Gossau soll das Gold-Label anstreben

Monika Gähwiler-Brändle (SP) will, dass der Gossauer Stadtrat ein
Umweltkonzept erstellt. Damit soll die Stadt auf die Klimaveränderung reagieren.

Perrine Woodtli
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Mit Solardächern wird die Strahlung der Sonne in nutzbare Energie statt nur in Wärme umgewandelt. (Bild: Benjamin Manser)

Mit Solardächern wird die Strahlung der Sonne in nutzbare Energie statt nur in Wärme umgewandelt. (Bild: Benjamin Manser)

Die Klimaerwärmung sei real und schreite weiter voran. Der vergangene trockene Hitzesommer und die immer häufigeren Extremwetterlagen zeigten es mehr als deutlich. Dies fordere die Gesellschaft heraus und rufe nach Massnahmen. Das schreibt Monika Gähwiler-Brändle in ihrer Motion, die sie diese Woche eingereicht hat.

Die SP-Stadtparlamentarierin und 13 Mitunterzeichner wollen, dass der Stadtrat bis Mitte 2020 für Gossau ein Umweltkonzept mit Massnahmenkatalog erstellt.

Verschiedene Städte und Dörfer würden der Klimaveränderung mit einem Umweltkonzept begegnen. Ein solches Konzept und daraus abgeleitete Massnahmen erachte man auch für Gossau als «sinnvoll, nötig und zielführend», heisst es im Vorstoss. Gefragt seien unter anderem griffige Massnahmen zur Verbesserung des Fuss- und Veloverkehrs, des öffentlichen Verkehrs, der Parkplatzbewirtschaftung, der Lärmbelastung und der E-Mobilität für Velos und Autos.

Helle Bodenbeläge und Solardächer

Gossau ist bereits Energiestadt. Nun sollte das Gold-Label angestrebt werden, findet Monika Gähwiler-Brändle. Im Rahmen des Umweltkonzeptes könnte das Label «Grünstadt Schweiz» ein erstrebenswertes Ziel sein. Basel, Winterthur und Luzern sind schon zertifiziert. Je nach Anzahl Kriterien, die erfüllt werden, kann auch bei diesem Label Bronze, Silber oder Gold erreicht werden. Zudem ist die Anzahl Kriterien abhängig von der Grösse der Stadt. Unterstützt wird «Grünstadt Schweiz» vom Bundesamt für Umwelt.

«Cool Roof»-Konzepte (Kühles-Dach-Konzepte) zur Gestaltung von Dächern, Fassaden, Baumpflanzungen, Bodenentsiegelung, helle Bodenbeläge, Bachoffenlegungen und weitere Massnahmen könnten einen wertvollen Beitrag leisten, um das Reflexionsvermögen der Stadt zu verbessern, schreibt die Motionärin. Jeder Quadratmeter Fläche, der die kurzwellige Strahlung der Sonne in nutzbare Energie statt nur in Wärme umwandle (Photosynthese, Solaranlagen) oder reflektiere (helle Farben, Solardächer), leiste einen positiven Beitrag.

Für Starkregenereignisse gelte: Jeder Quadratmeter, der Wasser speichern und an die Umgebung zurückgeben könne, sei ein Gewinn für die Abwasserinfrastruktur und das Stadtklima.

Auch der faire und nachhaltige Handel soll Teil des Umweltkonzeptes sein. Die Stadt Gossau hat sich im Frühling 2018 entschieden, Fair Trade Town zu werden. Fair Trade Town Plus ist eine Initiative, die der Gewerbeverein Gossau gestartet hat. Gewerbebetriebe, die dabei mitmachen, sollen einerseits mindestens drei Fair Trade Produkte verwenden, andererseits auch innerbetrieblich nachhaltig handeln und beim Einkauf regionale Produkte bevorzugen.

Von St.Galler Umweltkonzept profitieren

Auch die Stadt St. Gallen erarbeitet zurzeit ein Umweltkonzept und beabsichtigt, dieses bis Mitte dieses Jahres abzuschliessen und vorzustellen. Mit dem Konzept soll auch ein Massnahmenkatalog verabschiedet werden, der behördenverbindlich ist. Integraler Bestandteil sollen auch ein Monitoring und Controlling des Konzepts sowie des Katalogs sein.

«Gossau könnte bei der Erarbeitung von Konzept und Massnahmen bestimmt von St. Gallen profitieren, beziehungsweise mit der Nachbarstadt zusammenarbeiten», schreibt Gähwiler. So würden sich die Lebensqualität und die Standortattraktivität beider Städte verbessern.