Gossau wartet auf den Kanton: Deshalb geht es nicht vorwärts mit dem Bau des neuen Fussgänger- und Velowegs auf der Wilerstrasse

Bis der geplante Fussgänger- und Veloweg auf der Wilerstrasse gebaut wird, dürfte es noch eine Weile dauern.

Michel Burtscher
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Mehr Sicherheit für Fussgänger und Velofahrer: Auf der Wilerstrasse soll ein neuer Weg für sie entstehen.

Mehr Sicherheit für Fussgänger und Velofahrer: Auf der Wilerstrasse soll ein neuer Weg für sie entstehen.

Bild: Ralph Ribi (23. Oktober 2019)

Es geht einfach nicht vorwärts auf der Wilerstrasse – und daran ist nicht der Stau Schuld. Denn schon seit Jahren wird darüber gesprochen, zwischen Gröblikreisel und Eichen einen neuen Fussgänger- und Veloweg zu bauen. Die Pläne sind konkret: Anfang 2017 hat das Gossauer Stadtparlament einen Kredit von 1,4Millionen Franken für das Projekt gesprochen – und ist damit den Anträgen des Stadtrates und der Baukommission gefolgt. Den Rest der Gesamtkosten von knapp vier Millionen Franken übernimmt der Kanton St.Gallen. Dieser ist für das Projekt verantwortlich, weil es sich bei der Wilerstrasse um eine Kantonsstrasse handelt.

SP-Stadtparlamentarier Florian Kobler

SP-Stadtparlamentarier Florian Kobler

Hanspeter Schiess

Geschehen ist seither jedoch: nichts. Die Wilerstrasse sieht noch aus wie eh und je. Das ist auch Stadtparlamentarier Florian Kobler aufgefallen: «Seit diesem klaren Entscheid der Gossauer Legislative sind drei Jahre vergangen», schreibt der SP-Politiker in einer einfachen Anfrage, die er diese Woche eingereicht hat. Der Verkehr habe weiter zugenommen, das Projekt sei aber immer noch nicht realisiert worden. Kobler möchte vom Stadtrat erfahren, warum das so ist und wann es endlich vorwärtsgeht.

Die Autos haben künftig weniger Platz

Aber der Reihe nach: Das Projekt für den neuen Weg für Fussgänger und Velofahrer ist als Massnahme für den Langsamverkehr im Agglomerationsprogramm enthalten. Ziel ist, die Sicherheit auf der Wilerstrasse zu erhöhen. Denn im Westen der Stadt Gossau haben sich in den letzten Jahren einige Gewerbebetriebe «mit publikumsintensiver Nutzung» angesiedelt, wie es im Bericht des Stadtrates aus dem Jahr 2017 heisst. Oder anders ausgedrückt: Es sind Geschäfte entstanden, die viele Kunden anlocken. Dies habe zur Folge dass der Velo- und Fussgängerverkehr «deutlich zugenommen» habe und sich Massnahmen zur «Erhöhung der Sicherheit für die schwächeren Verkehrsteilnehmer» aufdrängten.

Geplant ist darum ein durchgehender Geh- und Veloweg. Entstehen soll er, indem das nordseitige Trottoir der Wilerstrasse verbreitert wird. Die Fahrbahn wird im Gegenzug teilweise verschmälert und auf dem Abschnitt Gröblikreisel bis Moosburgstrasse generell auf eine Breite von 6,5 Meter zurückgebaut. Das ist zwar schmal, liegt aber noch im gesetzlichen Bereich. Der Vorteil aus Sicht von Stadt und Kanton: Durch diese Massnahme kann der Landerwerb «deutlich reduziert» werden, wie es im Bericht des Stadtrates weiter heisst. Der neue Fussgänger- und Veloweg wird je nach Abschnitt zwischen 3 und 3,5 Meter breit.

Von 14 Einsprachen sind erst zwei erledigt

So kompliziert tönt das nicht. Warum dauert die Realisierung trotzdem so lange, immerhin geht es doch um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer? Nachfrage beim kantonalen Tiefbauamt. Daniel Anthenien, der Leiter des Rechtsdienstes, sagt: «Wir sind derzeit immer noch daran, die Einsprachen gegen das Bauprojekt zu bearbeiten.» Im Herbst 2017 wurden die Pläne öffentlich aufgelegt. Gemäss Anthenien sind damals 14 Einsprachen eingegangen. Mit zwei Einsprechern habe man sich inzwischen einigen können, diese hätten ihre Einsprachen zurückgezogen. Die restlichen Einsprachen sind noch offen. Anthenien betont:

«Das ist der normale Prozess, der manchmal länger dauern kann.»

Er fügt aber selbstkritisch an, dass er verstehe, wenn es Fragen gebe zum Stand des Projektes. Denn die Stadt habe vom Kanton schon länger nichts mehr gehört in dieser Sache. Das erklärt Anthenien mit der grossen Geschäftslast des Tiefbauamtes. «Wir haben zurzeit sehr viele Projekte, die wir bearbeiten müssen», sagt er. Damit nicht genug: Selbst wenn alle Einsprachen gegen das Bauprojekt an der Wilerstrasse erledigt sind, bedeutet das nicht, dass die Bauarbeiten beginnen. Betroffene können auch noch Einsprachen gegen die Entschädigungen für den Landerwerb einreichen. Denn mit dem Bauprojekt sind auch Enteignungen verbunden. Bis an der Wilerstrasse die Bagger auffahren, dürfte es also noch eine Weile dauern. Wie lange, kann Daniel Anthenien nicht sagen.

Florian Kobler will in seiner Anfrage auch wissen, was der Stadtrat unternimmt, damit der Kanton endlich vorwärts macht. Zudem interessiert den SP-Politiker, welche Lehren der Stadtrat aus der Angelegenheit zieht und wie in Zukunft verhindert werden kann, dass es zu «derart langen Verzögerungen bei so wichtigen, weil sicherheitsrelevanten Projekten» kommt.