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Glosse

Liebe auf den zweiten Blick: St.Gallen überredet Goldach zur Aufnahme eines Kunstwerks

Die Kantonshauptstadt gibt sich grosszügig, Goldach dagegen rümpft die Nase: Die Skulptur «Fountain» des Künstlers Simon Starling, hat trotz Widerwillen des Gemeinderats an der Seepromenade einen Platz gefunden.
Lisa Wickart
Kritisch beäugt das Original (rechts) seinen Zwilling. (Bild: Lisa Wickart)

Kritisch beäugt das Original (rechts) seinen Zwilling. (Bild: Lisa Wickart)

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Das hat sich wohl auch der Goldacher Gemeinderat gedacht, als er von der Stadt St.Gallen eine ungewöhnliche Anfrage erhielt. Am Goldacher Seeufer solle ein Kunstwerk aufgestellt werden – eine Figur des St.Galler Broderbrunnens und ihre Nachbildung. Der britische Künstler Simon Starling hat vom Original einen Terracotta-Zwilling entworfen und vis-à-vis der alten Figur in einen Glaskasten gestellt. «Fountain» nennt der Künstler sein Werk.

Was das mit Goldach zu tun hat? Früher stand hier das städtische Wasserwerk. So sollen die Figuren den Weg des Wassers von Goldach nach St.Gallen symbolisieren. In Goldach war man vom Kunstwerk jedoch alles andere als begeistert, worauf der Gemeinderat die Anfrage ablehnte. Gemeindepräsident Dominik Gemperli formuliert es vergangenen Montag an der Enthüllung der Skulpturen treffend: «Es war nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick.»

Gemperli erwartet Gegenleistung

Doch St.Gallen liess nicht locker und stellte ein Wiedererwägungsgesuch an Goldach. Also setzte sich der Gemeinderat erneut zusammen, um sich über das umstrittene Kunstwerk zu beraten. Wer wird sich um den Unterhalt kümmern? Wie wird genügend Sicherheit gewährleistet? Wird das Kunstwerk den Goldachern überhaupt gefallen? Die offenen Fragen klärten sich auf einen Schlag, als St.Gallen anbot, die volle Verantwortung plus Kosten für die Skulpturen zu übernehmen. Unmittelbar schien es so, als würde der Gemeinderat doch noch eine gewisse Schönheit im Kunstwerk erkennen. «Wahre Liebe kommt oft erst beim zweiten Blick», meinte Gemperli dazu.

Der plötzliche Sinneswandel könnte womöglich noch andere Gründe haben. Gegenüber dem Kunstwerk, auf der anderen Strassenseite, befindet sich das Rietli, wo einst das Wasserwerk stand. Da der Boden der Stadt St.Gallen gehört, hat Goldach auf dem ungenutzten Areal nur wenig zu sagen. Die Gemeinde würde das Gebiet jedoch gerne baulich entwickeln. Trotz der anfänglichen Skepsis im Gemeinderat präsentiert sich Gemperli an der Enthüllung mit einem strahlenden Lächeln. Die letzten Worte seiner Rede richtet er an die St.Galler Stadträtin Maria Pappa und er bedankt sich für die gute Zusammenarbeit. Dann fährt er fort: «Auf eine ebenso gute Zusammenarbeit hoffen wir auch in Zukunft beim Rietli.» Wie sagt man so schön? Eine Hand wäscht die andere.

Kunst braucht seine Zeit

Die St.Gallische Delegation zeigt sich an der Enthüllung besonders stolz über ihre Überredungskünste. Stadträtin Pappa erscheint gar samt Stadtpräsident Scheitlin und Gefolge. In ihrer Rede sagt sie, dass sie nicht erwarte, dass das Kunstwerk sofort von der Bevölkerung verstanden werde – in St.Gallen sei dies nicht anders. Die Goldacher würden schon noch auf den Geschmack kommen:

«Schlussendlich sind solche Kunstwerke nicht mehr wegzudenken, genau so wie die binäre Uhr für die Stadtsanktgaller.»

Sobald Pappa nach ihrer Rede auf das Apéro verweist, verteilten sich die Anwesenden wie Ameisen an die kleinen runden Tische. Auch Dominik Gemperli mischt sich unter das Volk. Die Frage, ob am Kunstwerk eine Informationstafel angebracht werde, verneint er: «Das wird wohl kaum nötig sein.»

Zur Apérogesellschaft stellen sich ebenfalls zwei Badegäste. Mit einem Glas Wein in der Hand mustern sie den Glaskasten skeptisch. «Was soll das sein?», sagt einer der beiden schliesslich. Nach einer ausführlichen Erklärung nickt der Badegast leicht mit dem Kopf. Sogleich drehte er sich wieder zum Getränketisch und lässt sich sein Glas auffüllen.

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