sportanlage Gründenmoos ist ein beliebter Treffpunkt für Hobbysportler im Westen der Stadt. Doch die Migros schliesst Ende September 2020 die Türen. Sie hat den auslaufenden Baurechtsvertrag nicht mehr verlängert. Nun vermeldet die Stadt, dass sie die Polysportiv- und Tennisanlage Gründenmoos von der Migros Ostschweiz übernimmt. Und sie stellt klar: Die Stadt verzichtet auf den Rückbau der Gebäude, den die Migros hätte bezahlen müssen. «Wir sind über diesen Entscheid zwar noch nicht informiert, begrüssen ihn aber», sagt Andreas Bühler, Mediensprecher.

Marcel Thoma, Leiter Sport der Stadt St.Gallen.

Marcel Thoma, Leiter Sport der Stadt St.Gallen.

Urs Jaudas

Die Infrastruktur der gesamten Anlage im Gründenmoos befindet sich laut Bühler noch immer in einem sehr guten Zustand. Deshalb sei es der richtige und vernünftige Entscheid der Stadt, die bestehende Anlage einer weiteren Nutzung zuzuführen. Somit würde dem Breitensport auch in Zukunft eine schöne Anlage zur Verfügung stehen. Welche Sportart in Zukunft im Gründenmoos ausgeübt wird, steht derzeit jedoch noch in den Sternen. «Wir sind im Moment mit über 20 Interessenten im Gespräch», sagt Marcel Thoma, Leiter Sport der Stadt St. Gallen.

Der Seilpark ist nicht betroffen

Die Stadt sucht nun einen Nachmieter für die Sportanlage. Davon ausgenommen ist der Seilpark im Wald gegenüber der Tennishalle. Jedoch sei der Betrieb nur für eine Zwischennutzung für die kommenden zehn Jahre vorgesehen. «Die langfristige Nutzung der Sportanlage Gründenmoos wird erst nach Vorliegen des Gemeindesportanlagenkonzepts (Gesak) festgelegt», erklärt Marcel Thoma. Dieses befinde sich im Moment aber noch in Ausarbeitung.

Mit dem Entscheid, die Anlage nicht zurückzubauen, will die Stadt einen Platz für sportliche Nutzung zur Verfügung stellen. Am naheliegendsten wäre, wenn in der Tennishalle weiterhin Tennis gespielt würde. Dazu steht bereits die gesamte Infrastruktur zu Verfügung und die Halle müsste nicht den neuen Bedürfnissen angepasst und umgebaut werden.

Ob der jetzige Leiter der Sportanlage, der momentan von der Migros angestellt ist, die Halle weiterbetreiben wird oder zu den Interessenten gehört, steht noch offen. Sprich, auch die Zukunft des 75-köpfigen Teams, das derzeit in der polysportiven Anlage im Gründenmoos in den Bereichen der Gastronomie aber auch in der Tennishalle oder dem Fitnesscenter arbeitet, ist noch unklar. Vor allem deshalb, weil noch nicht feststeht, wie es mit dem Gründenmoos ab Oktober 2020 weitergeht und wer den Betrieb übernimmt. Auf die Strasse werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber nicht gesetzt. «Für sie werden in den Klubschulen, den Gastronomiebetrieben und in der Administration der Migros Ostschweiz gute Anschlusslösungen gesucht», sagte Andreas Bühler Ende Juni, als die Migros ihren Entscheid bekanntgegeben hatte.

Box-, Beachvolleyball- oder Trampolinhalle

Noch steht laut Marcel Thoma vollkommen offen, wer den Zuspruch zum Betrieb der polysportiven Anlage im Gründenmoos erhalten wird. So gebe es ganz unterschiedliche Ideen für die Nutzung der Räume. Sie reichen von einer Trampolin- über eine Beachvolleyball- oder eine Kletter- bis hin zu einer Boxhalle. Der Verein Beachfun ist seit rund einem Jahr auf der Suche nach einer passenden Halle für Beachvolleyball. Auf ihrer Internetseite geben sich die Initianten bereits zuversichtlich: «Wir haben uns beworben und sind bereit. Wir sehen uns im Oktober 2020 im Sand im Gründenmoos. Hoffentlich», heisst es dort. Auch der St. Galler Boxclub um Ehren-Föbine Géraldine Brot hat laut Marcel Thoma Interesse angemeldet.

Nicht unter den potenziellen Nachfolgenutzern sind laut Thoma die Initianten einer St. Galler Handballhalle. Sie hätten sich bisher nicht bei ihm gemeldet. Die IG Handball St. Gallen hat einen offenen Brief an den Stadtrat und die Präsidenten der Fraktionen des  St. Galler Stadtparlaments verschickt und den Bau einer multifunktionalen Sporthalle angeregt (Ausgabe vom 3. Mai).

Für die neuen Mieter gebe es jedoch eine wichtige Bedingung seitens der Stadt:

«Der künftige Betrieb muss kostendeckend sein»

Sprich, die Stadt wird den Betrieb der Sporthalle im Gründenmoos finanziell nicht unterstützen. «Für uns wird es ein Nullsummenspiel sein.»

Die Stadt klärt letzte Details mit der Migros

Die Stadt hat sich zwar bereits entschieden, die Polysportivhalle nicht zurückzubauen. Trotzdem laufen die Gespräche zwischen dem städtischen Amt für Liegenschaften und der Migros Genossenschaft noch weiter. Denn für den Rückbau hätte die Migros aufkommen müssen. Nun geht es noch um finanzielle Details.

Die Migros Ostschweiz betreibt seit 1981 im Gründenmoos die Sportanlage. Als Grund, den Baurechtsvertrag nicht mehr zu verlängern, nennt sie wachsende Herausforderungen in allen Geschäftsfeldern: «Deshalb müssen wir uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren, um langfristig erfolgreich zu sein», sagt Bühler. Ob die Sportanlage Gründenmoos defizitär war, lässt er hingegen offen. «Es ist aber Tatsache, dass erhebliche Investitionen angestanden wären.»