Gossau
Skepsis gegenüber Deponieplänen: Darum findet der Stadtrat drei Deponien im Westen Gossaus zu viel des Guten

Vier Deponien sind in Gossau geplant, drei davon im Westen der Stadt. Das seien zu viele, findet der Stadtrat – und stellt Forderungen an den Kanton.

Michel Burtscher
Merken
Drucken
Teilen
Im Gebiet Weid will die Stadt Gossau mit einer Aushubdeponie einen Lärmschutzwall entlang der Autobahn realisieren.

Im Gebiet Weid will die Stadt Gossau mit einer Aushubdeponie einen Lärmschutzwall entlang der Autobahn realisieren.

Bild: Michel Canonica

Der Kanton St.Gallen hat ein Problem: Es gibt zu wenig Deponien für das Aushub- und Abbruchmaterial, das beim Bauen anfällt. Darum sind neue Standorte gesucht. Gefunden wurden sie unter anderem in Gossau. Geht es nach dem Kanton, sollen dort in den nächsten Jahren mehrere Deponien entstehen. Im Richtplan sind vier Standorte eingetragen. Drei davon liegen ganz im Westen der Stadt und teilweise in Oberbüren. Konkret handelt es sich um die Gebiete Nutzenbuecherwald, Degenau und Radmoos. Hinzu kommt der Standort Weid, an dem die Stadt mit einer Aushubdeponie einen Lärmschutzwall entlang der Autobahn realisieren will.

Nur: Wirklich zufrieden ist der Gossauer Stadtrat nicht mit den kantonalen Deponieplänen. Er äusserte sich schon während der Vernehmlassungen zur Aufnahme der drei Standorte Nutzenbuecherwald, Degenau und Radmoos in den Richtplan kritisch dazu. Am Montag hat er nun in einer Medienmitteilung nachgedoppelt: «Deponien ja, aber mit Mass», lautet der Titel. Der Stadtrat Gossau teile die Sicht des Kantons, heisst es darin, dass Bauaushub möglichst lokal oder regional deponiert werden solle. Deshalb befürworte er auch die Schaffung von neuem Deponieraum im Grenzgebiet von Gossau und Oberbüren. Jedoch beurteilt der Stadtrat die «Konzentration solcher Projekte im Westen von Gossau sehr kritisch».

In Gossau stehen grössere Bauprojekte an

Wolfgang Giella, Gossauer Stadtpräsident.

Wolfgang Giella, Gossauer Stadtpräsident.

Bild: PD

«Wir sind nicht grundsätzlich gegen Deponien auf Gossauer Boden», erklärt Stadtpräsident Wolfgang Giella auf Anfrage. Gerade auch, weil in Gossau in den nächsten Jahren grössere Bauprojekte wie etwa die Überbauung der Sommerau Nord anstünden, wolle man einen Beitrag leisten. Und er verstehe auch, sagt Giella, dass die Standorte im Westen der Stadt «verlockend» seien. «Sie sind siedlungsfern und haben einen Autobahnanschluss in der Nähe.»

Doch gleich drei neue Deponien in diesem Gebiet seien zu viel – vor allem, wenn sie gleichzeitig betrieben würden. «Das halte ich persönlich für nicht machbar», sagt Giella. Grund für die Skepsis ist vor allem der Verkehr: Sollten alle im Richtplan vermerkten Deponien zwischen Gossau und Oberbüren bewilligt werden, würde dies – wenig überraschend – dazu führen, dass viele Lastwagen dorthin fahren. Allein die zwei am weitesten fortgeschrittenen Projekte Radmoos und Nutzenbuecherwald würden an einem Werktag knapp 200 Lastwagenfahrten verursachen.

Eichen-Kreisel hat Kapazitätsgrenze bereits erreicht

Ein beträchtlicher Teil dieses Mehrverkehrs würde den Eichen-Kreisel belasten. Doch dieser habe gemäss dem kantonalen Tiefbauamt seine Kapazitätsgrenze bereits jetzt erreicht und ertrage keine Mehrbelastung, heisst es in der Mitteilung weiter. Notabene sind deswegen bereits verschiedene Entwicklungsabsichten von Grundeigentümern im Gewerbegebiet Eichen blockiert. Darum müssten die Anzahl und Erschliessung der neuen Deponien «sehr gründlich» angeschaut werden, fordert der Stadtrat.

Mittlerweile hat das kantonale Baudepartement die Projektdossiers für die beiden Standorte Radmoos und Nutzenbuecherwald vorgeprüft. Gemäss der Berichte ist für den Kanton der Bedarf für die beiden Deponien unbestritten. Das Baudepartement macht jedoch verschiedene Auflagen und Hinweise, was die Betreiber in den Projektdossiers noch überarbeiten oder ergänzen müssen, damit die Vorhaben bewilligungsfähig werden.

Mit einer gemeinsamen Zufahrt Synergien nutzen

Zuständig für das Bewilligungsverfahren der beiden Deponien sind die Standortgemeinden Gossau und Oberbüren. Auch diese haben die Dossiers geprüft. Der Stadtrat Gossau verlangt gemäss der Mitteilung unter anderem, dass die Betreiber mit einer gemeinsamen Zufahrt für beide Anlagen Synergien nutzen. Wert legt er auch auf eine gute Einfügung der Vorhaben in die Landschaft. Der Stadtrat will für die Planung zeitnah die öffentliche Mitwirkung einleiten.

Vorher sei es jedoch an den Gesuchstellern, ihre Projekte gemäss den Hinweisen des Kantons und der Standortgemeinden zu überarbeiten. . Dabei geht es laut der Stadt hauptsächlich um die Geländegestaltung, den ökologischen Ausgleich, die Erarbeitung des Sondernutzungsplans, das öffentliche Mitwirkungsverfahren – aber auch um Abstimmungsfragen, wenn beide Deponien miteinander betrieben werden sollten. Vom Kanton erwarte man, heisst es in der Mitteilung weiter, dass er die Leistungsfähigkeit des Kreisels Eichen sicherstelle. Beim kantonalen Amt für Umwelt waren die zuständigen Personen am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.