Zwischen High Heels und Discofox

GOSSAU. Die Gossauerin Cornelia Plüss lebt fürs Tanzen. Wenn sie nicht gerade an einer Meisterschaft teilnimmt, näht sie Turnierkleider, gibt Tanzkurse und bringt Menschen bei, sich gesund zu bewegen. Etwa auf High Heels.

Nina Rudnicki
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In einem Kurs von Cornelia Plüss lernen die Teilnehmerinnen das korrekte Laufen auf hohen Schuhen. (Bild: Ralph Ribi)

In einem Kurs von Cornelia Plüss lernen die Teilnehmerinnen das korrekte Laufen auf hohen Schuhen. (Bild: Ralph Ribi)

GOSSAU. Wer das Lokal von Cornelia Plüss an der Bischofszellerstrasse in Gossau betritt, steht zwischen Tanzkleidern in allen Farben, High Heels, Spiegeln und einem Skelett. Auch Cornelia Plüss sieht nicht weniger bunt aus in dem schwarzen Minirock, dem knalligem Oberteil und mit ihrem Lachen. «Wie es einem langweilig werden kann, versteh ich nicht», sagt sie. «Es gibt so viele Dinge, die man in seinem Leben tun kann.» Sie selbst ist Tänzerin an der Weltspitze etwa im Discofox und nimmt regelmässig an Schweizer-, Europa- und Weltmeisterschaften teil. Die Kleider für die Turniere näht sie selbst, genauso wie Tauf- und Brautjungfernkleider. Manchmal übernimmt sie Stellvertretungen als Handarbeitslehrerin, und durch ihre Tanzschule ist sie auch Geschäftsführerin. Ausserdem gibt es neben dem Tanzraum und dem Atelier ein Massagezimmer für Spiraldynamik. Es handelt sich dabei um ein Bewegungskonzept, mit dessen Hilfe man lernen kann, sich koordiniert zu bewegen. Seit dem Frühjahr hat Cornelia Plüss das Advanced-Level, was bedeutet, dass sie von nun an all ihre verschiedenen Bewegungs- und Tanzkurse als Bestandteil der Spiraldynamik anbieten darf.

Wie bei Dirty Dancing

Alles, was sie macht, fasst Cornelia Plüss unter dem Begriff Körperwerkstatt zusammen. «Mir geht es darum, dass wir uns wieder bewusst werden, wie der Körper funktioniert und was er braucht. Gerade in der heutigen Zeit, in der wir meist nur noch sitzen», sagt sie, die selbst mit 14 Jahren mit dem Tanzen angefangen hat. Wegen des Films «Dirty Dancing», der damals gerade in den Kinos lief. «Ich habe mit ein paar Kollegen einen Tanzlehrer organisiert, und er hat uns die Choreographie aus dem Film beigebracht.» Hinzu kamen mehr und mehr Standardtänze, bis Cornelia Plüss 1992 mit 23 Jahren im Final im Discoswing in der Schweizer Meisterschaft stand. «Ich war ein Spätzünder», sagt sie beinahe entschuldigend. «Aber danach war ich im Discofox immer im Final.» In einem Regal hinter ihr stehen ein paar Pokale aus jener Zeit. Aktuell tanzt sie Latin und Standard-Turniertanz.

Nachdenken in Kalifornien

Cornelia Plüss' neuster Lieblingstanz ist der Westcoast-Swing, da man ihn zu jedem Musikstil tanzen könne. Kennengelernt hat sie den Tanz in den vergangenen zwei Jahren, in denen sie immer für einige Wochen in Kalifornien gelebt hat. «Ich brauchte eine Bedenkzeit von meinem Leben hier in Gossau und wusste auch nicht genau, wie es weitergehen soll», sagt sie. Damals wollte sie gerade ihre Schule Dancemove vergrössern. «Ich arbeitete nur noch, hatte keine Freizeit mehr und kam privat nicht mehr zum Tanzen. Als dann noch mein Vater starb, fragte ich mich, was ich wirklich möchte», sagt sie. «Ich machte mir Gedanken über mein Leben, und dafür brauchte ich Zeit nur für mich.»

In Kalifornien hatte sie zunächst keine Lust mehr zu tanzen. «Aber mein Cousin hat mich überredet und zu mir gesagt: Wenn du tanzt, siehst du wunderschön aus. Das musst du einfach tun.» Also liess sie sich überreden. Ihre neue Tanzgruppe in Kalifornien nannte sie Swiss Lady Coco, Coco von Cornelia. So war auch der Name und die Idee für ihr neues Label gefunden, unter dem sie heute in Gossau ihre Körperwerkstatt führt.

Spass statt Stress

Zu den gefragtesten Kursen von Cornelia Plüss gehört etwa der High-Heels-Kurs. Oder Privattanzkurse, in denen sie Paare auf ihren Hochzeitstanz vorbereitet. «Vor allem für die Männer bedeutet der Hochzeitstanz nämlich oft purer Stress», sagt sie. «Ich gebe ihnen Tips und bringe ihnen dann einfach bei, das Ganze locker zu sehen.» Eine Möglichkeit sei, dass man nicht den klassischen Walzer vorbereite, sondern eine Spasschoreographie einstudiere. Also beispielsweise, dass der Tanz als Walzer beginnt, aber dann plötzlich zu einem Song von Michael Jackson wechselt und das Brautpaar den Moonwalk macht. «Es geht um den Spass», sagt sie. Und weil den vor allem auch kleine Kinder haben, bietet Cornelia Plüss «Kinderhort»-Stunden an. Während einer Stunde tanzt sie dann zusammen mit dem Kind zu einer Playstation-Choreographie. «Denn Tanzen kennt kein Alter.»