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«Ich finde es spannend zu fragen: Wo tut's weh?»: Kulturpreis für den Widnauer Theatermacher Philippe Heule

Der aus Widnau stammende Theaterautor Philippe Heule erhält morgen als erster den «Grüana Törgga», den neuen Rheintaler Förderpreis für junge Künstler.
Roger Berhalter
Philippe Heule macht Theater, inspiriert von grossen Themen und von Randzonen. (Bild: Michel Canonica)

Philippe Heule macht Theater, inspiriert von grossen Themen und von Randzonen. (Bild: Michel Canonica)

Seinen Freunden in Deutschland musste Philippe Heule zuerst erklären, was ein «Törgga» ist. So nennen die Rheintaler ihren Mais, und so nennt die Rheintaler Kulturstiftung auch ihren jährlichen Preis, den «Goldiga Törgga». Jetzt vergibt die Stiftung erstmals auch den «Grüana Törgga», einen mit 5000 Franken dotierten Förderpreis für junge Künstlerinnen und Künstler.

Philippe Heule aus Widnau ist der erste, der ihn bekommt. Der freischaffende Theaterautor und -regisseur hat die Stiftung überzeugt: «Seine Stücke sind so leichtfüssig und humorvoll, dass der Tiefgang erst im Nachgang wirkt.»

Offene und versteckte Gewaltpotenziale

Ein Treffen mit dem 33-Jährigen in St.Gallen. Er betritt das Café mit Wollmütze und Schlafzimmerblick. Im Zug nach St.Gallen hat er an einem neuen Stück geschrieben. Er nennt es «Die Schokoladenwaffenfabrik» und meint damit die Schweiz:

«Ich versuche gerade, die Schoggi- und Waffenproduktion zusammenzudenken.»

Schokolade fasziniere ihn, weil sie einerseits ein typisch schweizerisches Produkt sei, anderseits aber eine koloniale Geschichte habe. Dieser Hintergrund werde nicht wirklich wahrgenommen, wie überhaupt die Kolonialgeschichte der Schweiz.

Nach wenigen Sätzen ist Heule schon bei einer Analyse seines Heimatlandes angelangt. Der Schlafzimmerblick ist weg, der Autor hellwach und in seinem Element: «Das Gewaltpotenzial ist in der Schweiz nicht offen sichtbar, sondern in den Strukturen versteckt.» Nach solchen blinden Flecken suche er. «Ich finde es spannend zu fragen: Wo tut’s weh?»

Heules Theaterkarriere hat steil begonnen. Nach dem Regiestudium in Zürich engagierte ihn das Theater Basel als Hausautor. Für den jungen Theatermacher ein wichtiger Schritt; er konnte in verschiedenen Formaten mitwirken, und ein Stück von ihm wurde uraufgeführt. Heute bringt Heule unter anderem in Basel als Begründer des Kollektivs «Helium X» grosse Themen wie die Finanzkrise und den Klimawandel auf die Theaterbühne.

Den Menschen Geschichten ablauschen

In der Ostschweiz ist Philippe Heule durch sein Stück «Die Spekulanten» fürs Theater St.Gallen bekannt geworden. Als Spielort diente ein Schiffscontainer mit Glasfront, der 2018 von St.Gallen durchs Rheintal bis nach Chur tourte. «Es war eine Auseinandersetzung mit der Landschaft, in der ich aufgewachsen bin», sagt Heule. Er habe im Rheintal Geschichten gesucht, schliesslich aber ein möglichst allgemeingültiges Stück geschrieben, ohne Lokalkolorit.

Armin Breidenbach, Dramaturg am Theater St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Armin Breidenbach, Dramaturg am Theater St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Das ist ihm laut Dramaturg Armin Breidenbach vom Theater St.Gallen gelungen:

«Heules Talent ist es, den Menschen ihre Geschichten abzulauschen und diese dann so zu erzählen, dass man meint, man wäre ganz nah bei ihnen.»

Dem Rheintal fühlt sich Heule noch immer verbunden. «Immer wieder neu auf seine Herkunft zu blicken: Daran kann man sich als Künstler ein Leben lang abarbeiten.» Das Rheintal stehe für eine Schweiz, die weniger sichtbar sei: Kein Tourismusort, keine Postkartenidylle, vielmehr Agglomeration und «Randzone, über die man gerne hinwegsieht».

Über den «Grüana Törgga» freut sich Preisträger Heule: «Es ist schön, dass diese Anerkennung von dort kommt, wo ich gestartet bin.» Über den «Törgga» wolle er sich noch genauer informieren. Die Kulturpflanze sei hier ursprünglich nicht heimisch gewesen, sondern in die Schweiz emigriert. Scheint, als habe Heule schon den nächsten blinden Fleck gefunden.

Preisverleihung «Goldiga und Grüana Törgga»:
8.11., 18 Uhr, Kinotheater Madlen, Heerbrugg

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