Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Ein Kribbeln beim Krabbeltier-Dinner: Ein Insektenkoch verkuppelt in Gossau Singles

Insektenkoch Daniel Birchler lädt Singles zum Dating im Gossauer «Marktstübli». Sein Motto dabei: «Schmetterlinge im Bauch».
Melissa Müller
Daniel Birchler mit einem knusprigen Cupcake aus Grillenmehl. Bild: Urs Bucher

Daniel Birchler mit einem knusprigen Cupcake aus Grillenmehl. Bild: Urs Bucher

Als Daniel Birchler kürzlich mit Freunden grillierte, flog ein Maikäfer über die Glut und verbrutzelte an der Hitze. «Probier mal», sagten seine Freunde. Der 29-Jährige zögerte keine Sekunde, steckte sich den Käfer in den Mund und liess sich den Happen auf der Zunge zergehen. «Es schmeckte wie Popcorn», sagt Daniel Birchler.

Sein kulinarisches Interesse an Käfern ist kein Zufall: Der St.Galler Heilpädagoge und ehemalige Fitnesstrainer betätigt sich als Insektenkoch. Sein nächster Streich: Am 3. August stellt er im Gossauer «Marktstübli» einen Single-Abend mit Drei-Gang-Insektendinner auf die Beine. «Schmetterlinge im Bauch», lautet das Motto; 15 Flirtwillige hätten sich bereits angemeldet.

Birchler hofft, dass sich noch mindestens weitere 15 Personen anschliessen. «Der Titel ‹Heuschrecke spielt Amor› hätte auch gepasst», sagt Daniel Birchler, selbst seit vier Jahren Junggeselle. Eine Facebook-Seite für Singles, auf der er aktiv ist, brachte ihn auf die Idee.

Bei den Aborigines 
Honigameisen kosten

Am Dating-Abend sollen sich Leute zwischen 20 und 40 Jahren in lockerer Atmosphäre näherkommen. Indem sie sich überwinden und Insekten probieren, sich gemeinsam ein bisschen ekeln, lachen und neue Aromen kosten. «Das schweisst zusammen», sagt Birchler. Dank Sponsoren kann er das Dinner für 20 Franken pro Person anbieten. Vermutlich lege er aber selbst Geld drauf. Das ist es ihm wert – für seine Mission, Leuten Insekten schmackhaft zu machen.

Der 29-Jährige ist auf dem Sprung: Bald fliegt er für ein halbes Jahr nach Australien. «Dort will ich bei den Aborigines Honigameisen probieren.» Auch sein Englisch will Birchler aufbessern, «um mit meinem Youtoube-Kanal den englischsprachigen Raum zu erschliessen.» Noch hätten erst 90 Leute seinen Youtube-Kanal abonniert.

«Ein bescheidener Erfolg. Die Schweizer begegnen dem Thema mit Skepsis.»

In den Videos spielt der durchtrainierte Mann mit blondem Dutt die Hauptrolle, lacht in die Kamera wie ein gut gelaunter Surfer und schnabuliert knusprige Grillen mit Barbecue-Gewürzen.

Diese hat er auch in seiner blitzblanken Küche stets griffbereit. Auf dem Esstisch in seiner modernen Blockwohnung in St. Gallen-Achseln liegt ein Blech mit getrockneten Rosenblättern, Chilis und Baumnüssen. «Ich habe schon als Kind gern gekocht», sagt Daniel Birchler. Aufgewachsen in Küsnacht am Rigi, zog es ihn der Liebe wegen in die Ostschweiz.

Jeden Tag Poulet 
gegessen

Mit Anfang 20 stellte der Fitnesstrainer seine Ernährung radikal um auf weisses Fleisch. «Zum Zmittag, zum Zvieri und zum Znacht, ass ich Poulet. 700 Gramm am Tag.» Dann aber brachten ihn Dokumentarfilme über globale Ernährung und ökologische Zusammenhänge zum Umdenken.

«Wenn alle so viel Poulet essen würden wie ich, würde es noch viel schlechter stehen um unseren Planeten», sagte er sich. Und suchte Alternativen. Als er erfuhr, dass indigene Völker Insekten essen, bestellte er im Netz eine Dose gefriergetrockneter Buffalowürmer, die eigentlich als Reptilienfutter gedacht waren. «Sie schmeckten ausgezeichnet.» Zudem enthalten sie pro Kilogramm mehr Proteine und Nährstoffe als Rindfleisch. Der Insektenkoch verspeist aber nicht etwa täglich einen Teller Mehlwürmer – zu teuer. Ein Kilo Grillen koste 80 Franken.

In diesem Fall ist ­Massenhaltung artgerecht

Seit zwei Jahren bieten Grossverteiler Snacks aus Insekten an. Doch die Nachfrage ist gering. Die Schweizer sind weit entfernt davon, ein Volk von Insektenessern zu werden. Dabei liegt der Nutzen aus der Umweltperspektive auf der Hand. Man kann sie in dunklen und beengten Verhältnissen züchten. Birchler sagt:

«Da Insekten im Schwarm leben, ist Massentierhaltung in ihrem Fall artgerecht.»

Das Tierwohl liege ihm am Herzen. Insekten produzierten kaum Dreck, im Gegensatz zu Schweinen und Rindern, benötigten weniger Wasser, und man könne ihnen Küchenabfälle verfüttern. Um sie zu töten, stellt man sie einen Tag in den Tiefkühler – «ein sanftes Entschlafen.»

Birchler hat sich schon selbst als Züchter versucht. Die Mehlwürmer büxten allerdings aus der Kartonschachtel aus. «Plötzlich krochen sie an der Zimmerdecke entlang.» Grillen würden sich weniger eignen, da sie nachts zirpten.

Für den Single-Abend in Gossau konnte Daniel Birchler Stand-Up Comedian Kiko verpflichten. Schmetterlinge würden nicht serviert. Dafür werden zur Vorspeise gebratene Mehlwürmer auf Blattspinat mit Parmesan gereicht. Darauf folgt eine Udon-Nudelpfanne mit gebackenen Grillen. Zum Dessert gibts’ fruchtiges Randen-Buffalo-Wurm-Eis, begleitet von einem knusprigen Cupcake aus Grillenmehl und einer sahnigen Orangenfüllung.

3. August, 17 Uhr, Marktstübli. Anmeldungen bis 25. Juli: www.grounded-
insectcooking.com/events

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.