Goldacher überlistet Ausfuhrverbot von Desinfektionsmittel: «Ich befürchtete, dass ich im letzten Moment an der Grenze gestoppt werde»

Weil Desinfektionsmittel nicht mehr geliefert werden, hat sich der Goldacher Christoph Spirig selbst welche besorgt.

Rudolf Hirtl
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Händler Christoph Spirig schaffte es in letzter Sekunde, Kanister voller Desinfektionsmittel in die Schweiz einzuführen.

Händler Christoph Spirig schaffte es in letzter Sekunde, Kanister voller Desinfektionsmittel in die Schweiz einzuführen.

Rudolf Hirtl

Die deutsche Regierung hat das Ausfuhrverbot für medizinische Schutzausrüstungen wie Schutzbrillen, Atemschutzmasken, Schutzkittel, Schutzanzüge und Handschuhe zwar offiziell aufgehoben. Dennoch werden weiterhin Lastwagenfahrer mit Ladungen davon an der deutschen Grenze an der Einreise in die Schweiz gehindert.

Deutsche Hersteller lieferten aber während Wochen nicht nur medizinische Hilfsmittel nicht mehr in die Schweiz, auch bei Bestellungen von Desinfektionslösungen blockten sie ab. Dies musste auch der Goldacher Christoph Spirig erfahren, als er wie gewohnt sein Lager auffüllen wollte. Der 59-Jährige, der auch im Dentalbereich tätig ist, wohnt seit einigen Jahren in Trogen und handelt schon seit fünf Jahren über seinen «d8-Shop» mit Desinfektions- und Reinigungsmitteln. Er hat also schon lange vor dem Ausbruch des Coronavirus Geschäfte mit der Sauberkeit gemacht.

Hersteller darf nicht mehr im grossen Stil liefern

Spirig beliefert neben Zahnarztpraxen auch Unternehmen, die in den Bereichen Lebensmittelherstellung, Hotel/Restaurant, Lüftung/Klima oder Kleingewerbe tätig sind. «Als mein Lieferant erwähnt hat, er könne Desinfektionsmittel nicht mehr liefern, weil damit beladene Lastwagen an der Grenze zurückgehalten werden, war das wenig erbaulich, zumal ja meine Kunden auf ihre Bestellungen warten», sagt Christoph Spirig.

Vor der Grenzsperre noch schnell den Kombi vollgeladen

Also habe er geklärt, ob er überhaupt noch Nachschub erhalte, sich selber ins Auto gesetzt und sei noch vor der Sperrung der Grenzen nach Deutschland gefahren, um den Kofferraum mit Desinfektionsmittel zu beladen. «Ich war schon ein wenig angespannt, als ich mit meinem vollgeladenen Kombi vom Firmengelände weggefahren bin. Ich habe befürchtet, dass ich im letzten Moment doch noch gestoppt werde. Als ich dann durch war, habe ich erleichtert durchgearbeitet», so Spirig mit einem Schmunzeln.

Noch gespannter war er auf die Reaktionen am Grenzübertritt. Selbstverständlich habe er die Ware gesetzeskonform angemeldet, die entsprechenden Einfuhrpapiere am Schweizer Zoll abgestempelt und die fälligen Abgaben bezahlt. «Ich war schon etwas überrascht, dass alles so reibungslos über die Bühne gegangen ist», räumt Christoph Spirig ein. Als der Zöllner die Kanister im Auto überprüfte, habe er geschmunzelt und dem Wahlappenzeller mit einem Lachen gutes Geschäft gewünscht.

Die Angst vor dem Virus will er nicht ausnutzen

Vor allem online nutzen Händler die Angst vor dem Coronavirus schamlos für Wucherpreise aus. Für Christoph Spirig und sein Einmannunternehmen www.d8-shop.ch kommt das nicht in Frage. «Meiner Meinung nach ist es nicht fair, die Situation nun für überrissene Preise auszunutzen, ich verlange keine Rappen mehr für meine Produkte, als vor dem Coronaausbruch.»

Dankbar ist er, dass das Bundesamt für Gesundheit rasch auf sein Bewilligungsgesuch eintrat und dieses innert zehn statt der üblichen 60 Tage bearbeitete. Ebenso unkompliziert sei auch die Zusammenarbeit mit der Goba AG in Appenzell. Die Firma mit den bekannten Flauder-Getränken stellt ihm leere Flaschen zum Abfüllen seines Produktes zur Verfügung.