Ein Pier, eine SBB-Haltestelle oder ein Hotel am See? Goldacher reden via Online-Pilotprojekt bei der Raumplanung mit

Goldach überarbeitet seine Ortsplanung und will vom Volk wissen, wie es tickt. Die Gemeinde hat zur Vernehmlassung eingeladen, ihr digitaler Weg ist dabei einzigartig.

Jolanda Riedener
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Goldach will den Seezugang mit einer Unter- oder Überführung erleichtern und das Rietli-Areal entwickeln.

Goldach will den Seezugang mit einer Unter- oder Überführung erleichtern und das Rietli-Areal entwickeln.

Bild: Tino Dietsche

Die Gemeinde Goldach will ihren Bezug zum See stärken. Denn dieser ist Teil der Goldacher Identität, heisst es in der Broschüre zur Ortsplanung. Mit dem Ausbau der Nord-Süd-Achse soll der Dorfkern besser mit dem See verbunden werden. Gleichzeitig soll das Seeufer attraktiv gestaltet werden. Wie genau, das beschreibt der Gemeinderat in verschiedenen möglichen Varianten zur geplanten Revision der Ortsplanung.

Der See ist dabei nur einer der Schwerpunkte, die der Rat bei der neuen Ortsplanung setzt. Sie befindet sich aktuell zur Vorprüfung beim Kanton und zur Vernehmlassung bei der Bevölkerung. Die Gemeinde hat dazu umfassendes Informationsmaterial zusammengestellt und an alle Haushalte geschickt sowie auf der Website  www.ortsplanung-goldach.ch aufbereitet. Die Bürgerinnen und Bürger sollen sich zu den verschiedenen Ideen und Projekte äussern – am liebsten online. Den physischen oder digitalen Fragebogen, können sie bis am 31. Mai ausfüllen.

Krise treibt Digitalisierung voran

Dominik Gemperli (CVP) ist Gemeindepräsident von Goldach.

Dominik Gemperli (CVP) ist Gemeindepräsident von Goldach.

Benjamin Manser

«Die Ortsplanung ist eine komplexe Angelegenheit», sagt Goldachs Gemeindepräsident Dominik Gemperli. Dafür eigne sich dieses Instrument der Onlinebefragung gut. Er sagt:

«Es ist ein neuer Weg, den wir beschreiten, um eine Mitwirkungsmöglichkeit für die Bevölkerung zu bieten.»

Die Befragung ist ein E-Government-Pilotprojekt. Das Ziel sei nicht nur, dass sich die Bürger einbringen, sondern auch, ihnen eine eher trockene Materie näher zu bringen und ihr Interesse dafür zu wecken.

Pilotprojekt E-Government

Für die digitale Befragung zur Ortsplanung erhält die Gemeinde Goldach 29000 Franken von E-Government Schweiz. Dabei handelt es sich um eine Organisation von Bund, Kantonen und Gemeinden, welche die Ausbreitung elektronischer Behördenleistungen vorantreibt. Seit über zehn Jahren arbeiten Bund, Kantone und Gemeinden an der Digitalisierung von Behördendiensten. Mit dem Betrag ist laut Gemeindepräsident Gemperli ein Grossteil der Kosten für die Vernehmlassung gedeckt. Goldach war bereits beim E-Voting Teil eines Pilotprojekts.

So können die Goldacherinnen und Goldacher dem Gemeinderat detaillierte Rückmeldungen geben. Aus den Antworten auf den Fragenkatalog sowie Wünschen und Anregungen, will der Rat Tendenzen erkennen und in die Planung soweit möglich aufnehmen. Alle, die digital mitgemacht haben, erhalten eine Antwort. Gemperli sagt:

«Gerade in Zeiten von Corona gewinnen Instrumente zur elektronischen Beteiligung an Bedeutung.»

Dies sei auch in anderen Bereichen interessant, beispielsweise bei der elektronischen Unterschriftensammlung für Initiativen. In Goldach sei man zwar eher durch Zufall auf dieses Tool gestossen. «Wir sind bereits jetzt erfreut über die Anzahl der Rückmeldungen», sagt er. Auch die Infobroschüre sei bisher besonders gut angekommen.

Flankierende Massnahmen für Autobahnanschluss

So will der Rat etwa wissen, ob das Gebiet Seegarten mit besonderer Sorgfalt zu entwickeln sei. Für das Areal, auf dem sich auch das Freibad befindet, strebt der Rat weiterhin eine öffentliche oder halböffentliche Nutzung an. So sind neben der Badi verschiedene Szenarien wie ein Hotel oder eine Parkanlage denkbar.

Verbessert werden sollen am See die Fussgänger-Querungen sowie die Situation für Velos. Auch wolle man abklären, ob dort allenfalls eine SBB-Haltestelle realisierbar wäre.

Über die denkbare Neugestaltung von Kronenkreisel und St.Gallerstrasse hat der Gemeinderat vor der Abstimmung zum Autobahnanschluss informiert.

Der Kronenkreisel in Goldach.

Der Kronenkreisel in Goldach.

Rudolf Hirtl

Auch die Gestaltung im Gebiet Frohheim steht im Zusammenhang mit dem A1-Anschluss. Weitere Schwerpunkte sind die Entwicklung des Dorfkerns oder das ÖV-Netz.