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Goldach und Rorschach befinden am 17. November über den «Autobahnanschluss Plus»: Das sind die Fakten

Die Fronten zwischen Gegner und Befürworter der Vorlage sind deutlich. Deshalb die wichtigsten Antworten zum 315-Millionen-Projekt «Autobahnanschluss Plus» im Überblick.
Jolanda Riedener
Westlich des Rastplatzes führt der A1-Zubringer via Tunnel und Hohrain in Richtung Sulzstrasse. Bild: Michel Canonica (September 2019)

Westlich des Rastplatzes führt der A1-Zubringer via Tunnel und Hohrain in Richtung Sulzstrasse. Bild: Michel Canonica (September 2019)

Worüber entscheiden die Stimmbürger in Goldach und Rorschach am 17. November?

Sie stimmen über den Vernehmlassungsbeschluss zum «Autobahnanschluss Plus» und die Kostenbeteiligung an eine neue Kantonsstrasse zum See ab.

Wie viel kostet der Autobahnanschluss Plus?

Die Kosten sind von anfangs geschätzten 190 Millionen auf 315 Millionen Franken gestiegen: Voraussichtlich 108 Mio. kostet der A1-Anschluss Witen, 166 Mio. Franken die Kantonsstrasse zum See (Kostengenauigkeit +/- 25 Prozent), hinzu kommen 40 Mio. Franken für Begleitmassnahmen (+/- 30 Prozent).

Welche Kosten müssen die Gemeinden tragen?

Die Gemeinden tragen einen Anteil von rund 6 Prozent. Für den Autobahnanschluss kommen Bund und Kanton auf, an der Kantonsstrasse aber müssen sich auch die Gemeinden beteiligen. Formell zusichern muss Goldach 6,3 Mio. und Rorschach 1,9 Mio. Franken. Weiter hat Rorschacherberg bereits freiwillig maximal zwei Mio. Franken an die Kosten des Langsamverkehrs gesprochen. Zusätzlich sind Beiträge aus dem Agglomerationsfonds zu erwarten. Derzeit sind die Gemeinden im Gespräch, einen fairen Verteilschlüssel zwischen Goldach und Rorschach zu finden, zum Beispiel nach Einwohnerzahlen.

Für Begleitmassnahmen fallen für die Gemeinden weitere 6 bis 15 Mio. Franken an. In Goldach ist damit insbesondere die St.Gallerstrasse gemeint, in Rorschach vor allem die Pestalozzistrasse und die Promenadenstrasse.

Wer bezahlt den Rest?

Die Kantonsstrasse wird aus einem Fonds finanziert, der über die kantonale Motorfahrzeugsteuer gespiesen wird. Die Nationalstrassen werden mit der Mineralölsteuer ebenfalls nach dem Verursacherprinzip finanziert.

Müssen beide Gemeinden Ja sagen, damit der A1-Anschluss gebaut wird?

Goldach und Rorschach müssen dem Projekt zustimmen. Das Ja nur einer Gemeinde reicht nicht aus.

Was passiert, wenn die Gemeinden das Projekt ablehnen?

Da es sich um Kantons- und Nationalstrassen handelt, könnten Bund und Kanton theoretisch trotzdem bauen. Sollte sich eine der Gemeinden dagegen aussprechen, ist das Projekt jedoch faktisch gestorben und der Kanton wird es nicht gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzen, sondern die Gelder werden für andere Strassenbauprojekte in der Schweiz ausgegeben.

Wo soll die Ein- und Ausfahrt zur Autobahn in Rorschach entstehen?

Die Ein- und Ausfahrtsrampen kommen im Bereich der Goldacher Schiessanlage Witen zwischen der Witenholzstrasse sowie der Autobahn zu liegen. Die nördlichen Ein- und Ausfahrtsrampen liegen westlich des heutigen Rastplatzes Sulzberg. Von der Autobahn weg führt der Anschluss dann via Tunnel zum Knoten an der Sulzstrasse. Ab hier führt die neue Kantonsstrasse über einen zweiten Tunnel im Bereich Industriestrasse zum Landhaus-Kreisel und zum See an die Thurgauerstrasse.

Was bedeutet das «Plus» beim Projekt?

Es geht um mehr als um eine Strasse. Das Projekt soll unter anderem: «Zentren beleben» – insbesondere in Goldach und Rorschach, «den Verkehr entflechten», will heissen, den Verkehr auf heutigen Achsen entlasten und mehr Raum für Fussgänger und Velofahrer schaffen, «Stadtlücke zwischen Goldach und Rorschach schliessen» und «Arbeitsplätze sichern», durch zusätzliche Gewerbeflächen. Insbesondere für den Langsamverkehr und den öV werden Massnahmen ausgearbeitet.

Wann soll das Projekt umgesetzt werden?

Als frühestmöglicher Baubeginn gilt 2028.

Reichen die Unterführungen unter der SBB-Linie alleine nicht aus, um das Verkehrsproblem zu lösen?

Gemäss dem Bundesamt für Strassen (Astra) ist das Nationalstrassennetz hoch ausgelastet. Trotz hoher Investitionen in den Ausbau des öffentlichen Eisenbahn- und Nahverkehrs sei bis 2040 mit einem Wachstum von rund 20 Prozent zu rechnen. Die Planer gehen bis dahin von einem generellen Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum in der Region Rorschach aus. Im Masterplan haben die Verantwortlichen auch eine Variante ohne Autobahnanschluss geprüft. Die Hauptachsen und Zentren würden mit dieser Variante aber nicht entlastet. Auf der St.Gallerstrasse zum Beispiel rechnet man 2040 mit 28800 Fahrzeugen pro Tag. Laut Berechnungen würde der Verkehr bereits 2030 am Bruggmühlestrasse-Knoten in Goldach morgens und abends zum Erliegen kommen.

Ist das Projekt ökologisch?

Kaum. Denn durch den Bau des A1-Anschluss Witen und die Kantonsstrasse geht Kulturland verloren. Das Projekt verspricht im Gegenzug aber eine grosszügige Bepflanzung entlang der neu gebauten Strasse. Es soll weniger Verkehr durch dicht besiedelte Gebiete führen. Mit der neuen, teils unterirdischen Verkehrsführung soll der Verkehr aber besser verteilt werden und es soll weniger Stau geben. Dennoch ist die Prognose des generellen Anstiegs im Personenverkehr um 20 Prozent bis 2040 aus ökologischer Sicht alarmierend und sollte Pendler dazu bewegen, wenn möglich aufs Auto zu verzichten oder Fahrgemeinschaften zu bilden.

Angenommen das Verkehrsverhalten in der Region verändert sich auf einmal grundlegend. Könnte man wieder einen Schritt zurück?

Was die Zukunft bringt, weiss niemand. Unklar ist, welchen Einfluss die laufende Klimadebatte oder neue Technologien auf das Verkehrsverhalten in den kommenden 20 Jahren haben wird. Das Projekt verfügt über einen langen Zeithorizont. Laut Dominik Gemperli, Goldachs Gemeindepräsident und Sprecher Autobahnanschluss Plus, sei es immerhin denkbar, vom Projekt wieder zurückzutreten, sollten sich die Rahmenbedingungen grundlegend ändern. Das umgekehrte Szenario sei hingegen unmöglich.

Braucht es den Autobahnanschluss, damit sich die Region wirtschaftlich entwickeln kann?

Die Unternehmer in der Region haben Mühe, Angestellte zu finden. So tönt es an der Informationsveranstaltung zum Autobahnanschluss. Auch die Erreichbarkeit sei ein Grund dafür. Studien bei Arbeitnehmenden zeichnen ein etwas anderes Bild: Die Work-Life-Balance muss stimmen, weniger wichtig hingegen ist der Lohn. Kommt das Projekt, entstehen allerdings Gewerbeflächen, wie sie in Rorschach heute Mangelware sind.

Führen mehr Strassen zu mehr Verkehr?

Es gibt Studien, die belegen, dass mehr und breitere Strassen auch zu mehr Verkehr führen. Die Planer des vorliegenden Projekts gehen hingegen nicht davon aus, dass dies hier zutrifft. Einige heute stark befahrene Quartiere werden durch den dritten Autobahnanschluss entlastet. Die Gegner der Vorlage halten es hingegen für wahrscheinlich, dass die neue Kantonsstrasse direkt ins Stadtzentrum entsprechende Anreize schafft: Ist es bequem direkt ins Zentrum zu fahren, nutzt man das wohl auch eher.

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