Die Gossauer Sternwarte erhält ein neues Teleskop

Der Astronomische Verein Antares gönnt sich zum 20. Geburtstag ein neues Teleskop. Eines, das der zunehmenden Lichtverschmutzung in der Region gerecht wird. Am Mittwoch soll es eingeweiht werden.

Adrian Lemmenmeier
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Ewgeni Obreschkow, Präsident der Sternwarte Antares, mit dem C14 Edge-HD. (Bild: Adrian Lemmenmeier)

Ewgeni Obreschkow, Präsident der Sternwarte Antares, mit dem C14 Edge-HD. (Bild: Adrian Lemmenmeier)

Im Gruenholz, irgendwo zwischen Andwil und Walter-Zoo, steht ein Häuschen. Mit seinem Giebeldach und dem Wanderweg-Symbol an der Holzfassade sieht es aus wie ein Geräteschuppen. Doch hier lagern nicht Sensen und Spaten, sondern Teleskope und Kameras.

Das kleine Haus ist die Sternwarte Antares. Ewgeni Obreschkow, Präsident des Astronomischen Vereins, schiebt das neue Teleskop auf einer im Boden eingelassenen Schiene ins Freie: 36 Zentimeter Spiegeldurchmesser, vier Meter Brennweite – das C14-Edge-HD-Teleskop ist der neue Stolz des Gossauer Astronomenvereins.

Der helle Himmel setzt Grenzen

Von Form und Grösse her gleicht das Teleskop eher einer Haubitze aus dem 18. Jahrhundert als einem Fernrohr aus einem Observatorium. «Ein grösseres Teleskop könnte man hier gar nicht einsetzen», sagt Ewgeni Obreschkow. Denn: «Je grösser der Durchmesser, desto mehr Licht kann ein Teleskop aufnehmen.» Und Licht gibt es in der Umgebung mehr als genug. Hinter dem nahen Wald liegen der Walter-Zoo, die Kaserne Neuchlen und etwas weiter der Kybunpark; im Südwesten leuchtet die Stadt Gossau und im Osten St. Gallen. «Der Himmel ist in dieser Gegend ziemlich hell», sagt Obreschkow. «Ein grösseres Teleskop würde nicht nur die Sterne, sondern auch den Himmel im Hintergrund aufhellen.» Das Ziel sei aber, helle Sterne auf dunklem Hintergrund zu sehen. Das C14-Edge-HD biete den idealen Kontrast für diesen Ort. «Es ist besonders geeignet, um kleinere Sternennebel oder Galaxien zu sehen», sagt Obreschkow. 15000 Franken hat das neue Teleskop gekostet. Das Geld stammt mehrheitlich aus der Vereinskasse. Doch auch Gönner inklusive die Stadt Gossau haben mitbezahlt.

Für hellere Himmelskörper wie die Planeten oder den Mond gibt es in der Sternwarte Antares noch andere, kleinere Fernrohre. Auch ein Sonnenteleskop steht in der Ecke. «Es filtert alles Licht ausser Wasserstoff-Licht heraus», erklärt Obreschkow. So kann man Gasausbrüche auf dem Zentralgestirn beobachten, ohne die Augen zu gefährden.

Vom Dach an den Dorfrand

Zwanzig Jahre gibt es den Verein Antares mittlerweile. «Zuvor stand einfach ein Teleskop auf dem Dach des Gymnasiums Friedberg», sagt der ehemalige Rektor Obreschkow. Wegen der zunehmenden Lichtverschmutzung wollte man eine Sternwarte an den Rand der Gemeinde bauen. So kam es 1998 zur Gründung des Vereins, der heute gut 100 Mitglieder zählt. Kann man sich vorstellen, noch weiter weg zu ziehen, da die Lichtverschmutzung auch hier zum Problem geworden ist? Obreschkow schüttelt den Kopf: «Für uns ist es wichtig, dass wir bei den Leuten sind.»

Das nächste Mal eingeladen sind die Leute am Mittwochabend. Dann präsentiert der Verein das neue Teleskop. Vorausgesetzt, das Wetter stimmt.

Hinweis:

Mittwoch, 3. Oktober, 20 Uhr: Öffentlicher Blick in die Sterne. Ab 18 Uhr wird im Internet mitgeteilt, ob die Veranstaltung durchgeführt wird: www.sternwarte-antares.ch