Die Gossauer sind fleissige Zeitungsleser

Eine Umfrage zeigt, dass die Gossauerinnen und Gossauer Printmedien bevorzugen. Eine Mehrheit wünscht sich auch die städtischen Informationen weiterhin in gedruckter Form. Das setzt die Stadt unter Zugzwang.

Perrine Woodtli
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Printmedien spielen in Gossau eine wichtige Rolle. Das «St. Galler Tagblatt» und die «Gossauer Nachrichten» werden von den Befragten regelmässig gelesen. Die «Gossauer Wochenzeitung» (GoZ) wurde im Juni nach rund 30 Jahren eingestellt. (Bild: Urs Bucher)

Printmedien spielen in Gossau eine wichtige Rolle. Das «St. Galler Tagblatt» und die «Gossauer Nachrichten» werden von den Befragten regelmässig gelesen. Die «Gossauer Wochenzeitung» (GoZ) wurde im Juni nach rund 30 Jahren eingestellt. (Bild: Urs Bucher)

Wo informieren sich die Gossauer über das lokale Tagesgeschehen und wie nutzen sie die städtischen Medien? Um Antworten auf diese und weitere Fragen zu erhalten, hat die Stadt eine Bevölkerungsbefragung durchgeführt. Mehrere hundert Personen, zufällig ausgewählt, erhielten im Frühling eine Einladung zu einer Onlinebefragung. 511 Fragebögen wurden ausgefüllt. Nun liegt die Auswertung der Kommunikationsbefragung vor.

Diese zeigt unter anderem, dass Printmedien der wichtigste Kanal für lokale Themen sind. Über 85 Prozent der Umfrageteilnehmer beziehen ihre Informationen zu Gossau immer oder häufig aus dem «St. Galler Tagblatt». Rund zwei Drittel sind zufrieden mit der Häufigkeit der Medienberichterstattung über Gossau. Auch die «Gossauer Nachrichten» und die «Gossauer Wochenzeitung» (GoZ) sind für vier Fünftel wichtige Kanäle. Die GoZ wurde Ende Juni eingestellt – zum Zeitpunkt der Befragung gab es das Wochenblatt noch.

Amtliche Publikationen haben hohen Stellenwert

Die GoZ war gleichzeitig auch das offizielle Publikationsorgan der Stadt. Derzeit werden die gesetzlich vorgeschriebenen Inserate in den «Gossauer Nachrichten» publiziert. Bis Ende Jahr soll geklärt sein, wie das neue Kommunikationskonzept aussehen soll. «Wir werden voraussichtlich die amtlichen Publikationen rechtsverbindlich online publizieren, gewisse aber auch zusätzlich in gedruckten Kanälen verbreiten», sagt Urs Salzmann, Kommunikationsbeauftragte der Stadt. Mit dem kantonalen Publikationsgesetz ist es ab Sommer 2019 möglich, amtliche Publikationen ausschliesslich im Internet zu veröffentlichen. Damit wären aber wohl nicht alle zufrieden.

Viele wünschen sich ein amtliches Publikationsorgan in gedruckter Form. Knapp 60 Prozent der Befragten sehen den Informationsauftrag von Behörden und Verwaltung nicht erfüllt, sollte diese bloss online publizieren. «Überrascht hat uns dabei vor allem, dass auch 39 Prozent der 19- bis 28-Jährigen dieser Meinung sind», sagt Salzmann. Positiv überrascht habe ihn der hohe Stellenwert der amtlichen Publikationen. Für eine grosse Mehrheit sind diese wichtig, nur sieben Prozent beachten die Publikationen nie.

«Wie uns die Umfrage zeigt, kommen wir wohl nicht darum herum, zumindest einen auserwählten Teil weiterhin im Print zu veröffentlichen.»

Es würden bald Gespräche stattfinden, die klären sollen, auf welches Leitmedium die Stadt Gossau bei amtlichen Publikationen künftig setzen will. «Print oder online – diese Frage stellen sich nicht nur Medienhäuser.»

Social Media ist derzeit kein Thema

Erfreulich und «eine schöne Bestätigung» sei, dass auch die Medien der Stadt oft genutzt sowie als verständlich und eher wichtig empfunden werden. Die Website wird von fast drei Vierteln nach Bedarf genutzt, der Newsletter etwas seltener. Facebook, Twitter und Co. sind in Gossau derzeit kein Thema. «Dafür braucht es Ressourcen. Diese wurden bislang nicht zur Verfügung gestellt», so Salzmann. «Und wenn Social Media, dann richtig. Eine Stadt kann es sich nicht leisten, einfach ein bisschen zu twittern.»

Allgemein fühlen sich die Befragten gut informiert. Besonders Themen mit einem starken Bezug zum Alltag, wie etwa Kehricht und Freizeit, werden als gut bewertet. Zu politischen Themen, etwa zum Stadtparlament, sowie verwaltungsinternen Themen fühlen die Gossauer weniger gut informiert. Die städtische Kommunikation empfinden 41 Prozent der Teilnehmer als offen.

Mit dem Befragungsergebnis könne man insgesamt zufrieden sein, sagt Urs Salzmann. «Ein Ziel war es, dass unsere Medienarbeit verständlich ist. Das haben wir erreicht.» Bei der Wahrnehmung und Offenheit der städtischen Kommunikation sei man noch nicht ganz dort, wo man gerne wäre. «Aber wir befinden uns sicher nicht auf einem schlechten Weg.»