Grossprojekt
«Zu viel Beton, zu viele Parkplätze»: Gemeinde Wittenbach will Bahnhof samt Quartier attraktiver gestalten

Der Wittenbacher Bahnhof ist ein trostloser Ort. Das soll sich ändern. In den nächsten 15 bis 20 Jahren soll ein neues Bahnhofsquartier entstehen. Mit mehr Läden, Grünflächen, Gastronomie und ÖV-Verbindungen.

Melissa Müller
Drucken
Der Bahnhof Wittenbach soll künftig in einem moderneren Kleid daher kommen.

Der Bahnhof Wittenbach soll künftig in einem moderneren Kleid daher kommen.

Bild: Arthur Gamsa

Der Bahnhof Wittenbach lädt nicht zum Verweilen ein. «Er ist zwar funktional, aber es gibt zu viel Asphalt und ungenutzte Parkplätze», sagt Daniel Worni, Leiter Bau und Infrastruktur. Auch fehle es an einladenden Aufenthaltsmöglichkeiten.

«Eine Brache mit Potenzial.»

Zudem sind die Hochhäuser und Blöcke rund um den Bahnhof in die Jahre gekommen. Sie sollen entweder saniert oder abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden.

Den alten Wohnblöcken beim Bahnhof droht die Abrissbirne.

Den alten Wohnblöcken beim Bahnhof droht die Abrissbirne.

Bild: Arthur Gamsa

In den nächsten 15 bis 20 Jahren soll etappenweise ein neues Bahnhofsquartier entstehen. Das 36’000 Quadratmeter grosse Areal umfasst das Gebiet vom neuen Zentrum beim Ödenhof bis zum Gemeindehauskreisel.

Ansicht vom Bahnhof Wittenbach mit Blick in Richtung Ödenhof.

Ansicht vom Bahnhof Wittenbach mit Blick in Richtung Ödenhof.

Bild: Arthur Gamsa

Bahnhof wird aufgewertet

Das Agglomerationsprogramm St.Gallen-Bodensee sieht vor, dass sich der Bahnhof Wittenbach zum «regionalen Mobilitätshub» entwickelt – also zur Verkehrsdrehscheibe. «Der Hub ist ein wichtiger Umsteigepunkt», sagt Worni. Hier treffen Postauto, SOB, VBSG, Veloparkplätze, Car-Sharing, Taxis und E-Ladestationen aufeinander.

Daniel Worni, Leiter Bau und Infrastruktur bei der Gemeinde Wittenbach.

Daniel Worni, Leiter Bau und Infrastruktur bei der Gemeinde Wittenbach.

Urs Bucher

Da eine zusätzliche Buslinie nach St.Gallen geplant ist, braucht es laut Worni eine neue Haltekante, «danach haben wir einen Viertelstundentakt mit dem Bus in die Kantonshauptstadt». Der Bau des Bahnhof-Hubs ist eine Gemeindeaufgabe und wird durch den Bund finanziell unterstützt.

«Dank der sehr guten Erschliessung ist ein Mobilitätshub auch attraktiv für Wohnen und Arbeiten», sagt Conradin Knabenhans, Mediensprecher der SOB. Heute sei das Bahnhofsareal in Wittenbach mehrheitlich als reiner Umsteigeort konzipiert. Im Zuge der Arealentwicklung werde die Südostbahn auch die Gestaltung der heutigen Gleis- und Perronanlagen überprüfen.

«Ein reiner Umsteigebahnhof»: Der Bahnhof Wittenbach soll einladender und interessanter werden, auch zum Wohnen und Arbeiten.

«Ein reiner Umsteigebahnhof»: Der Bahnhof Wittenbach soll einladender und interessanter werden, auch zum Wohnen und Arbeiten.

Bild: Arthur Gamsa

Neue Wohnhäuser für Pendlerinnen und Pendler

Das Bahnhofareal soll durch Wohnraum ergänzt werden. Laut dem Gemeindeblatt «Puls» werden Wohnungen geplant für Menschen, die den öffentlichen Verkehr bevorzugen.

Wittenbach, das heute rund 9776 Einwohnerinnen und Einwohner zählt, soll bis 2040 um 1800 Personen wachsen. Das schreibt der kantonale Richtplan vor. Darum will man einige zusätzliche Einwohnerinnen und Einwohner in der Nähe des Bahnhofs unterbringen.

Pensionskassen, Bank und Bahn reden mit

Vier Grundeigentümerinnen von Häusern spannen bei der Planung des neuen Quartiers zusammen: Die UBS Fund Management, Asga Pensionskasse Genossenschaft, St.Galler Pensionskasse und Schweizerische Südostbahn (SOB). Sie bilden einen Steuerungsausschuss, in dem auch die Gemeinde als Eigentümerin von Strassen und kleineren Parzellen Einsitz hat. «Wir sind noch in der Strategie- und Konzeptphase», sagt Daniel Worni.

Ansicht des Wittenbacher Bahnhofsgebäudes.

Ansicht des Wittenbacher Bahnhofsgebäudes.

Bild: Arthur Gamsa

Man wolle möglichst viel vom alten Baumbestand erhalten, etwa die markanten Bäume beim Hochhaus gegenüber dem Bahnhof.

«Freiräume sind ein wichtiges Thema»

Die SOB erwägt, die Kundenparkplätze auf die andere Seite der Gleise beim Industriequartier zu verlegen. Der Bahnhofplatz soll umgestaltet und mit Einkaufs-, Dienstleistungs- und Gastroangeboten ergänzt werden. Er soll zur Visitenkarte Wittenbachs werden: Ein öffentlicher Raum, der als attraktiver Ankunfts- und Abfahrtsort wahrgenommen wird.

Worni sagt:

«Wenn der Bahnhof belebter wird, hoffen wir, dass sich auch Gewerbe ansiedelt.»

Im Februar 2023 will die Gemeinde an einem Infoanlass über das Generationenprojekt einen 3D-Film vorstellen – damit sich jederfrau und jedemann plastisch vorstellen kann, wie der Bahnhof von morgen aussehen soll. Im Herbst 2023 wird Wittenbach mittels Gutachten über den Mobilitätshub am Bahnhof abstimmen. Läuft alles nach Plan, kann der neue Bahnhof 2025 in Betrieb genommen werden.