Gossauer Hexen erleben ein Fasnachtsmärchen

Die Häxezunft erfreut sich an zahlreichen neuen Mitgliedern. Zurzeit macht sie wieder Beizen unsicher.

Fabio Fornito
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Die Masken der Hexen sind handgeschnitzt.

Die Masken der Hexen sind handgeschnitzt.

Bild: Fabio Fornito

Die Fasnacht steckt in einer Krise. Immer mehr Guggenmusiken und Fasnachtsvereine lösen sich auf, immer weniger Jugendliche und Kinder lassen sich vom bunten Treiben beeindrucken und mitreissen. Und so schwindet eine langjährige Tradition langsam dahin.

Dabei kann es auch anders gehen. Dies beweist die Gossauer Häxezunft: Vor fünf Jahren wiedergegründet, hat sie heute über 50 Mitglieder  – Tendenz weiterhin steigend. Ausserdem kommt die Zunft in neuem Glanz daher: Die Hexenkleider wurden an Zusammenkünften selbst genäht, die Holzfratzen hat man einem Maskenschnitzer abgekauft.

Gründungsmitglied Marcel Eisenring wurde in eine Fasnachtsfamilie hineingeboren. Schon im Alter von zwei Jahren nahm er an den ersten Umzügen der Häxezunft teil. Als die Mitgliederzahlen dann nach und nach abnahmen und die Gossauer Häxezunft aufgelöst wurde, merkte der Servicetechniker bald, dass ihm etwas fehlt. So sehr, dass er sich dazu entschloss, die Hexenzunft zusammen mit einigen Freunden wiederzugründen.

Mitgliedersuche auf Facebook und Co.

Den Erfolg seit dem Neustart erklärt sich Eisenring mit der hohen Aktivität seiner Hexenzunft: «Wir nehmen an acht Ostschweizer Umzügen im Jahr teil und sind auch auf Facebook sehr aktiv.» Vor allem der Aspekt Social Media werde in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Denn was der Gruppe zurzeit noch fehlt, sind jugendliche Mitglieder. Und um diese zu erreichen, müsse man dort präsent sein, wo auch diese aktiv seien. Im Moment erreicht die Hexengruppe noch hauptsächlich eine andere Zielgruppe: «Die meisten unserer neuen Mitglieder sind Familien», sagt Eisenring. Dies habe den Vorteil, dass oft gleich mehrere Personen gleichzeitig beitreten.

Ziel müsse es nun sein, vor allem die Kinder dieser Familien langfristig zu binden. So, dass die Hexenzunft auch in zehn oder 20 Jahren noch genügend Mitglieder hat.

Einen Vorteil der Häxezunft sieht er im geringen Aufwand – vor allem im Vergleich zum fasnächtlichen Problemkind, der Guggenmusik. Eisenring:

«Wir haben keine Proben, das ist bei den Guggen anders. Das kann sich dort auch schnell mal zu einem Teufelskreis entwickeln.»

Je grösser der Aufwand, desto weniger Personen treten einer Gruppe bei, was wiederum dazu führe, dass die übrigen Mitglieder noch mehr Zeit investieren müssten. Mitglieder der Häxezunft könnten es sich erlauben, einzelne Umzüge auszulassen – bei 50 Hexen herrsche kein Teilnehmermangel.

Reise nach Strasbourg als Belohnung

Trotzdem spürt auch Eisenring, dass die Fasnachtslust in der Schweiz abnimmt. Während er früher in Gossau von Beiz zu Beiz ziehen konnte, beginnen die Beizentouren heute in Abtwil oder Engelburg. In vielen Gaststätten seien Fasnächtler keine gern gesehenen Gäste mehr.

«Vereinzelt hatten wir auch schon mit aggressiven Personen zu tun.»

Unterkriegen lassen sich Eisenring und die Hexenzunft aber nicht. Sie werden weiterhin Umzüge und Beizen besuchen, Besen basteln und Kleider nähen. Am 1. März nimmt die Häxezunft an einem Umzug im französischen Strasbourg teil – eine Belohnung für die letzten Jahre.