GOSSAU: Spürnasen auf Spurensuche

Wird eine Person vermisst, kommen Spürhunde zum Einsatz. Das haben gestern Teams des Polizeihundeführervereins trainiert – und sich auf die Suche nach verschwundenen Senioren aus dem Altersheim Abendruh gemacht.

Nina Rudnicki
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30 Minuten braucht Hund Lupo, um Peter Rohner zur vermissten Person zu führen. Beobachtet werden sie dabei von Marco Casutt (hinten). (Bild: Urs Bucher)

30 Minuten braucht Hund Lupo, um Peter Rohner zur vermissten Person zu führen. Beobachtet werden sie dabei von Marco Casutt (hinten). (Bild: Urs Bucher)

GOSSAU. Vor einem Imbiss in Gossau hält Peter Rohner, Chef des Diensthundewesens der Kantonspolizei St. Gallen, seinem Hund Lupo ein Wattestäbchen vor die Nase. Dann beugt er sich zum Drahthaar-Viszla hinunter und sagt ihm das Codewort ins Ohr. Lupo ist sofort konzentriert, läuft auf dem Trottoir hin und her und sucht nach der Fährte. Schon nach wenigen Sekunden hat er sie gefunden und beginnt an der sieben Meter langen Leine durch Gossau zu laufen. Das Wattestäbchen enthielt die Geruchsprobe einer Bewohnerin des Altersheims Abendruh. Seit dem Vortag wird sie vermisst. Das ist zumindest das Szenario, das diesen Donnerstag in Gossau wiederholt durchgespielt wird. Der Polizeihundeführer-Verein St. Gallen-Appenzell führt eine Übung zum Mantrailing durch, also der Suche nach vermissten Personen.

Jede Bewegung deuten

Nebst Lupo sind an diesem Tag sieben weitere Spürhunde im Einsatz. Vier von ihnen sind Junghunde in Ausbildung. Sie trainieren auf der Bundwiese. Lupo hingegen ist äusserst erfahren. Er ist der Hund mit den meisten Einsätzen in der Ostschweiz im vergangenen Jahr. 70mal war er 2015 im Einsatz, um vermisste Personen, Diebe oder Vandalen zu suchen. «Hundeführer zu sein, das ist eine Berufung», sagt Rohner. Sonst spricht er allerdings kaum. Er muss sich auf seinen Hund konzentrieren und jede Bewegung und Muskelanspannung deuten. Als Lupo an einer Kreuzung im Kreis läuft und den richtigen Weg sucht, sagt Rohner: «Jetzt sieht man, wie er nervös wird.» Doch wenige Sekunden später läuft der 9jährige Hund weiter. Man muss beinahe rennen, um ihm nachzukommen. Marco Casutt vom Polizeihundeführerverein, der die Übungen an diesem Tag organisiert hat, läuft einige Meter hinter Rohner und Lupo her. «Man darf nie vor dem Hund gehen. Das lenkt ihn ab», sagt Casutt. Auch er ist Profi im Mantrailing. Vor Rohner hat Casutt dieselbe Strecke mit seinem Viszla abgesucht. Nun erklärt er, wieso Such- und Spürhunde selbst bei Regen eine Fährte aufnehmen können. «Ein Mensch verliert pro Sekunde Tausende von Hautpartikeln», sagt er. Diese setzen sich in der Umgebung fest. Unter günstigen Umständen könne ein Hund eine solche Spur bis zu einer Woche aufnehmen. «Wenn man die Geruchszellen eines Hundes auslegen würde, deckten sie ein Fussballfeld ab», sagt Casutt. «Bei Menschen reicht es gerade einmal für wenige Zentimeter.» Dementsprechend dienen beim Hund zehn Prozent des Hirns dem Geruchsinn, beim Menschen ist es nur ein Prozent.

Drogen und Leichen

Gegründet wurde der Polizeihundeführer-Verein vor 105 Jahren. Mittlerweile hat er rund 240 Mitglieder sowie 45 Hundeteams und verzeichnet über 1000 Einsätze pro Jahr. Zweimal pro Monat werden Trainings wie jenes in Gossau durchgeführt. Die Hundeführer trainieren zusätzlich mindestens zweimal pro Woche. Im Verein gibt es unter anderem Hunde für das Mantrailing, Drogenhunde und Schutzhunde. «Und sucht man nach einer toten Person, sind speziell ausgebildete Spürhunde im Einsatz, die Leichengeruch erkennen», sagt Casutt.

Mittlerweile ist Lupo die 1,5 Kilometer lange Strecke abgelaufen. Knapp 30 Minuten hat er gebraucht, den Weg zum Altersheim zu finden. Dort wird der Hund immer nervöser. Der Geruch der Vermissten ist jetzt sehr intensiv. Problemlos findet er den Weg in den Lift. Im ersten Stock läuft er in den Aufenthaltsraum, in dem die Seniorin sitzt. Sobald Lupo sie erkannt hat, gibt es Wurstscheiben für ihn. «Diese Belohnung muss sein. Denn ein Hund macht nur mit, solange er Spass hat», sagt Rohner.

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