Ausflugsbeiz macht zu

Das gutbürgerliche Restaurant Tannenberg oberhalb von Waldkirch schliesst seine Türen. Grund dafür ist eine Erkrankung der langjährigen Wirtin Berta Bischofberger. Die Liegenschaft bleibt in Familienbesitz.

Alessia Pagani
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Nun haben Restaurantgäste und Bekannte die Gewissheit: Das beliebte Ausflugsrestaurant Tannenberg stellt seinen Betrieb ein. (Bild: Urs Bucher)

Nun haben Restaurantgäste und Bekannte die Gewissheit: Das beliebte Ausflugsrestaurant Tannenberg stellt seinen Betrieb ein. (Bild: Urs Bucher)

WALDKIRCH. «Wegen Krankheit bis auf weiteres geschlossen», steht mit grossen Lettern auf einem Schild vor dem Eingang des Restaurants Tannenberg. Vor vier Wochen wurden hier im Ausflugsrestaurant oberhalb von Waldkirch, Andwil und Engelburg die letzten Gäste bewirtet. Nun bleiben die Türen geschlossen. «Eine Ära geht zu Ende», sagt Lisbeth Hengartner, die Tochter der langjährigen Wirtin Berta Bischofberger.

Betrieb per sofort eingestellt

Bereits in zweiter Generation wurden im Restaurant Tannenberg gesellige Abende verbracht, Geburtstage gefeiert und Hochzeiten zelebriert. Wirtin Berta Bischofberger hat den Restaurationsbetrieb zusammen mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann vom Schwiegervater übernommen und ihn über Jahrzehnte geführt. Die drei gemeinsamen Kinder arbeiteten im Familienbetrieb mit. «Mein Bruder war mit der Mutter in der Küche, und ich half unserem Vater beim Servieren», sagt die Tochter. Berta Bischofberger führte den Betrieb nach dem Tod ihres Mannes vor mittlerweile fünf Jahren mit der Unterstützung ihrer Tochter bis im Dezember vergangenen Jahres weiter. «Das Restaurant war ihr Leben. Meine Eltern haben mit nichts angefangen und immer nur gearbeitet», sagt die Tochter.

Im Mai wäre die Inhaberin Berta Bischofberger in ihre mittlerweile 49. Saison gestartet. Dazu wird es nicht mehr kommen. Nach langer und reiflicher Überlegung haben sich die Familie Bischofberger und die Tochter nun entschlossen, das Restaurant per sofort zu schliessen. Grund dafür ist die Erkrankung der mittlerweile 70jährigen Wirtin Berta Bischofberger. Die Liegenschaft bleibt weiterhin im Familienbesitz. Über die zukünftige Nutzung des Elternhauses kann die Tochter zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage machen.

Durchmischte Kundschaft

Im Restaurant Tannenberg waren laut Hengartner immer viele Gäste anwesend. «Wir boten eine gute und günstige Küche an». Ein Menu kostete noch bis zum Schluss nur 15 Franken, das halbe Menu Fr. 12.50. Die Gäste des Restaurants Tannenberg kamen aus allen Gesellschaftsschichten, man traf Direktoren genauso wie Pensionäre und Doktoren an. Das liegt sicherlich auch an der guten Erreichbarkeit des Ausflugsrestaurants. Von Gossau und St. Gallen ist der Tannenberg mit dem Auto in nur zehn Minuten erreichbar. Viele Gäste seien aber auch für die Erholung an dieses abgelegene Ausflugsziel gereist. Eine schöne Aussicht und Ruhe kann man auf dem Tannenberg allemal finden. Dazu trägt sicherlich bei, dass auf dem Tannenberg der Handyempfang sehr schlecht ist. «Das haben unsere Gäste geschätzt.»

Ein Geben und Nehmen

Das Restaurant lebte hauptsächlich von einer grossen und treuen Stammkundschaft und von Mundpropaganda. Das Miteinander war gemütlich. «Wir hatten im Restaurant keine Gäste, sondern eine grosse Familie», spitzt Hengartner zu. Die Gäste haben über die Jahre hinweg bei Problemen immer tatkräftig angepackt und der Wirtefamilie mit Rat und Tat beiseite gestanden. «Bei uns ist es selbstverständlich, dass man einander hilft. Es ist ein Geben und Nehmen. Und die Gäste freut das.» Aber auch Auswärtige machten immer wieder halt beim Ausflugsrestaurant. Wie beispielsweise eine Frau aus Walenstadtberg, die kürzlich telefonisch nachgefragt habe, ob es stimme, dass das Restaurant geschlossen sei und dann ganz enttäuscht gewesen sei. «Wir sind unseren langjährigen Gästen schuldig, dass wir die Schliessung kommunizieren, schliesslich sind wir ihnen sehr dankbar für ihre Treue», sagt die Tochter.

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