Gossauer Stadtkern erhält ein neues Gesicht

Im Zentrum von Gossau ist eine Gewerbe- und Wohnüberbauung geplant. Es braucht einen Sondernutzungsplan.

Daniel Wirth
Merken
Drucken
Teilen
Im Haus links, das abgebrochen werden soll, befindet sich das Modegeschäft Zepra. (Bild: Urs Bucher)

Im Haus links, das abgebrochen werden soll, befindet sich das Modegeschäft Zepra. (Bild: Urs Bucher)

Das Stadtviertel zwischen St.Galler-, Bahnhof-, Kirch- und Säntisstrasse in Gossau befindet sich im Wandel - oder genauer gesagt: Es harrt des Wandels. An der Kirchstrasse 1 bis 5 entstand in den vergangenen Jahren eine moderne Gewerbe- und Wohnüberbauung - in dichter Bauweise, schnörkellos, modern.

Vis-à-vis, auf der anderen Seite der Kirchstrasse, befindet sich das Andreaszentrum, das schon vor geraumer Zeit durch die Sana FürstenlandAG von der katholischen Kirchgemeinde übernommen wurde mit der Absicht, auf dem Areal ein neues Alters- und Pflegeheim als Ersatz für die baufälligen Häuser Espel und Schwalbe zu bauen.

Aus dem Bau des Alters- und Pflegeheims wird vorläufig nichts, weil Alex K. Fürer als Anwohner Einsprache gegen das Projekt eingereicht hat; das Verfahren ist beim Kanton hängig. Für Fürer ist das geplante Alters- und Pflegeheim der Sana FürstenlandAG im Zentrum der Stadt nichts anderes als ein «Klotz», wie der Unternehmer dieser Zeitung sagte (Ausgabe vom 9.Juli 2019).

Eine Etage mehr als in der Kernzone vorgesehen sind

Übermorgen geht Alex K. Fürer an eine Informationsveranstaltung. Anwohnern wird der Sondernutzungsplan Bahnhofstrasse1/St.Gallerstrasse 70 vorgestellt. Um was geht es dabei? Um eine fünfgeschossige Gewerbe- und Wohnüberbauung auf den Parzellen 381 und 382. Fünf Geschosse – das ist eine Etage mehr als das Baureglement in der Gossauer Kernzone vorsieht. Alex K. Fürer will sich am Montag ein Bild von den Plänen machen, wie er auf Anfrage sagt. Aus Prinzip eine Einsprache machen gegen den Sondernutzungsplan – das habe er nicht im Sinn, sagt Alex K. Fürer.

Von den beiden Liegenschaften, die abgerissen und einem Neubau weichen sollen, gehört eine der Moreillon GastrotechnikAG in Ermatingen im Kanton Thurgau, die andere ist im Besitz einer Erbengemeinschaft mit vier Parteien. Wer dereinst als Bauherrschaft auftreten wird, ist ungewiss, wie Jean-Claude A. Moreillon auf Anfrage sagt. Darüber werde konkret diskutiert, sobald der Sondernutzungsplan genehmigt sei. Der Stadtrat hat ihn Mitte August erlassen. Bis Mitte September liegt das 29 Seiten umfassende Papier öffentlich auf. Das Amt für Raumentwicklung und Geoinformation (AREG) des Kantons St.Gallen hat den Sondernutzungsplan vorgeprüft und gemäss dem Büro Rietmann Raum- & Projektentwicklung, das den Planungsbericht verfasste, folgendermassen beurteilt: Das Projekt füge sich sehr gut in die bestehende städtebauliche Situation ein. Es sieht den Abbruch der beiden Häuser an der Ecke St.Galler-/Bahnhofstrasse vor. Mit einer parzellenübergreifenden Überbauung werde im Zentrum Gossaus baulich verdichtet, wie heisst es im Planungsbericht. Auf der Nordseite würden zur St.Gallerstrasse hin ein Schrägdach und ein Erker in Erscheinung treten. Damit würden prägende Fassadenelemente des gegenüberliegenden Hauses «Zur Stadt Paris» übernommen und eine optische Einfügung des Neubaus in das Ortsbild erreicht, heisst es.

Vorhaben: Das Zentrum der Stadt Gossau stärken

Im Erdgeschoss ist eine publikumsorientierte Gewerbenutzung vorgesehen. Nicht vorgesehen sind oberirdische Autoabstellplätze entlang der Bahnhofstrasse; der Neubau verfügt über eine Tiefgarage.

Mit dem bewussten Verzicht auf oberirdische Parkplätze an der Bahnhofstrasse soll die Sicherheit der Fussgänger und Velofahrer erhöht werden. Im Planungsbericht heisst es, das Projekt trage zur vorgesehenen Umgestaltung der Bahnhofstrasse zu einer Langsamverkehrsachse bei. So ist es im Konzept zur Entwicklung der Stadt Gossau vorgesehen.