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Deutschunterricht für Flüchtlinge: Gossau bleibt beim Lehrbuch

Der Friedegg-Treff hat das Angebot an Deutschkursen für Flüchtlinge mehr als verdoppelt. Pläne, in Gossau eine Quartierschule einzurichten, wurden hingegen fallen gelassen.
Adrian Lemmenmeier
Migranten benutzen im Deutschunterricht in Gossau nach wie vor Papier und Stift. (Symbolbild: Keystone)

Migranten benutzen im Deutschunterricht in Gossau nach wie vor Papier und Stift. (Symbolbild: Keystone)

Im Gossauer Friedegg-Treff bringen Freiwillige Migranten Deutsch bei. Das ist seit langem so, seit letztem Jahr aber hat sich das Kursangebot mehr als verdoppelt. «Früher haben drei Freiwillige bei uns unterrichtet. Mittlerweile sind es acht. Sie betreuen vier Klassen.» Das sagt Klaus Fischer, er koordiniert die Deutschkurse im Friedegg-Treff. Insgesamt kommen etwa 40 Männer und Frauen zweimal pro Woche zum Unterricht, der im ehemaligen Andreaszentrum stattfindet.

Hintergrund des letztjährigen Anstiegs ist die Umorientierung in der Politik der St. Galler Gemeinden. 2016 hatte die Vereinigung der St. Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten (VSGP) beschlossen, nicht mehr gemeinsam mit dem Kanton professionelle Sprachkurse zu finanzieren, sondern Quartierschulen einzurichten. Die Grundkenntnisse des Deutschen sollten nicht in Sprachschulen, sondern von Freiwilligen vermittelt werden.

Pilotkurs blieb in Gossau ohne Folgen

Eigentlich hätten in Gossau nicht nur die Kurse im Friedegg-Treff ausgebaut werden sollen. Angedacht war ebenso, eine Quartierschule nach der Lernmethode der Sprachschule Liechtenstein Languages – kurz «Liela» – aufzubauen. Bei diesem pädagogischen Konzept pauken die Teilnehmer keine Wörterlisten oder Konjugationstabellen, sondern lernen spielend. Sie sprechen nach, formen Begriffe mit den Händen und schlüpfen in fremde Rollen. Diese Methode wird vom Trägerverein Integrationsprojekte (TISG) der VSGP propagiert – und in vielen Quartierschulen im Kanton angewandt.

In Gossau hat man die Liela-Methode nicht übernommen. Das habe nicht etwa pädagogisch-ideologische Gründe, sagt Jigme Shitsetsang, Leiter Soziales bei der Stadt: «Wir haben im letzten Jahr einen Pilotkurs zur Ausbildung von freiwilligen Sprachtrainern in der Liela-Methode durchgeführt.» Allerdings seien unter den Teilnehmern nur zwei Personen aus Gossau gewesen. Die eine habe sich aus privaten Gründen entschieden, doch nicht zu unterrichten, und der anderen habe die Liela-Methode nicht zugesagt. So habe man das Vorhaben wieder begraben und voll auf den Friedegg-Treff gesetzt.

Im Andreaszentrum wird im «klassischen» Stil – mit Stift, Heft und Lehrbuch – unterrichtet. «Der Friedegg-Treff bietet den Migranten jedes Semester gratis zwei Doppellektionen pro Woche», sagt Shitsetsang.

«Das ist massiv mehr als bei der angedachten Quartierschule.»

Der dortige Einsteigerkurs war auf 60 Lektionen geplant. Dazu hat die Stadt 70 Plätze bei der «Integra» des Solidaritätsnetzes St. Gallen reserviert, die ebenfalls auf Freiwilligenarbeit baut. «Als zusätzliches Angebot – oder für Leute, denen die Termine des Friedegg-Treffs zeitlich nicht passen», sagt Shitsetsang. In Gossau wird bis zum Niveau A2 unterrichtet. Die Stadt kommt für das Lehrmaterial und die Miete im Andreaszentrum auf. Asylsuchenden, bei denen die Aussicht besteht, dass sie das Niveau B1 erreichen, bezahlt sie einen Fortgeschrittenenkurs an einer professionellen Sprachschule in St. Gallen.

Die Nachfrage nach Deutschkursen in Gossau ist stabil. Geändert habe sich jedoch die Zusammensetzung der Klassen, sagt Klaus Fischer.

«Anfänglich hatten wir vor allem junge Männer aus Syrien und Afghanistan.»

Die meisten von ihnen hätten aber unterdessen das Niveau des Freiwilligenunterrichts überschritten und machten einen Kurs für ein B1-Diplom in St. Gallen oder ein Praktikum. «Mittlerweile haben wir auch viele Frauen, die im Rahmen von Familiennachzügen in die Schweiz gekommen sind, in den Deutschkursen», sagt Klaus Fischer. Deshalb bietet der Friedegg-Treff seit August dieses Jahres während des Unterrichts auch Kinderbetreuung an.

Auch andere Gemeinden setzen auf Bestehendes

Gossau ist indes nicht die einzige Gemeinde der Region, die beim Ausbau der Sprachförderung für Flüchtlinge auf bewährte Strukturen setzt. Auch etwa in Gaiserwald oder Wittenbach werden bestehende Projekte mit freiwilligen Lehrkräften weitergeführt. Für Roger Hochreutener, Geschäftsführer des TISG, ist es unerheblich, ob eine Gemeinde die vom Trägerverein angebotene Liela-Methode übernimmt oder nicht. «Wir machen doch den Gemeinden keine Vorschriften.» Hochreutener betont, dass die Quartierschulen einen günstigen Einstieg in die Sprache böten und für die Teilnehmer gratis seien. Sie seien eine Ergänzung zu professionellen Sprachschulen – und kein Ersatz.

Freiwillige gesucht

Für die Kinderbetreuung während des Deutschunterrichts sucht der Friedeggtreff noch Freiwillige. Wer Interesse an dieser Tätigkeit hat, melde sich beim Verein. Die Kontaktdaten finden sich auf der Internetseite: www.friedegg-treff.ch. (al)

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