Die Fragerunde beim «Tagblatt»-Podium: Skepsis gegenüber Gröble

Auch das Publikum nutzte beim Podiumsgespräch zu den Wittenbacher Gemeindepräsidiumswahlen die Chance, fragen zu stellen. Eine Teilnehmerin bracht Oliver Gröble in Bedrängnis.

Johannes Wey
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Von den gut besetzten Publikumsrängen kamen auch kritische Fragen. (Bild: Ralph Ribi)

Von den gut besetzten Publikumsrängen kamen auch kritische Fragen. (Bild: Ralph Ribi)

Fragerunde  In Bedrängnis kam Oliver Gröble erst in der Fragerunde. Und im Prinzip war es keine Frage, die alt Gemeinderätin Marlies Lorenz (CVP) da an den Parteilosen gerichtet hatte. Sondern eine Feststellung:

«Ich wage zu behaupten, für Sie wäre das Gemeindepräsidium einfach nur ein Job.»

Denn im Dorf habe sie ihn noch nie gesehen, auch nicht bei «Zukunft Wittenbach» oder einer Bürgerversammlung. Gröble entgegnete, dass er in Wittenbach durchaus bekannt sei. «Wir bewegen uns aber eher in der Familienszene, beispielsweise bei Fami. Aber man trifft uns an im Dorf.»

Als Standortförderer sei er Kantonsangestellter und wolle sich deswegen «möglichst wenig in die Gemeindepolitik einmischen». Ohnehin nähmen an Bürgerversammlungen je nach Thema mehr oder weniger Leute teil – oft seien die Versammlungen nicht sehr attraktiv. Daraufhin nannte Gröble einige Vorschläge, wie er als Gemeindepräsident die Bürgerversammlung durch bessere Partizipation beleben würde. Eine weitere Zuschauerin wollte wissen, weshalb er denn jetzt Gemeindepräsident werden wolle, nachdem er sich bislang nicht habe einmischen wollen. Gröbles Antwort:

«Dieser Job ist jetzt frei, ich bin 50 und ich möchte hier etwas bewegen.»

Das Gemeindepräsidium sei ein Managementjob, man führe rund 50 Mitarbeitende und habe ein Budget von 50 Millionen Franken, leitete ein anderer Teilnehmer seine Frage ein, wie viel Führungserfahrung jeder Kandidat denn mitbringe. Norbert Näf (CVP) schilderte sein Amt als Gemeindepräsident von Heiden: 30 Mitarbeitende in der Gemeindeverwaltung, 120 zusätzliche in Gemeindebetrieben. «Und momentan sind es sechs», sagte der heutige Unteregger Gemeindeschreiber.

Georges Gladig (FDP) betonte, dass seine Führungserfahrung «nicht nur auf die Verwaltung», sondern auch auf Wirtschaft, Sport, den Bildungsbereich und soziale Institutionen aufbaue. Im Beruf habe er momentan keine Führungsfunktion. «Ich führe die Oberstufenschulgemeinde mit rund 50 Mitarbeitenden und einen Sportverband mit 1000 Mitgliedern.» Oliver Gröble führt beim Kanton ein Team mit fünf Mitarbeitenden. «Es ist aber nicht wichtig, wie viele Leute man führt. In der obersten Führungsebene sind es selten viel mehr als fünf.»

Leben ins Zentrum bringen – aber wie?

Das leblose Zentrum war im Wahlkampf jedes Kandidaten schon mehrfach ein Thema, so auch am Dienstag. Ein Zuhörer wollte wissen, wie die Kandidaten den «Durchgangsort» beleben würden. Gladig stimmte dem Fragesteller zu:

«Sie sprechen mir aus dem Herzen, man trifft dort keine Leute an. Ich träume von einer Piazza wie in Italien.»

Ob diese tatsächlich im Zentrum oder anderswo liegen solle, wisse er aber noch nicht. Näf dämpfte die Erwartungen an eine Veränderung im Zentrum:

«Dass die Leute im Freien zusammensitzen, nimmt ab. Auch in anderen Gemeinden, mit schöneren Plätzen.»

Allerdings könne man das Zentrum zeitweise mit Anlässen bespielen, etwa mit einem Gemeindejubiläum. Und Oliver Gröble betonte, dass es wichtig sei, dass öffentliche Räume nicht nur funktional gestaltet seien, sondern dass man sich dort auch wohlfühlen könne. Er wolle neue Begegnungsorte schaffen. «Diese müssen nicht zwingend im Zentrum liegen, sie können auch dezentral sein.

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