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Ärger bei St.Galler Detailhändlern: Grossverteiler öffnen trotz Kinderfest

Migros, Coop, Globus und Manor öffnen am St. Galler Kinderfest nachmittags ihre Läden. Die grössten Detailhändler der Innenstadt stossen mit ihrer Premiere bei der Dachorganisation Pro City auf Unverständnis.
Daniel Wirth
Der Kinderfest-Umzug vor drei Jahren auf dem Bohl vor dem Coop-City. Das Geschäft wird dieses Jahr am Kinderfest ab 13 Uhr offen haben - eine Premiere. (Bild: Donato Caspari (12. Juni 2015))

Der Kinderfest-Umzug vor drei Jahren auf dem Bohl vor dem Coop-City. Das Geschäft wird dieses Jahr am Kinderfest ab 13 Uhr offen haben - eine Premiere. (Bild: Donato Caspari (12. Juni 2015))

Mittlerweile hat sich Ralph Bleuer wieder etwas beruhigt. Der Präsident von Pro City, der innerstädtischen Vereinigung von Unternehmen des Detailhandels, war empört, als er erfuhr, dass Migros, Coop, Globus und Manor am Tag des St. Galler Kinderfestes ihre Läden in der Innenstadt ab 13 Uhr öffnen werden. Im Vorstand von Pro City habe die einhellige Meinung geherrscht, das sei ein «No-Go».

Anfang Mai ging ein Brief an die Mitglieder und Sympathisanten von Pro City. Darin hiess es: «Obwohl der Tag kein gesetzlicher Feiertag ist, bleiben in St. Gallen verankerte Geschäfte und viele Büros geschlossen. Auch das ist ein Teil der Tradition!» Viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in der Stadt trügen mit diesem geschenkten freien Tag dazu bei, dass das Kinderfest ein Volksfest werde. «Darum empfehlen wir unseren Mitgliedern in der Innenstadt, ihr Geschäft geschlossen zu halten.»

Weisungen der Zentralen in anderen Landesteilen umsetzen

In der Regel sei die Zusammenarbeit mit den Grossverteilern gut, sagt Bleuer. Dass sie nun beim Kinderfest ausscheren und mit einer Tradition brechen, löst bei Bleuer Kopfschütteln aus. Migros, Coop, Globus und Manor halten sich nicht an die Empfehlung von Pro City. Das hat gemäss Bleuer damit zu tun, dass die Geschäftsführer in St. Gallen die Weisungen aus den Zentralen in anderen Landesteilen umsetzen müssen. Andreas Bühler, Mediensprecher der Migros Ostschweiz sagt dazu:

«Wir öffnen die Filiale im Einkaufszentrum Neumarkt am Kinderfesttag, um Einwohnern und Werktätigen der St. Galler Innenstadt und den Besuchern des Kinderfestes Einkäufe zu ermöglichen»

Den Mitarbeitenden mit schulpflichtigen Kindern und Wohnsitz in der Stadt werde die Möglichkeit geboten, einen freien Tag zu beziehen, um dem Kinderfest beiwohnen zu können, sagt Andreas Bühler.

Längst nicht alle lassen sich unter Druck setzen

Bei Coop tönt es gleich: Man wolle den Kunden eine Einkaufsmöglichkeit bieten. Coop öffnet ab 13 Uhr das Geschäft am Bohl (Coop City). Die kleinere unterirdische Filiale an der Neugasse hat sogar den ganzen Kinderfesttag geöffnet. Das sei schon vor drei Jahren so gewesen, sagt Markus Brunner, Mediensprecher von Coop Ostschweiz-Ticino.

Manor im Einkaufszentrum Webersbleiche öffnet ebenfalls um 13 Uhr. Mode Weber, in der «Webersbleiche» mit einem grossen Geschäft vertreten, bleibt am Kinderfesttag geschlossen. CEO Erich Weber:

«Wir gönnen unseren Mitarbeitenden diesen freien Festtag»

Auch im «Neumarkt» halten sich die meisten Detailhändler an die Pro-City-Empfehlung. Er fände es starken Tobak, was die Migros am Kinderfest mache, sagt ein empörter Thomas Portmann von der Urs Portmann Tabakwaren AG.

(Bild: Hanspeter Schiess)

(Bild: Hanspeter Schiess)

Alan Schmid
Kinderfest-Cheforganisator

«Ich finde es schade, dass die Grossverteiler die Filialen öffnen.»

Kommentar: «Ein halber Tag rettet den Detailhandel nicht»

Der Detailhandel in der Stadt St. Gallen ist unter Druck. Das schleckt keine Geiss weg. Die Gründe dafür sind bekannt: das Internet-Geschäft, der Einkaufstourismus, hohe Ladenmieten. Eine sichtbare Folge: Ein Laden nach dem anderen in der Altstadt macht dicht. Die Detailhändler unterlassen verständlicherweise nichts, um Kundschaft in ihre Läden zu locken.

Doch es gibt Grenzen. Das St. Galler Kinderfest wurde 1824 zum ersten Mal durchgeführt, in seiner heutigen Form findet es seit 1968 im Rhythmus von drei Jahren statt. Der Tag, an dem das Kinderfest ausgetragen wird, ist kein gesetzlicher Feiertag. Es galt aber das ungeschriebene Gesetz: Am Kinderfest halten die Innenstadt-Detailhändler ihre Läden ganztags geschlossen.

Das Kinderfest war dem Detailhandel bis heute heilig. Doch in diesem Jahr öffnen einige Grossverteiler ihre Filialen in der Innenstadt am Nachmittag. Dann, wenn Kinder auf dem Rosenberg ihre lange einstudierten Reigen vorführen, wenn Eltern eine Kinderfest-Bratwurst und einen Becher Schützengarten geniessen, wenn Tout Saint-Gall bei Sonnenschein an den Festtischen zusammensitzt und lacht.

Was Migros, Coop, Manor und Globus machen, ist nicht verboten. Ob der Umsatz eines Nachmittags den Detailhandel rettet, darf indes bezweifelt werden. Mit dem Öffnen ihrer Filialen in der Innenstadt am Kinderfest kratzen die Grossverteiler an einer Tradition. Das bedeutet nicht den Untergang der Welt. Aber es ist schade. Bleibt die Hoffnung, dass ihnen die Bedeutung des Kinderfestes für die Stadt und ihre Leute bis 2021 wieder bewusst wird. (dwi)

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