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Diese Wittenbacherin bringt den Gottesdienst in die Stube

Einmal im Monat besucht Margrit Hug die Wittenbacherin Klara Hug, um ihr die Hauskommunion zu bringen. Nebst dem gemeinsamen Beten und Singen sind vor allem die Gespräche wichtig.
Perrine Woodtli
Margrit Hug (links) besucht Klara Hug jeweils in deren Zuhause. Vor jedem Gottesdienst wird eine Kerze angezündet. (Bild: Benjamin Manser)

Margrit Hug (links) besucht Klara Hug jeweils in deren Zuhause. Vor jedem Gottesdienst wird eine Kerze angezündet. (Bild: Benjamin Manser)

Klara Hug sitzt am Tisch, ihre Augen sind auf die Fotos vor ihr gerichtet. Die Antoniusstatue dahinter wird von der Flamme der Kerze erleuchtet. In der Wohnung ist es still, nur das goldene Pendel der Wanduhr schwingt geräuschvoll hin und her. Margrit Hug setzt sich neben sie. «Lass uns mit der Feier beginnen, Klärli.» Beide Frauen falten ihre Hände im Schoss und schliessen die Augen. «Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.»

Es ist jener Tag im Monat, an dem Klara Hug Besuch erhält. Besuch von Margrit Hug, die mit ihr betet, mit ihr singt, aber auch über Alltägliches redet. Sie ist eine der Freiwilligen der Hauskommuniongruppe, die betagten oder kranken Gläubigen die Haus- oder Krankenkommunion bringt (siehe Kasten). Diese richtet sich an jene, die es selbst nicht mehr in die Kirche schaffen. So auch Klara Hug. Die 85-Jährige lebt alleine, seit ihr Mann gestorben ist. Sie spürt das Alter, ihre Beine haben nicht mehr dieselbe Kraft wie früher. Der Herzschrittmacher müsse «immer mehr arbeiten», wie sie sagt.

Eine Gruppe Freiwilliger

Die Haus- oder Krankenkommunion hat im katholischen Raum eine lange Tradition. In Wittenbach brachten lange nur die hauptamtlichen Seelsorger die Kommunion vorbei. Vor rund fünf Jahren wurde die Hauskommuniongruppe gegründet. Nebst den zwei Seelsorgern besteht diese aktuell aus sechs Freiwilligen aus Wittenbach. Diese besuchen Einzelpersonen, aber auch Gruppen im Altersheim.

Seit drei Jahren bringt Margrit Hug ihrer Namensvetterin den Gottesdienst in die Stube. «Für Klärli ist der Besuch auch wegen der Gemeinschaft wichtig», sagt sie. «Klar geht es in erster Linie um die Kommunion. Aber das Plaudern zählt eben auch.»

Beten für die Familie

Wenn Margrit Hug Klara Hug besucht, kehrt innert Sekunden Leben in die sonst ruhige Wohnung ein. Die 75-Jährige ist eine lebhafte Frau. Klara Hug spricht mit leiser Stimme und hört lieber zu. Wie immer fragt Margrit Hug als erstes, für wen sie beten sollen. Heute will Klara Hug für ihren Schwiegersohn beten, der an beiden Beinen operiert wurde. «Ich hoffe, dass die Schmerzen nachlassen und er wieder arbeiten kann.»

Die Familie bedeutet der Wittenbacherin viel. Zahlreiche Bilder ihrer Kinder, Enkel und Urenkel schmücken die Wohnung. Die beiden Frauen beten gemeinsam für den Schwiegersohn und bitten um den Segen für Klara Hug und ihre Familie, aber auch um Frieden in der Welt.

«Christus erbarme dich.»

Margrit Hug singt Lieder und liest das Evangelium vom nächsten Sonntag vor. Immer wieder hält sie inne, um das Wort Gottes mit dem persönlichen Leben zu verbinden. Sie greift zum goldenen Kästchen, das vor ihr auf dem weissen Spitzentuch liegt, nimmt eine Hostie heraus und reicht sie Klara Hug. Nach einem weiteren Lied legen sie sich die Hostien in den Mund, schliessen die Augen und verharren ein paar Minuten in sich. Stille. Nur das Pendel der Wanduhr schwingt unermüdlich im Hintergrund.

Mit dem Vaterunser endet die Kommunionfeier nach einer halben Stunde. «Amen.» Margrit Hug fragt, welches Lied sie noch singen sollen – obwohl sie die Antwort kennt. «Ich weiss doch, welches dein liebstes ist.» Klara Hug lächelt: «Maria, breit den Mantel aus.»

Nur Wenige nutzen die Hauskommunion

Im Anschluss erzählt Margrit Hug von ihrem Mann, der erneut gestürzt ist und was sie im Dorf so gehört hat. Die beiden lachen auch viel. Aufmerksam hört Klara Hug zu. Sie geniesst die Zeit sichtlich. Sie erzählt von ihren Enkeln und von ihren Sorgen. «Ich habe Angst, dass mir etwas zustösst und ich für die Familie noch nicht alles geregelt habe», sagt sie. «Das macht mir Bauchweh.» Margrit Hug redet ihr gut zu und macht ihr Mut.

Die Wittenbacherin ist seit Beginn bei der Hauskommuniongruppe dabei. Nachdem sie 2014 nach neun Jahren das Amt der Präsidentin der katholischen Frauengemeinschaft abgegeben hat, brauchte sie etwas Neues. Klara Hug ist zurzeit die einzige Person, die sie regelmässig besucht. Nur vereinzelt bringt Margrit Hug die Kommunion auch anderen. «Einfach jenen, die sie brauchen.» Die Gruppe hätte genügend Leute, um mehr Menschen zu besuchen und die heilige Kommunion zu bringen.

«Leider nutzen nicht viele das Angebot. Viele getrauen sich vielleicht nicht.»

Die Feiern seien von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. «Bei manchen entsteht ein richtiger Austausch», so Margrit Hug. «Andere wiederum sind wegen ihres gesundheitlichen Zustands kaum ansprechbar.» So oder so sei es immer ein schönes Erlebnis, wenn sie den Leuten Kraft geben könne. «Mit der Hauskommunion bleibt die Verbindung zur Pfarrei bestehen», sagt Margrit Hug. Sie hält das Kästchen mit den Hostien in der Hand. «Es ist wirklich schön, dass es diesen Dienst gibt.» Klara Hug nickt: «Es tut jedes Mal gut.»

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