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Graffiti an der Offenen Kirche: Nach Funkstille tut sich etwas –«Versprechungen zu machen und danach einfach zu schweigen, geht nicht»

Anfang April hiess es, das Graffiti an der Offenen Kirche müsse verschwinden. Der Entscheid löste heftige Diskussionen aus, schliesslich signalisierten Stadt und Kanton Gesprächsbereitschaft. Doch dann passierte erst einmal nichts.
Marlen Hämmerli

So sah die Offene Kirche vor Juni 2016 aus. (Bild: Urs Bucher - 30. März 2014)

Noch prangt das Graffiti an der Fassade der Offenen Kirche. Doch wie lange noch, ist offen. Denn eigentlich hätte der Verein Wirkraum Kirche das Frauengesicht bis Ende Mai übermalen sollen: Die befristete Bewilligung für das Graffiti ist abgelaufen. Das Gesuch des Vereins, die Bewilligung in eine unbefristete umzuwandeln, ist Anfang April abgelehnt worden.

Ein Entscheid, der einigen Wirbel auslöste. Stadtblogger Marcel Baur startete gar eine Onlinepetition und sammelte gut 2600 Unterschriften. «Wirkraum Kirche» legte gegen den Entscheid Rekurs ein. Praktisch gleichzeitig signalisierten Kanton und Stadt dann doch noch Gesprächsbereitschaft. Die öffentliche Diskussion hätte dazu geführt, twitterte der Kanton.

Versprochene Gespräche finden erst auf Druck statt

Doch die Gespräche fanden nicht statt. «Ich habe vier Wochen gewartet und gedacht, die Gespräche würden laufen», sagt Marcel Baur. Dann habe er bei «Wirkraum Kirche» nachgefragt. «Dort hiess es, die Gespräche hätten nicht stattgefunden. Das hat mich dann ziemlich geärgert.»

Marcel Baur lancierte eine Onlinepetition zur Rettung des Graffiti. (Bild: PD)

Marcel Baur lancierte eine Onlinepetition zur Rettung des Graffiti. (Bild: PD)

Auf seinem Stadtblog wählte Baur klare Worte und titelte «Kanton mit leeren Versprechungen». Das Baudepartement verstecke sich hinter dem eingelegten Rekurs und schweige, statt das versprochene Gespräch zu suchen. «Diese Art von Kommunikation und das Stillschweigen kann und werde ich nicht akzeptieren», schrieb Baur.

«Versprechungen zu machen, damit ich und alle Mitstreiter Ruhe geben und danach einfach zu schweigen, geht nicht. So schnell werdet ihr mich nicht los!»

Nun haben die Gespräche doch noch stattgefunden. Vergangene Woche trafen sich die Verfahrensbeteiligten. «Ich vermute, am Ende hat es geklappt, weil ich auf allen Kanälen reklamiert habe», sagt Baur.

Gespräche werden ohne Zeitdruck geführt

Erstes Ergebnis der Gespräche: Der Rekurs wurde sistiert. «Das erlaubt es uns, die Gespräche ohne Zeitdruck weiterzuführen», sagt Roman Rieger, Vereinspräsident von «Wirkraum Kirche». Mehr ist nicht zu erfahren. Weder von der Stadt, dem Baudepartement noch der kantonalen Denkmalpflege. Es wurde Stillschweigen vereinbart. Wie lange die Gespräche dauern, ist laut Rieger offen.

Auch Marcel Baur weiss zwar nicht mehr, hat aber eine Lösung für den Streit ums Graffiti parat. «Die Verantwortlichen könnten ein Auge zudrücken, solange die Kirche noch steht.» Denn am 30. Juni stimmt das Volk über den Erweiterungsbau der Universität St.Gallen ab. Auch die Offene Kirche liegt im Planungsgebiet des neuen Campus auf dem Platztor. Die Zukunft des Gebäudes ist zwar noch offen, doch auch die Verantwortlichen von «Wirkraum Kirche» nehmen an, dass die Kirche – und damit das Frauengesicht – weichen muss. Nimmt das Stimmvolk die Vorlage an, sollen die Bauarbeiten 2024 starten.

Abbruch der Offenen Kirche steht nicht fest

Der Entscheid, das Graffiti nicht unbefristet zu bewilligen, hatte auch Unverständnis ausgelöst, weil die Kirche wahrscheinlich abgerissen wird. Doch noch hat die Abstimmung nicht stattgefunden, der Abbruch der Offenen Kirche steht nicht fest. Deshalb konnte der mögliche Abbruch beim Entscheid über die Bewilligung nicht berücksichtigt werden, wie der Kanton Mitte April mitteilte. Ob die Verfahrensbeteiligten nun den Ausgang der Abstimmung über den HSG-Campus abwarten, um dann einen pragmatischen Entscheid zu fällen? Auch diese Frage bleibt unbeantwortet.

Die kantonale Denkmalpflege hatte Mitte April den Entscheid gegen das Graffiti so begründet: Die Bemalung zeige «keinerlei Respekt gegenüber dem historischen Gebäude». Als temporäre Installation sei das Graffiti noch tragbar gewesen. Doch eine unbefristete Bewilligung komme nicht in Frage. Die Bemalung sei eine «Beeinträchtigung des Bildes im Grenzbereich der Altstadt» («Tagblatt» vom 8. April). Die Stadt, der die Liegenschaft gehört, stand dem Erhalt des Graffiti eigentlich nicht im Weg. Doch sowohl die kantonale wie auch die städtische Denkmalpflege beurteilten das Gesuch negativ.

Gerade die Zustimmung der kantonalen Denkmalpflege wäre nötig gewesen. Zwar steht die Offene Kirche seit 2012 nicht mehr unter Denkmalschutz. Doch gemäss Kanton gehört sie zu einem Gebiet, das im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung verzeichnet ist. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Altstadt gälten erhöhte Anforderungen. Denen werde das Graffiti nicht gerecht.

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