Gossau
Coronaweisungen des Verbands stossen auf Unverständnis: Musikschule verschiebt Infotag und bangt um den Nachwuchs

Die Musikschule Fürstenland verschiebt ihren Infotag zum zweiten Mal. Grund ist eine Weisung des Musikschulen-Verbands. Demnach dürften die Kinder keine Instrumente ausprobieren.

Rita Bolt
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Ein Tag der offenen Tür ist für Musikschulen vor allem wichtig, da die Kinder die Musikinstrumente anfassen und ausprobieren können.

Ein Tag der offenen Tür ist für Musikschulen vor allem wichtig, da die Kinder die Musikinstrumente anfassen und ausprobieren können.

Bild: PD

Eigentlich wollte die Musikschule Fürstenland am Samstag einen Tag der offenen Tür durchführen. Das ist jetzt aber nicht möglich. Der Verband Musikschulen Schweiz (VMS) hat eine Weisung herausgegeben, wonach Musikschulen wohl einen Infotag durchführen können, aber die Kinder die Instrumente nicht ausprobieren dürfen. Musikschulleiter Thomas Burri ist verärgert über diese Weisung.

«Das ist ungefähr so, wie wenn man mit Hunger an den Tisch sitzt und dann das Essen nur anschauen darf.»

Einmal im Jahr führt die Musikschule Fürstenland einen Werbetag durch. Kinder und Erwachsene spielen auf Instrumenten Probe und können Informationen bei Fachpersonen einholen. Ursprünglich war dieser Tag auf den 20. März geplant, musste allerdings wegen Corona verschoben werden. Nächstmöglicher Termin war Samstag, 1. Mai. Nun fällt auch dieser ins Wasser.

Durchdachte Schutzmassnahmen

Es mache keinen Sinn, einen Instrumententag durchzuführen, wenn Interessierte die Instrumente nur anschauen dürfen. «Unsere Schutzmassnahmen sind durchdacht», sagt Burri und konkretisiert: «Wir hätten die Instrumente nach jedem Gebrauch desinfiziert, die Rohrblätter jedes Mal ausgewechselt und die Fachpersonen hätten die Kinder mit Maske instruiert.» Pro Instrument wäre zudem ein Raum vorgesehen gewesen und es hätte sich jeweils nur eine Familie darin aufhalten dürfen. Um eine bleibende Erfahrung machen zu können, sei das Ausprobieren der Instrumente elementar wichtig.

Der Infotag ist jeweils der wichtigste Tag im Jahr für die Musikschule Fürstenland, um Schülerinnen und Schüler für den Musikunterricht zu begeistern und zu gewinnen. Burri sagt:

Musikschulleiter Thomas Burri.

Musikschulleiter Thomas Burri.

Bild: Benjamin Manser
«Marketing ist auch für die Musikschule sehr wichtig.»

Die Schülerzahl ist derzeit so tief wie schon lange nicht mehr. «Wir bewegen uns unter der 1000er-Grenze.» Das sei besorgniserregend. Früher besuchten 1200 Schülerinnen und Schüler den freiwilligen Musikunterricht. Das seien rund 35 Prozent der Gossauer, Arnegger, Andwiler und Niederwiler Volksschüler.

Tag der offenen Tür wird nachgeholt

Schwindende Schülerzahlen seien das eine. Das andere sei, dass die Ensembles nicht mehr bestückt werden könnten. «Gemeinsam zu musizieren ist eigentlich die beste Motivation, überhaupt ein Instrument zu spielen», spricht Burri aus Erfahrung. Er unterrichtet Geige und Bratsche. Um jeden Tag zu üben, brauche es ein interessantes und attraktives Ziel vor Augen. Nachdenklich stimmt Burri zudem, wie das hauseigene Schülerorchester wieder aufgebaut werden könne, wenn der Nachwuchs fehle.

Die Musikschule bietet Schnupperlektionen an, man kann sich auf der Website über alle Instrumente informieren, eine Anmeldung ist immer möglich. Die Musikschule wird versuchen, den Tag der offenen Tür im Herbst nachzuholen. «Schliesslich wollen wir allen Kindern von Gossau, Niederwil, Arnegg und Andwil die Möglichkeit geben, ein Instrument zu spielen und Musik machen zu können», sagt der Musikschulleiter. Sich mit Musik zu beschäftigen, gehöre zu den Grundbedürfnissen der Menschheit.

www.ms-fuerstenland.ch