In Goldach schiessen Industriebauten aus dem Boden: Kaffeekapseln aus Aluminium spielen dabei eine wichtige Rolle

Im Gebiet Tannäcker in Goldach entstehen Hallen, die grösser sind als ein Fussballfeld. Gleich zwei Weltkonzerne sind dafür verantwortlich. Bauland für Industrie hat es nun in der Gemeinde vorläufig keines mehr.

Rudolf Hirtl
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Die Halle von Amcor Flexibles (links vom gelben Kran) steht bereits. Auf der Wiese im Vordergrund kommt das Gebäude der L.Kellenberger&Co. AG zu stehen

Die Halle von Amcor Flexibles (links vom gelben Kran) steht bereits. Auf der Wiese im Vordergrund kommt das Gebäude der L.Kellenberger&Co. AG zu stehen

Bild: Tino Dietsche

Kapsel rein, Tasse drunter, kurz auf den Knopf gedrückt, und schon läuft der betörend riechende Arabica in die Kaffeetasse. Auch wenn der Müllberg, der für ein paar Milliliter Kaffee produziert wird, in keinem vernünftigen Verhältnis steht, die mit ein paar Gramm Kaffee gefüllten Aluminiumhütchen sind in vielen Haushalten gar nicht mehr wegzudenken.

Folien aus Goldach werden weiterverarbeitet

Die millionenfach verwendeten Nespresso-Kapseln, die in den Produktionszentren von Orbe, Avenches und Romont entstehen, werden mit Aluminiumfolien hergestellt, die am Bodensee veredelt wurden; nämlich bei der Amcor Flexibles Rorschach AG. Deren Produktionswerk steht an der Langrütistrasse 19 in Goldach.

Die Produktion in den bestehenden Hallen (früher Alcan Packaging) läuft ununterbrochen in vier Schichten. Die Folien werden nicht nur zu Kaffeekapseln, sondern bei Kunden auch zu Behältern oder Deckelfolien für verschiedenste Güter aus dem Lebensmittelbereich oder für technische Anwendungen verarbeitet. Die florierenden Nespresso-Kapseln gehören allerdings zur Kernkompetenz der Goldacher Niederlassung.

In der neuen Halle von Amcor Flexibles Rorschach AG steht bereits ein Teil der künftigen Produktionsanlage, um Aluminium zu veredeln.

In der neuen Halle von Amcor Flexibles Rorschach AG steht bereits ein Teil der künftigen Produktionsanlage, um Aluminium zu veredeln.

Bild: Rudolf Hirtl

Baustart verzögerte sich um beinahe acht Jahre

Und die Nachfrage ist derart gross, dass die Kapazitäten in Goldach nicht mehr ausreichen. Amcor Flexibles hat daher in den vergangenen Wochen eine 103 Meter lange und 30 Meter breite Halle gebaut. Gleich daneben entsteht ein neues Energiezentrum. Der Gemeinderat Goldach hat die Bewilligung für den Bau der Produktionshalle bereits im Jahr 2012 erteilt. Geschehen ist dann aber jahrelang nichts. Auch nicht mit den Bauvisieren, die während sechs Jahren stehenblieben. «Die Stellen markieren einfach den Bereich, der bereits für eine mögliche zukünftige Ausweitung der Aktivitäten am Standort zugewiesen wurde. Derzeit sind keine Arbeiten im Gange», sagte Amcor-Mediensprecher Ernesto Duran noch im Dezember 2018. Wann der australische Verpackungskonzern die Produktion in der neuen Halle aufnehmen wird und ob die Erweiterung neue Arbeitsplätze generiert, diese Fragen bleiben auf Nachfrage bei der Firmenzentrale unbeantwortet.

Ein Fussballfeld hat in der Halle locker Platz

Noch um einiges grösser als jene von Amcor wird die Produktionshalle, die in unmittelbarer Nähe gebaut wird. Im Januar wurde bekannt, dass die L.Kellenberger&Co. AG nach über 100 Jahren die Stadt St.Gallen verlässt und in Goldach eine neue Fabrik baut, die 167 Meter lang und 109 Meter breit werden und 25000 Qua­dratmeter Geschossfläche aufweisen wird.

Zum Vergleich: Von der Uefa genehmigte Fussballplätze sind 105 Meter lang und 68 Meter breit. Die Plätze von Bayern München, CF Barcelona, Manchester United oder auch Juventus Turin fänden im neuen Sitz des Maschinenherstellers also locker Platz. An der höchsten Stelle wird das 65 Millionen Franken teure Gebäude über 25 Meter hoch sein.

Nahes Naturschutzgebiet nicht tangiert

Neben der Amcor-Halle entsteht ein neues Energiezentrum.

Neben der Amcor-Halle entsteht ein neues Energiezentrum.

Bild: Rudolf Hirtl

Bulldozer haben dort, wo die Halle zu stehen kommt, diese Woche begonnen, die Humusschicht abzutragen. Die Baubewilligung steht laut Goldachs Gemeindepräsident Dominik Gemperli kurz vor der Ausstellung. Das Gebäude der L.Kellenberger&Co. AG wird die Landschaft nahe beim Naturschutzgebiet Schuppis markant verändern. «Es ist uns bewusst, dass dies ein fragiles Gebiet ist. Der Naturschutz war daher im Bauentwicklungsprozess auch immer ein begleitendes Thema. Sämtliche Aspekte, die für den Naturschutz relevant sind, wurden zudem mit dem Kanton abgesprochen», so Gemperli.

Gemeindepräsident Dominik Gemperli, Goldach.

Gemeindepräsident Dominik Gemperli, Goldach.

Bild: Ralph Ribi

Platz für weitere Ansiedlungen auf dem Tannäcker hat es nicht, der weltweit tätige Maschinenhersteller wird die gesamten 26000 Quadratmeter belegen. Goldach kann dadurch aktuell keinen weiteren Gewerbeboden anbieten. Umso mehr freut sich Gemperli über den hochkarätigen Zuzug aus St.Gallen, zumal es für eine Region nicht nur wichtig sei, Wohnungen zu bauen, sondern auch Arbeitsplätze zu sichern.