3-Millionen-Renovation: Die Kirche St. Ulrich in Wittenbach soll in neuem Glanz erstrahlen

Die Kirche St.Ulrich wird für über drei Millionen Franken renoviert – sofern die Kirchbürger ihren Segen geben.

Michel Burtscher
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Die Kirche St.Ulrich in Wittenbach wurde letztmals zwischen 1969 und 1972 renoviert. Im Hintergrund ist die Johannes-Nepomuk-Kapelle zu sehen.

Die Kirche St.Ulrich in Wittenbach wurde letztmals zwischen 1969 und 1972 renoviert. Im Hintergrund ist die Johannes-Nepomuk-Kapelle zu sehen.

Bild: Nik Roth (25. Februar 2020)

Der Zahn der Zeit nagt an der Kirche St.Ulrich in Wittenbach. Die Wände sind verschmutzt, im Verputz hat es Risse. Bei den Fenstern sind Ablagerungen zwischen den Scheiben zu sehen. Zudem entsprechen die Elektroinstallationen und die Heizung nicht mehr den heutigen Vorschriften. Auf den ersten Blick mache das Kirchenschiff des katholischen Gotteshauses zwar einen guten Eindruck, bei näherer Betrachtung zeige sich aber das Alter des Gebäudes, heisst es in einem Gutachten der Kirchenverwaltung. Erbaut wurde die Kirche im 17.Jahrhundert, die letzte grosse Renovation 1972 abgeschlossen.

Walter Keller, der Präsident des Kirchenverwaltungsrates, fasst es so zusammen:

«Der Zustand des Gebäudes ist nach 50Jahren so, dass man etwas machen muss.»

Die Kirche auf dem Hügel soll darum innen wie aussen umfassend saniert werden – und die Johannes-Nepomuk-Kapelle nebenan gleich mit. Für das heutige, aktive Kirchenleben sei eine Erneuerung dringend nötig, so Keller. Ziel sei, heisst es im Gutachten, das unter Schutz stehende Gebäude mit «grösster Sorgfalt, der Würde des Kirchenraumes entsprechend und nach denkmalpflegerischen Grundsätzen zu sanieren und so den nachfolgenden Generationen zu erhalten».

Neue Bodenheizung mit Fernwärme

«Für unsere Kirchgemeinde ist das ein grosses Projekt», sagt Keller. So werden unter anderem die Innen- und Aussenwände gereinigt und neu gestrichen sowie alle Elektroinstallationen erneuert. Die heutige Elektroheizung will der Kirchenverwaltungsrat durch eine Bodenheizung mit Fernwärmeanschluss ersetzen. Die Kirchbänke sollen aufgefrischt, deren Zahl gleichzeitig reduziert werden.

Der Liturgiebereich wird neu gestaltet, der Altar dafür verschoben und näher an die Gläubigen herangerückt. Mit raumgestalterischen Massnahmen solle bei weniger gut besuchten Gottesdiensten «das Gefühl einer zusammengehörenden Gemeinschaft vermittelt» werden, heisst es dazu im Gutachten. «An einigen Orten wie dem Dach wird man erst während der Bauarbeiten erkennen, ob noch etwas gemacht werden muss», sagt Keller.

Über die Heizung wird separat abgestimmt

Das alles ist nicht gerade günstig: Die voraussichtlichen Baukosten für das Projekt betragen 2,98 Millionen Franken. 1,7 Millionen Franken übernimmt der katholische Konfessionsteil des Kantons St.Gallen, 100000 Franken kommen aus dem Reservefonds der Kirchgemeinde. Auch von der kantonalen Denkmalpflege erwarten die Verantwortlichen einen Beitrag. Noch sei aber unklar, wie hoch dieser sein werde, sagt Keller.

Die restlichen Kosten sollen durch die Erhebung einer Bausteuer von einem Prozent innert 20 Jahren amortisiert werden. Nicht in diesen Baukosten enthalten sind die 590000 Franken für den Ersatz der Heizung. Darüber müssen die Kirchbürger separat abstimmen. Insgesamt geht es also um einen Betrag von fast 3,6 Millionen Franken.

Positive Rückmeldungen von Kirchbürgern

Am vergangenen Sonntag hat die Kirchverwaltung einen Informationsanlass zum Projekt durchgeführt. Die Rückmeldungen seien durchwegs positiv gewesen, sagt Keller.

«Es ist allen klar, dass etwas getan werden muss.»

Definitiv entschieden wird an der Kirchbürgerversammlung am 25. März. Stimmen die Kirchbürger den Anträgen zu, könnten die Bauarbeiten gemäss Keller Anfang 2021 starten. Ziel sei es, die renovierte Kirche beim Ulrichsfest Mitte des Jahres 2022 wieder einzuweihen.

Die Kirche auf dem Hügel wurde vor 344 Jahren erbaut

Die Kirche St. Ulrich wurde 1675/76 nach Plänen von Pater Maurus Heidelberger vom Kloster St. Gallen gebaut. Die Bevölkerung von Wittenbach sei dabei zu umfangreichen Fronarbeiten herangezogen worden, heisst es in einer Geschichte der Kirche. Die Steine für den Bau wurden unter anderem von der Sitter heraufgeschleppt. Nach 1,5 Jahren Bauzeit konnte die neue Kirche auf dem Ulrichsberg von Abt Gallus Alt eingesegnet werden. Seither wurde das Gebäude mehrmals renoviert, letztmals zwischen 1969 und 1972. Unter Mitwirkung der eidgenössischen und kantonalen Denkmalpflege wurde damals die Situation von 1812/13 wieder hergestellt. Auch der Kirchturm wurde um zwei Meter erhöht. (mbu)