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GOSSAU: Lastwagen bleiben Problem in Gossau, obwohl sich Grossverteiler an die Sperrzeiten halten

Die Lastwagen seien das wahre Verkehrsproblem Gossaus, sagen Gewerbler in der Innenstadt. Sperrzeiten würden nicht eingehalten, so der Vorwurf. Die Grossverteiler dementieren.
Noemi Heule
Lastwagen in Gossaus Zentrum sind seit Jahren ein leidiges Thema. (Bild: Michel Canonica)

Lastwagen in Gossaus Zentrum sind seit Jahren ein leidiges Thema. (Bild: Michel Canonica)

Mit dem Verkehrsproblem kommt die Stadt Gossau so schnell nicht voran, so viel ist seit kurzem klar. Der Kanton hat alle geprüften Lösungen verworfen. Stattdessen sollen sich die Gossauerinnen und Gossauer an der eigenen Nase nehmen, auf das Velo umsteigen oder gleich zu Fuss gehen. Schliesslich sei der Verkehr «hausgemacht». Viele stören sich jedoch nicht nur an der Autokolonne, sondern an den Lastwagen, die durch das Zentrum lärmen. Man habe sich einmal auf Sperrzeiten geeinigt, sagte Julian Stoob, Vorstandsmitglied der Fachgeschäfte Gossau kürzlich gegenüber dem «Tagblatt». Viele Fahrer aber hielten sich nicht mehr daran.

Die Lastwagen sind in Gossau ein leidiges Thema. Lange waren sie gar ein politischer Brandherd. Innert dreier Jahre verunglückten Ende der 1990er-Jahre drei Personen auf Gossauer Strassen, darunter ein Jugendlicher und ein Schulmädchen. Dreimal waren Lastwagen beteiligt. Die Unfälle befeuerten die emotional aufgeladene Debatte. Insbesondere die Flig schrieb sich das Thema auf die Fahne.

Die Grossverteiler verzichten freiwillig

Es war jedoch nicht die Politik, die schliesslich Entspannung brachte, sondern eine freiwillige Abmachung der Industriebetriebe im Gossauer Osten. Sieben Grossverteiler einigten sich auf Sperrzeiten. Während vier Zeitfenstern, dann, wenn Schulkinder unterwegs sind, sollten keine Lastwagen durch die Innenstadt fahren. In einer Medienmitteilung schrieb die Stadt damals von 110 Lastwagen weniger pro Tag oder einer Reduktion um 25 Prozent.

Heute allerdings, so der Vorwurf, würden die Zeiten nicht mehr eingehalten. «Gegenüber der Stadt sind sie nie widerrufen worden», sagt dagegen Urs Salzmann, Kommunikationsbeauftragter von Gossau. Von den damals Beteiligten sind noch fünf übrig: Migros, Coop, Spar, Jowa und die Sutter AG. Sie alle beteuern: «Die Sperrzeiten haben nach wie vor Gültigkeit.»

«Die Routenplanung sieht für keinen unserer Lastwagen den Weg über das Zentrum vor», schreibt etwa die Sutter AG auf Anfrage. Per Fahrzeugtracking würde überprüft, ob die Fahrer tatsächlich den Weg über die Autobahnzufahrt Winkeln einschlagen. «Unsere Chauffeure werden regelmässig auf die Regelung hingewiesen.» Und: «Wann immer möglich» halte man sich daran, heisst es bei Coop. Ein Viertel der Lastwagenfahrten des Grossverteilers führte durch das Zentrum. Pro Jahr verlassen zudem 7000 Bahnwagen die Verteilzentrale in Gossau. Bei Konkurrent Migros wird die Hälfte der angelieferten Waren per Bahn antransportiert. An den Sperrzeiten für Lastwagen halte man fest.

Fünf Prozent der Fahrzeuge sind Lastwagen

Wie viele Lastwagenfahrten tatsächlich durch das Zentrum führen, wird nicht offiziell nachgeprüft, zumal die Regelung ohnehin auf Freiwilligkeit beruht. Auch Fahrten in die Filialen in Gossau oder nach Flawil sind von der Abmachung ausgenommen. Sicher ist: Rund fünf Prozent des motorisierten Verkehrs im Gossauer Zentrum machen Lastwagen aus, wie Urs Salzmann sagt. Insgesamt rund 18'000 Fahrzeuge rollten im vergangenen Jahr pro Tag über die St.Gallerstrasse.
Der Groll gegenüber Lastwagen kommt aber nicht von ungefähr. «Ein Lastwagen wirkt dominanter als ein Personenwagen. Er verursacht stärkere Vibrationen und einen stärkeren Luftzug», sagt Urs Salzmann. Der Lärm eines Lastwagens werde in etwa gleich wahrgenommen, wie zehn Autos, die im selben Zeitraum vorbeifahren. Zudem gehe von ihm eine grössere Unfallgefahr aus, ergänzt er.

Dennoch: Fast 20 Jahre lang konnten tödliche Unfälle mit Lastwagen in Gossau vermieden werden. Bis im vergangenen Jahr, als im Zentrum erneut eine Fussgängerin von einem Lastwagen erfasst wurde.

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