Gossauer Kirchgemeinden möchten mit modernen Gottesdiensten Junge anlocken

In der Kirche sollen aktuelle Themen und moderen Musik zu hören sein.

Timon Reich
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In der Kirche Haldenbüel soll künftig moderne Musik zu hören sein.

In der Kirche Haldenbüel soll künftig moderne Musik zu hören sein.

Urs Bucher

Immer häufiger müssen Pfarrerinnen und Pfarrer einer nicht zu ignorierenden Tatsache ins Auge blicken: Ein Gottesdienst, egal wie gut vorbereitet, füllt keine Kirche mehr. Die Zeiten, als die Kirchenbänke am Sonntag noch bis auf den letzten Platz besetzt waren, sind vorbei.

Damit will man sich allerdings nicht abfinden. Sowohl von evangelischer als auch von katholischer Seite gibt es Anstrengungen, wieder mehr Gottesdienstbesucher in die Kirchen zu locken.

Jedem sein Gottesdienst

Auch in Gossau lässt sich dies beobachten. Morgen Samstag um 17 Uhr findet beispielsweise das erste Mal ein Zusatzgottesdienst in der evangelischen Kirche Haldenbüel statt. Dieser ist mit moderner Musik aufbereitet und behandelt ein aktuelles Thema.

Herbert Weber

Herbert Weber

PD

«Mit dem Extra-Gottesdienst wollen wir die feiernde Gemeinde reaktivieren und vor allem jüngere Menschen ansprechen», erklärt Herbert Weber, Vorsteher der Evangelischen Kirchgemeinde Gossau-Arnegg.

Nebst dem Zusatzangebot, das vier Mal jährlich stattfindet, wird auch der reguläre Gottesdienst leicht verändert: «Ab nächstem Jahr wird jeder Gottesdienst in der Kirche Haldenbüel ‹gelabelt›», sagt Pfarrer Christian Bernhard-Bergmaier.

Pfarrerehepaar Tina und Christian Bernhard.-Bergmaier

Pfarrerehepaar Tina und Christian Bernhard.-Bergmaier 

Lisa Jenny

Die Kirchengänger sollen im Voraus wissen, was sie erwartet. So werde zum Beispiel über aktuelle kulturelle Themen gesprochen. Die gewohnten Gottesdienste, bei denen die Predigt im Zentrum steht, wird es aber weiterhin geben, erzählt Bernhard. Unter dem Label «Einfach ruhig» würden so auch traditionelle Kirchengänger bedient.

Sonntäglicher Frust für die Pfarrer

Es sei für einen Pfarrer enttäuschend, wenn nach langer Vorbereitungszeit nur wenige am Gottesdienst teilnehmen, sagt Herbert Weber. Es ist darum auch nicht das erste Mal, dass eine Evangelische Kirchgemeinde einen solchen Schritt wagt.

Man denke da zum Beispiel an das Experiment der Kirchgemeinde Straubenzell in St.Gallen, die im Mai während eines Monats die Predigt durch Alternativen ersetzt hat. Wie sich dort allerdings auch zeigte, führten Impro-Theater und Workshops im Gottesdienst nicht zu mehr Besuchern.

Um die Bankreihen zu füllen, glaubt Weber trotz allem, dass die Kirche in die Offensive gehen müsse:

«Wir brauchen wieder mehr Gesellschaftsrelevanz.»

Das Bild der leerer werdenden Kirchenbänke zeigt sich sonntags genauso bei der Katholischen Kirche. Auch diese sieht jedoch nicht tatenlos zu. Beispielsweise lancierte man im Bistum St. Gallen vor dreieinhalb Jahren eine Imagekampagne. Man wollte anhand von Botschaftern mit unterschiedlichen Vorgeschichten zeigen, dass die Katholische Kirche in vielerlei Bereichen tätig sei.

Anita Rezzonico

Anita Rezzonico

PD

Auch auf regionaler Ebene findet man Beispiele dieser Bemühungen. So gibt es in Gossau den Versuch eines moderner gestalteten Gottesdienstes: «Mitte November haben wir erstmals den Familiengottesdienst ‹Kurz und Knackig› durchgeführt», sagt Anita Rezzonico, Seelsorgerin der Katholischen Kirchgemeinde.

«KuK», wie die etwa 30-minütige Eucharistiefeier abgekürzt heisst, richte sich besonders an Familien und solche, die familienfreundlich sind. Wie der Name sagt, wolle man hierbei etwas Kurzes und Knackiges mit einem Bezug zum Aktuellen machen, dass auch kleine Kinder anspreche, erklärt Rezzonico.

Ähnlich wie bei der Evangelischen Kirche findet KuK vier Mal pro Jahr statt. Unterschiedlich aber ist, dass es den Gottesdienst effektiv ersetzt. Kirchengänger, die nicht am Familiengottesdienst teilnehmen möchten, könnten jedoch auf andere Gottesdienste der Andreas- und Pauluskirche ausweichen.

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