Picasso im Affengehege

GOSSAU. Können Schimpansen malen? Dieser Frage geht der Künstler Benjamin Egger im Walter-Zoo nach. Beim Projekt ist vor allem Geduld gefragt. Bis zum ersten Pinselstrich dauerte es Monate.

Manuela Bruhin
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Benjamin Egger darf aus Sicherheitsgründen keinen direkten Kontakt zu den behaarten Künstlern haben. (Bilder: pd/Walter-Zoo)

Benjamin Egger darf aus Sicherheitsgründen keinen direkten Kontakt zu den behaarten Künstlern haben. (Bilder: pd/Walter-Zoo)

Die 55jährige Schimpansendame Blacky nimmt den Pinsel in die Hand, bemalt zuerst einige Stäbe ihres Geheges und bringt dann farbige Striche zu Papier. Was nun so einfach aussieht, setzte monatelanges Üben voraus. Die Schimpansen hätten zwar von Anfang an Interesse am Malprojekt gezeigt. «Bis der erste Strich zu Papier gebracht wurde, dauerte es aber vier Monate», erinnert sich der Künstler und Initiant des Projekts, Benjamin Egger. Trotzdem wollte er so schnell nicht aufgeben. «Ich habe mir gesagt, dass ich so lange weitermachen werde, bis kein Schimpanse mehr auftaucht.»

Für Auswertung noch zu früh

Von den 16 Tieren im Schimpansengehege des Walter-Zoos Gossau zeigen drei Interesse am Malen. Besonders Blacky freue sich stets auf Pinsel und Papier. Zu Beginn wurden den Schimpansen Wattestäbchen zur Verfügung gestellt, anschliessend durften sie mit richtigen Pinseln malen.

Seit rund acht Monaten kommt Benjamin Egger Woche für Woche in den Walter-Zoo. Um eine Entwicklung auszumachen, sei es zum jetzigen Zeitpunkt aber noch zu früh. Egger: «Bisher habe ich nur festgestellt, dass die Schimpansen meistens geschlossene Flächen malen.» Genaue formale Gründe konnte er bisher noch nicht erkennen. Die Primaten würden die Farben jeweils genau untersuchen. Auch die gemachten Spuren seien für sie interessant. «Überhaupt ist das Projekt für unsere Tiere eine Abwechslung im Alltag», sagt Stefan Specht, Marketingleiter des Walter-Zoos.

Bilder könnten verkauft werden

Das Bundesamt für Veterinärwesen hat das Projekt noch bis zum Jahr 2015 bewilligt. Solange will auch Benjamin Egger dranbleiben. Für ihn sei es jedes Mal ein intensives Erlebnis – auch wenn er aus Sicherheitsgründen keinen direkten Kontakt zu den Tieren hat. «Woche für Woche ist etwas anders. Das macht das Projekt so spannend.»

Was abschliessend mit den Zeichnungen passiert, darüber sind sich die Verantwortlichen noch nicht im Klaren. Eine Idee sei beispielsweise eine Vernissage, sagt Specht. «Die Bilder könnten beispielsweise zugunsten eines Projektes für unsere Tiere verkauft werden.»

Werk eines Schimpansen.

Werk eines Schimpansen.