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Grosse Schritte am ersten Schultag: Die Stadt St.Gallen führt Neuerungen ein

Für über 6300 Kinder in der Stadt hat das Schuljahr begonnen. Neu führt die Flade auch Realklassen und in den städtischen Oberstufenschulhäusern nehmen fünf Mittagstische ihren Betrieb auf.
Christina Weder
8 Uhr, Hebelschulhausplatz in St.Georgen: Eine Lehrerin versammelt ihre neue Klasse. (Bild: Hanspeter Schiess (12. August 2019))

8 Uhr, Hebelschulhausplatz in St.Georgen: Eine Lehrerin versammelt ihre neue Klasse. (Bild: Hanspeter Schiess (12. August 2019))

  • Die 2016 geschlossene Oberstufen-Vereinbarung zwischen der Stadt und dem Katholischen Konfessionsteil wird rechtskräftig.
  • An fünf Standorten werden neu ausgerichtete Mittagstische für Schülerinnen und Schüler angeboten, die eine städtische Oberstufe besuchen.
  • Das erste Umsetzungsjahr des lokalen Qualitätskonzepts für die städtischen Schulen startet.

Das Badiwetter ist vorbei. Pünktlich zum Ende der Sommerferien setzte der Regen ein. Mit Stiefeln, Schirm und Schülerthek strömten Kinder am Montag wieder den Schulhäusern der Stadt zu. Viele sind kribbelig, neugierig, aufgeregt – und das mit gutem Grund. Sie sehen ihre Gschpänli wieder, kommen in eine neue Klasse oder gehen zum ersten Mal überhaupt zur Schule.

Eltern zücken das Handy, um den Moment festzuhalten. Lehrerinnen begrüssen ihre Schützlinge. Trotz nasskaltem Wetter wird den Erstklässlern ein warmer Empfang bereitet. Beim Hebelschulhaus in St.Georgen schreiten sie über einen roten Teppich ins Schulhaus und bekommen von den Sechstklässlern eine Sonnenblume überreicht.

Vereinbarung zur Flade tritt in Kraft

Für insgesamt 6332 Kinder in der Stadt St.Gallen hat am Montag das neue Schuljahr begonnen, darunter sind 672 neue Kindergärtler und 638 neue Erstklässler. 259 Kinder treten in die Sekundarschule ein, 158 in die Real. «Ganz viele Mädchen und Buben machen damit einen grossen Schritt», sagt Schuldirektor Markus Buschor. Der erste Schultag ist für ihn der perfekte Zeitpunkt, um über ein paar Neuerungen im städtischen Schulwesen zu informieren.

An der Medienorientierung im Oberstufenschulhaus Bürgli spricht er von Meilensteinen, die primär die Oberstufe betreffen. Einer dieser Meilensteine ist die getroffene Vereinbarung zwischen Stadt und Katholischem Konfessionsteil, über die lange diskutiert wurde. Bis jetzt sei sie ein Stück Papier gewesen, sagt Buschor:

«Jetzt wird ihr Leben eingehaucht.»

Konkret bedeutet das, dass die Flade seit Montag nicht nur Sekundarschulklassen, sondern auch Real- und Kleinklassen führt. Sie steht neu allen Jugendlichen offen – egal ob katholisch, evangelisch, konfessionslos, ob Sek oder Real. Die Stadt übernimmt das Schulgeld, hat aber im Gegenzug eine Obergrenze für die Schülerzahl ausgehandelt. Danach darf die Flade maximal 30 Prozent der städtischen Schülerinnen und Schüler übernehmen. Weil sich aber 50 Prozent der ehemaligen Sechstklässler für die Flade angemeldet haben, hat vor einem halben Jahr das Los entschieden, wer an die Flade darf.

Markus Buschor, Schuldirektor Stadt St.Gallen (Bild: Michel Canonica)

Markus Buschor, Schuldirektor Stadt St.Gallen (Bild: Michel Canonica)

Der Losentscheid führte bei vielen Familien zu Enttäuschungen und Unverständnis. Nun treten also – wie in der Vereinbarung festgelegt – 30 Prozent der Sekundarschüler in die Flade ein, 26 Prozent der Realschüler und sechs Prozent der Kleinklässler. In den städtischen Oberstufenschulhäusern werden 70 Prozent der Sekundar-, 74 Prozent der Realschüler und 94 Prozent der Kleinklässler unterrichtet. Buschor zieht eine erste positive Bilanz. Das Ziel, an der städtischen Oberstufe und an der Flade eine vergleichbare «soziale Durchmischung» zu erreichen, sei auf gutem Weg. Er stelle fest, dass es nun an der städtischen Oberstufe eine «Verschiebung hin zu leistungsfähigeren Kindern» gebe.

Fünf neue Mittagstische in der Oberstufe

Buschor kommt vor den Medien auf eine weitere Neuerung zu sprechen. Gestern haben fünf Mittagstische für die Oberstufe ihren Betrieb aufgenommen. Damit wird gemäss Buschor eine Lücke in der familienergänzenden Betreuung geschlossen. So habe man sich in den vergangenen Jahren auf den Ausbau der Tagesbetreuung an den Primarschulen konzentriert und dabei die Oberstufe vernachlässigt.

Die fünf Mittagstische für die Oberstufen Engelwies/Schönau, Bürgli, Blumenau, Buchental und Zil sind in bereits bestehenden Räumlichkeiten untergebracht. Viermal in der Woche wird hier ein frisch zubereitetes Mittagessen zum Preis von 7.50 Franken angeboten. Die Jugendlichen können aber auch ihren eigenen Lunch mitbringen und die Infrastruktur gratis nutzen. Betreut werden die Mittagstische von sozialpädagogisch ausgebildetem Personal.

Auch was das Thema Lehrermangel anbelangt, hat Schuldirektor Buschor gute Nachrichten. In der Stadt konnten sämtliche freien Stellen besetzt werden. Dennoch hätten ihm Schulleiter berichtet, dass auf Stellenausschreibungen weniger Bewerbungen eingegangen seien und dass sich das Einzugsgebiet der Bewerber auch ins nahe Ausland verschoben habe. Man spüre den Lehrermangel also, aber noch nicht so stark wie kleinere Schulgemeinden.

Stadt setzt Qualitätskonzept an Schulen um

Mit Beginn des Schuljahrs starten alle Schulträger des Kantons St. Gallen damit, ein lokales Qualitätskonzept umzusetzen. Die Stadt St. Gallen hat aufgrund der kantonalen Vorgaben ein Konzept erarbeitet, wie die geforderten Qualitäten im Schulbereich erreicht und überprüft werden können. Nun seien die Lehrkräfte und Schulleitungen an der Reihe, sagt Buschor: «In der Schulverwaltung wird der Rahmen abgesteckt, aber die Entwicklung des Unterrichts muss in den Schulen stattfinden.» Das Konzept lasse den Schulen viel Spielraum und Gestaltungsfreiheit innerhalb des gesetzten Rahmens.
Schuldirektor Buschor will die öffentlichen Schulen als «Werteschulen» weiterentwickeln. Bis jetzt hätten sich eher Privatschulen mit dem Thema Werte profiliert. Dabei handle es sich auch bei der öffentlichen Schule um Werteschulen. Themen wie Vertrauen, Toleranz, Streitkultur und Teamfähigkeit müssten selbstverständlich gepflegt werden. Dabei gehe es darum, bei jedem Kind die Stärken zu erkennen. «Wir müssen Potenzialentwickler sein und keine Defiziterklärer.»

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